Polen hat die Ergebnisse seiner jüngsten Kapazitätsmarktauktion für das Jahr 2030 bekannt gegeben. Auffällig ist ein deutlicher Rückgang der zugesagten Kapazitäten für Batteriespeichersysteme (BESS) im Vergleich zu den Vorjahren. Während Gasprojekte in dieser Runde stark bevorzugt wurden, erhielten Batteriespeicher aufgrund einer drastischen Senkung des Derating-Faktors deutlich weniger Zuschläge.
Wichtige Erkenntnisse
- Nur 685 MW für Batteriespeicher im Jahr 2030 zugesagt, ein Rückgang von über 1,7 GW im Vorjahr.
- Der Derating-Faktor für BESS wurde von 60% auf nur 13% gesenkt.
- Gasprojekte sicherten sich rund 2.400 MW an Kapazitätsverträgen.
- Die Regierung signalisierte bereits im Januar die Bevorzugung von Gaskraftwerken.
- Dies ist die letzte Auktion unter dem aktuellen System, ein neues EU-Rahmenwerk wird verhandelt.
Veränderte Prioritäten im polnischen Energiemix
Der staatliche Übertragungsnetzbetreiber PSE hat kürzlich die Ergebnisse der Kapazitätsmarktauktion bekannt gegeben. Insgesamt wurden Verpflichtungen für 6.887,639 MW ab dem Jahr 2030 vergeben. Der Kapazitätsmarkt ist in Polen ein entscheidender Pfeiler für die Wirtschaftlichkeit großer Energiespeicherprojekte.
In den vergangenen Jahren dominierte die Speichertechnologie die Ausschreibungen. Im Jahr 2022 wurden beispielsweise 165 MW für BESS vergeben, im Jahr 2023 waren es beeindruckende 1,7 GW und im Jahr 2024 sogar 2,5 GW an Verpflichtungen. Die aktuelle Auktion markiert jedoch eine klare Trendwende: Nur etwa 685 MW gingen an Batteriespeichersysteme.
„Es war klar, dass der Übertragungsnetzbetreiber BESS zugunsten von Gas kürzen will. Und sie haben ihren Standpunkt deutlich gemacht“, sagte Michal Maćkowiak, Executive Director bei Harmony Energy Poland.
Faktencheck
- 2023: 1,7 GW BESS-Zuschläge
- 2024: 2,5 GW BESS-Zuschläge
- Aktuelle Auktion (für 2030): Nur 685 MW BESS-Zuschläge
Derating-Faktor als entscheidender Hebel
Der Hauptgrund für den Rückgang der BESS-Zuschläge liegt in einer drastischen Kürzung des sogenannten Derating-Faktors. Dieser Faktor, auch als „Korrektur-Verfügbarkeitsfaktor“ bekannt, begrenzt, wie viel der Nennkapazität eines Projekts in der Auktion angeboten werden darf. Er soll die Zuverlässigkeit einer Technologie bei der Bedarfsdeckung widerspiegeln.
Für Batteriespeichersysteme wurde dieser Faktor auf lediglich 13% gesenkt. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 lag er noch bei 60%, und im Jahr 2023 sogar bei 95%. Diese massive Reduzierung macht Batteriespeicher im Vergleich zu Gaskraftwerken deutlich weniger attraktiv für Investoren im Kapazitätsmarkt.
Was ist der Derating-Faktor?
Der Derating-Faktor ist ein technischer Parameter, der angibt, welcher Anteil der installierten Leistung einer Anlage tatsächlich als zuverlässige Kapazität im Stromnetz zur Verfügung steht. Ein niedrigerer Faktor bedeutet, dass eine Anlage weniger Kapazität in die Auktion einbringen kann, was ihre Einnahmen aus dem Kapazitätsmarkt direkt mindert.
Piotr Czembor von Harmony Energy Poland wies darauf hin, dass die tatsächliche Kapazität der BESS-Projekte, die Verträge gewonnen haben, wahrscheinlich bei etwa 5 GW liegen wird, für die der Kapazitätsmarkt nur etwa 13% der Einnahmen ausmachen wird. Im Gegensatz dazu sicherten sich Gasprojekte rund 2.400 MW an Verträgen.
Politische Weichenstellung zugunsten von Gas
Die polnische Regierung hatte bereits im Januar dieses Jahres signalisiert, die Parameter der Auktion zugunsten von Gas zu ändern. Diese strategische Entscheidung spiegelt sich nun in den Auktionsergebnissen wider.
Wojciech Swiercz, Partner bei Arthur D. Little, erklärte: „Die diesjährige Haupt-Kapazitätsmarktauktion war primär darauf ausgelegt, Investoren in gasbefeuerte Stromerzeugung anzuziehen, wobei die Auktionsparameter Gas gegenüber Energiespeichern erheblich begünstigten – im Gegensatz zu den Vorjahren, als Speichertechnologien dominierten.“
Die Änderung des Korrektur-Verfügbarkeitsfaktors (KWD) für Energiespeicher von über 60% im letzten Jahr und 95% vor zwei Jahren auf nunmehr 13,39% hatte einen direkten Einfluss auf die potenziellen Einnahmen aus Kapazitätsverträgen für Speicherprojekte.
Herausforderungen für zukünftige Projekte
Trotz der Benachteiligung im Kapazitätsmarkt ist die Menge an Speicherprojekten, die dennoch Zuschläge erhalten haben, überraschend hoch, so Swiercz. Doch sowohl Gas- als auch Energiespeicherinvestoren stehen nun vor einem Wettlauf gegen die Zeit, um ihre Verpflichtungen innerhalb von fünf Jahren zu erfüllen.
Es wird erwartet, dass es erhebliche Herausforderungen geben wird. Dazu gehören globale Engpässe bei Gasturbinen, regulatorische Unsicherheiten für Energiespeicher und hohe Finanzierungskosten. Diese Faktoren könnten die Umsetzung der Projekte zusätzlich erschweren.
Letzte Auktion unter altem System
Die nun abgeschlossene Kapazitätsmarktauktion ist die letzte ihrer Art unter dem aktuellen System. Ein neuer Rahmen wird derzeit mit der Europäischen Union verhandelt. Dies könnte bedeuten, dass zukünftige Auktionen unter anderen Bedingungen stattfinden werden, was neue Chancen oder Herausforderungen für die verschiedenen Technologien mit sich bringen könnte.
Zu den namhaften Entwicklern und Betreibern, die in dieser Auktion Verträge für BESS-Projekte gewonnen haben, gehören R.Power, Nala Renewables, Axpo, RWE und Tauron. Das staatliche Energieunternehmen PGE erhielt zahlreiche Verträge für verschiedene Technologien, darunter auch BESS. Enel X Polska, Teil des italienischen Energiekonzerns, sicherte sich ebenfalls einige Verträge für Demand-Response-Einheiten.
Nur wenige Tage vor dem Abschluss des Kapazitätsmarktes hatte Polen bereits eine Liste von Energiespeicherprojekten veröffentlicht, die für Fördermittel in Höhe von 1 Milliarde Euro infrage kommen. Dies deutet darauf hin, dass das Land weiterhin in Energiespeicher investieren möchte, auch wenn der Kapazitätsmarkt derzeit andere Prioritäten setzt.





