Europa erlebt eine signifikante Expansion im Bereich der Energiespeichersysteme (BESS). Mehrere Projekte in Österreich, Deutschland und Litauen unterstreichen das wachsende Engagement für die Integration erneuerbarer Energien und die Stabilisierung der Stromnetze. Diese Entwicklungen sind entscheidend für die Energiewende auf dem Kontinent.
Wichtige Erkenntnisse
- NGEN errichtet ein 85 M/170 MWh BESS in Oberösterreich, das noch dieses Jahr in Betrieb gehen soll.
- Foresight Group investiert über ihren FEIP II Fonds in den deutschen BESS-Entwickler Mirai Power.
- Die EBRD erhöht ihre Beteiligung an Green Genius in Litauen auf insgesamt 150 Millionen Euro.
- Der Fokus liegt auf der Integration erneuerbarer Energien und der Netzstabilität.
- Europa stärkt seine Infrastruktur für Batteriespeicher erheblich.
Österreichs Rolle im europäischen Stromnetz
Das slowenische Unternehmen NGEN hat mit dem Bau eines großen Batteriespeichersystems in Wagenham, Oberösterreich, begonnen. Dieses System wird eine Kapazität von 85 Megawatt (MW) und eine Speicherkapazität von 170 Megawattstunden (MWh) haben. Es ist darauf ausgelegt, zwei Stunden lang Energie zu liefern. Die kommerzielle Inbetriebnahme ist noch für dieses Jahr geplant.
Oberösterreich spielt eine strategische Rolle im europäischen Stromnetz. Es dient als wichtiger Verbindungspunkt zu Deutschland. Diese geografische Lage macht den Standort ideal für Projekte, die die Netzflexibilität verbessern und die Integration von erneuerbaren Energien unterstützen sollen.
„Die Flexibilität zur Unterstützung der Integration erneuerbarer Energien in das Netz ist von entscheidender Bedeutung“, betont NGEN in einer Erklärung zu dem Projekt.
Interessanter Fakt
Vor drei Jahren nahm NGEN bereits das damals größte BESS Österreichs mit 20 MWh in Betrieb. Seitdem hat das Unternehmen seine Aktivitäten auf Slowenien, Kroatien, Portugal und Deutschland ausgeweitet.
Deutsche Ambitionen im Batteriespeichersektor
Auch in Deutschland schreitet der Ausbau der Batteriespeicherinfrastruktur voran. Der Vermögensverwalter Foresight Group hat über seinen Fonds Foresight Energy Infrastructure Partners II (FEIP II) in den deutschen BESS-Entwickler Mirai Power investiert. Mirai Power hat eine Projektpipeline von 12,5 Gigawatt (GW) in Deutschland aufgebaut, wobei der Schwerpunkt auf an das Übertragungsnetz angeschlossenen Anlagen liegt.
Mit der Unterstützung der Foresight Group plant Mirai Power, seine Aktivitäten über Deutschland hinaus zu erweitern. Diese Partnerschaft signalisiert eine starke Zuversicht in das Potenzial des deutschen und europäischen Marktes für Batteriespeicher.
Hintergrundinformation
Mirai Power hat bereits zuvor mit einem anderen BESS-Investor, BW ESS, an einer 1 GW-Pipeline in Deutschland zusammengearbeitet. Dies zeigt die Erfahrung und das Netzwerk des Unternehmens in diesem schnell wachsenden Sektor.
Litauen und Osteuropa stärken ihre grüne Energie
Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hat ihre Investition in den litauischen Entwickler für saubere Energie, Green Genius, weiter aufgestockt. Die EBRD erwarb eine weitere Beteiligung in Höhe von 50 Millionen Euro, wodurch sich die Gesamtinvestition auf 150 Millionen Euro erhöht. Diese Mittel sollen die 1,9 GW starke Projektpipeline von Green Genius in Litauen, Lettland und Polen unterstützen.
Ein starker Fokus liegt dabei auf Batteriespeichersystemen, einschließlich eines Großprojekts in Litauen. Die EBRD hat in der Vergangenheit regelmäßig Finanzierungen für Projekte in Mittel- und Osteuropa (CEE) bereitgestellt. Dies umfasst unter anderem BESS-Projekte in Estland von Baltic Storage Platform (BSP) und in Bulgarien, Ungarn, Rumänien sowie Nordmazedonien von IPP Renalfa.
Auch in der Ukraine unterstützt die EBRD den Ausbau. Dort hat sie ein BESS-Projekt des Energieunternehmens KNESS finanziert. Diese Investitionen sind entscheidend, um die Energiesicherheit und die Integration erneuerbarer Energien in der gesamten Region zu fördern.
Technologische Innovationen treiben den Fortschritt voran
Unternehmen wie NGEN setzen auf eigene Energiemanagementsysteme (EMS). NGENs „Energy Smart Grid Platform“ kann verschiedene Technologien, einschließlich BESS, zu virtuellen Kraftwerken (VPPs) aggregieren. Solche Plattformen sind entscheidend für die effiziente Steuerung und Optimierung der Energiespeicher im Netz.
Obwohl NGEN den Lieferanten für das neueste Projekt in Oberösterreich nicht bekannt gab, hat das Unternehmen in der Vergangenheit oft mit Tesla zusammengearbeitet. Dies unterstreicht die Bedeutung von erprobten und leistungsstarken Technologien für den Erfolg solcher Großprojekte.
Zukunftsperspektiven für Energiespeicher in Europa
Der aktuelle Ausbau der Batteriespeicherinfrastruktur in Europa zeigt eine klare Richtung: Die Länder des Kontinents investieren massiv in Technologien, die die Energiewende unterstützen. Durch die Integration von mehr erneuerbaren Energien und die Verbesserung der Netzstabilität werden die Stromnetze widerstandsfähiger und nachhaltiger.
Die Zusammenarbeit zwischen Entwicklern, Investoren und Finanzinstitutionen wie der EBRD ist dabei von großer Bedeutung. Sie schafft die notwendigen Voraussetzungen für die Realisierung großer und komplexer Projekte, die für die zukünftige Energieversorgung Europas unverzichtbar sind. Die nächsten Jahre werden entscheidend sein für die weitere Entwicklung und Skalierung dieser Technologien.




