Polen macht einen wichtigen Schritt zur Stärkung seines Energienetzes. Das Unternehmen Green Capital und der EPC-Dienstleister Electrum Holding haben eine Vereinbarung zum Bau eines Batteriespeichersystems (BESS) mit 80 MW Leistung und 320 MWh Kapazität unterzeichnet. Das System, das eine Speicherdauer von vier Stunden ermöglicht, wird in der Region Niederschlesien errichtet. Der Baubeginn ist für das laufende Quartal geplant.
Wichtige Punkte
- 80 MW/320 MWh Batteriespeicher in Niederschlesien.
- Baubeginn im aktuellen Quartal (Q2).
- Electrum Holding ist Generalunternehmer und übernimmt Betrieb für fünf Jahre.
- Inbetriebnahme voraussichtlich Mitte 2027.
- Projekt stärkt Polens Energiesicherheit und Netzstabilität.
Umfassendes Projektmodell sichert Zuverlässigkeit
Electrum Holding übernimmt bei diesem Projekt einen sogenannten 'Full-Wrap'-Ansatz. Dies bedeutet, dass das Unternehmen nicht nur die Beschaffung und Installation des Energiespeichers, sondern auch die Arbeiten an der Hochspannungsinfrastruktur und die Netzanbindung verantwortet. Darüber hinaus umfasst der Vertrag einen fünfjährigen Betriebs- und Wartungsdienst sowie weitere langfristige Servicevereinbarungen. Dieses Modell minimiert Schnittstellenrisiken und vereinfacht den gesamten Prozess für Green Capital.
„Mit der Wahl von Electrum als Generalunternehmer wollten wir mit einem Unternehmen zusammenarbeiten, das langfristig Verantwortung für die Zuverlässigkeit der Anlage übernimmt, nicht nur für ihren Bau“, erklärte Michał Polanowski, CEO von Green Capital.
Die Entscheidung für das 'Full-Wrap'-Modell, obwohl es in der Regel höhere Kosten verursacht als die Beauftragung mehrerer Einzelunternehmen, bietet Green Capital eine hohe Kostenvorhersehbarkeit über den gesamten Lebenszyklus des Projekts. Dies ist besonders bei großen Infrastrukturprojekten von Bedeutung, um finanzielle Risiken zu kontrollieren.
Faktencheck
- Leistung: 80 Megawatt (MW)
- Kapazität: 320 Megawattstunden (MWh)
- Speicherdauer: 4 Stunden
- Standort: Region Niederschlesien, Polen
- Geplante Inbetriebnahme: Juni 2027 (Green Capital) / Q3 2027 (Electrum)
Digitale Steuerung für Effizienz und Marktintegration
Electrum wird auch seine eigenen digitalen Systeme in das Projekt integrieren. Dazu gehört die PPC Renedium-Plattform, die für die Verwaltung des Anlagenbetriebs auf dem Energiemarkt zuständig ist. Zusätzlich kommt das EMACS EMS/SCADA Steuerungs- und Überwachungssystem zum Einsatz. Diese Technologien sind entscheidend, um den Batteriespeicher optimal in den Energiemarkt zu integrieren und seine Effizienz zu maximieren.
„Zunehmend erwarten Investoren nicht nur den Bau einer Energiespeicheranlage, sondern auch die Übernahme langfristiger Verantwortung für ihren zuverlässigen und markteffizienten Betrieb“, sagte Tomasz Taff, Vorstandsmitglied bei Electrum.
Diese integrierte Lösung unterstreicht den Trend, dass Energiespeicherprojekte nicht nur auf physische Infrastruktur, sondern auch auf intelligente Management-Systeme setzen, um den größtmöglichen Nutzen zu erzielen. Green Capital, als Teil der Sun Capital Polska Gruppe, entwickelt eine Pipeline von erneuerbaren Energien und BESS-Projekten in verschiedenen Märkten. Dieses Projekt markiert den ersten großen Batteriespeicher, den das Unternehmen bis zur Bauphase vorangetrieben hat.
Polen als wichtiger Standort für Energiespeicher
Polen hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Zentrum für große Batteriespeichersysteme entwickelt. Treibende Kraft dafür sind staatliche Beschaffungen über den Kapazitätsmarkt (CM), die eine stabile Einnahmebasis für solche Projekte schaffen. Diese Mechanismen bieten Investoren die nötige Sicherheit für den Aufbau von Geschäftsmodellen.
Hintergrund: Polens Kapazitätsmarkt
Der polnische Kapazitätsmarkt ist ein Mechanismus zur Sicherstellung der Stromversorgungssicherheit. Kraftwerke und Speicheranlagen erhalten Zahlungen dafür, dass sie Kapazität zur Verfügung stellen, die bei Bedarf abgerufen werden kann. Dies schafft Anreize für Investitionen in neue Erzeugungskapazitäten und Energiespeicher.
Die CM-Auktionen der letzten Jahre zeigen das wachsende Engagement Polens im Bereich der Energiespeicher. Im Jahr 2022 wurden Verpflichtungen für 165 MW an BESS vergeben, im Jahr 2023 waren es 1,7 GW und 2024 sogar 2,5 GW. Für das Jahr 2025 fielen die Zuteilungen auf 685 MW, was auf eine Anpassung der Bewertung von BESS-Technologien zurückzuführen ist. Insgesamt bedeuten diese Verpflichtungen, dass voraussichtlich rund 11 GW an BESS-Kapazität mit CM-Verträgen gebaut werden, da bei Nichterfüllung hohe Strafen drohen.
Diese Entwicklung macht Polen zu einem Vorreiter in Mittel- und Osteuropa bei der Integration von Energiespeichern in das nationale Stromnetz. Die Kapazitätsmärkte bieten eine langfristige Perspektive und fördern die Transformation des Energiesektors hin zu mehr erneuerbaren Energien und einer stabileren Versorgung.





