Lightsource bp, ein führender Entwickler im Bereich Solar- und Batteriespeicher, hat ein umfassendes Hybridprojekt für erneuerbare Energien in Westaustralien zur Genehmigung eingereicht. Das sogenannte Narrogin East Renewable Energy Project kombiniert Wind-, Solar- und Batteriespeichertechnologien. Es soll rund 190 Kilometer südöstlich von Perth in der Region Wheatbelt South entstehen.
Das Projekt zielt darauf ab, die Energieversorgung der Region zu stärken und gleichzeitig die Umweltauswirkungen zu minimieren. Die Einreichung beim australischen Umweltministerium für Bewertung gemäß dem Environment Protection and Biodiversity Conservation (EPBC) Act ist ein wichtiger Schritt für die Realisierung dieses Großprojekts.
Wichtige Eckpunkte
- Hybridanlage: Kombination aus 250 MW Wind, 150 MW Solar und 200 MW/800 MWh Batteriespeicher.
- Standort: 190 km südöstlich von Perth, Westaustralien, auf primär landwirtschaftlich genutzter Fläche.
- Umweltprüfung: Fokus auf Schutz bedrohter Vogelarten wie Carnaby- und Rotbauch-Schwarzschulterkakadu.
- Anschluss: Nutzung einer bestehenden 220-kV-Übertragungsleitung von Western Power.
- Zeitplan: Baubeginn Oktober 2027, Betriebsstart Oktober 2057.
Ein integriertes Energiekonzept für Westaustralien
Das Narrogin East Projekt ist als eine hochmoderne Hybridanlage konzipiert. Es vereint verschiedene Technologien zur Stromerzeugung und -speicherung. Die Anlage soll eine Gesamtkapazität von 250 Megawatt Windenergie und 150 Megawatt Solarenergie liefern. Ergänzt wird dies durch ein zentralisiertes Batteriespeichersystem (BESS) mit einer Leistung von 200 Megawatt und einer Speicherkapazität von 800 Megawattstunden.
Diese Kombination ermöglicht eine stabilere und zuverlässigere Energieversorgung, da die Schwankungen von Wind- und Solarenergie ausgeglichen werden können. Das Projektgebiet umfasst etwa 4.481 Hektar. Die tatsächlich genutzte Fläche, der sogenannte 'disturbance footprint', beträgt rund 470 Hektar. Bemerkenswert ist, dass etwa 79 Prozent dieser Fläche bereits für landwirtschaftliche Zwecke gerodet wurden. Dies reduziert den Bedarf an zusätzlichen Rodungen erheblich.
Fakten zum Projekt
- Windenergie: ca. 250 MW
- Solarenergie: ca. 150 MW
- Batteriespeicher: 200 MW / 800 MWh
- Gesamtfläche: 4.481 Hektar
- Nutzfläche: 470 Hektar (79% bereits landwirtschaftlich genutzt)
Standort und Infrastruktur
Der Standort des Projekts ist strategisch gewählt. Er liegt im Wheatbelt South, einer Region, die sich gut für erneuerbare Energien eignet. Ein wesentlicher Vorteil ist die vorhandene 220-kV-Übertragungsleitung von Western Power, die das Gelände durchquert. Dies bedeutet, dass keine neue, kostspielige Übertragungsinfrastruktur gebaut werden muss. Dies spart nicht nur Kosten, sondern auch Zeit und minimiert zusätzliche Umweltauswirkungen.
Lightsource bp, die australische Tochtergesellschaft des britischen Entwicklers, hat den Antrag am 27. August 2026 über das Beratungsunternehmen GHD eingereicht. Der Bau soll im Oktober 2027 beginnen. Die geplante Betriebszeit reicht bis Oktober 2057, was eine lange und stabile Energieversorgung verspricht.
Umweltaspekte und Artenschutz
Die ökologische Bewertung, die Teil des Genehmigungsverfahrens ist, hat potenzielle Auswirkungen auf vier geschützte Tierarten innerhalb des Projektgebiets identifiziert. Dazu gehören insbesondere der Carnaby-Schwarzschulterkakadu und der Rotbauch-Schwarzschulterkakadu. Beide Arten sind gemäß dem EPBC Act als bedroht eingestuft.
Das Projekt ist so konzipiert, dass lediglich 0,68 Hektar ursprünglicher Vegetation und 1,21 Hektar angepflanzter Vegetation gerodet werden müssen. Lightsource bp betont, dass das Design alle bekannten Brut- und Schlafplätze der beiden Kakaduarten umgeht. Dies beinhaltet auch acht potenzielle Nistbäume. Derzeit sind keine Ausgleichsmaßnahmen (Offsets) vorgesehen, da Lightsource bp zu dem Schluss kommt, dass das Projekt voraussichtlich keine erheblichen Auswirkungen auf national bedeutsame Umweltgüter haben wird. Daher wird es nicht als "kontrollierte Aktion" eingestuft.
"Unser Ziel ist es, ein Projekt zu entwickeln, das nicht nur saubere Energie liefert, sondern auch die lokale Umwelt schützt und die Auswirkungen auf bedrohte Arten minimiert", erklärte ein Sprecher von Lightsource bp.
Hintergrund: EPBC Act
Der Environment Protection and Biodiversity Conservation Act 1999 (EPBC Act) ist Australiens zentrales Umweltgesetz. Er schützt die national bedeutsamen Umweltgüter, darunter bedrohte Arten und ökologische Gemeinschaften, Weltnaturerbe-Gebiete und Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung. Projekte, die potenziell erhebliche Auswirkungen auf diese Güter haben könnten, müssen einer umfassenden Prüfung unterzogen werden.
Boom bei Batterie- und Hybridprojekten in Australien
Die Einreichung des Narrogin East Projekts reiht sich ein in eine Serie großer Batterie- und Hybridprojekte, die in den letzten Monaten in Australien zur EPBC-Bewertung eingereicht wurden. Dies unterstreicht den wachsenden Trend zu integrierten Lösungen für erneuerbare Energien und Speichersysteme im Land.
Ein Beispiel ist das 500 MW/2.000 MWh Blackstone BESS von Octopus Australia in Queensland, das im September eingereicht wurde. Diese eigenständige Anlage entsteht auf einem ehemaligen Kohlebergwerk im Industriegebiet Swanbank. Zuvor hatte Octopus bereits das 1,2 GW/4,8 GWh Hanworth Battery Project in New South Wales eingereicht.
Auch andere Entwickler sind in diesem Sektor aktiv. ZEBRE, ein Joint Venture von HD Renewable Energy und ZEN Energy, reichte im August das 180 MW/360 MWh Noblevale Battery zur EPBC-Bewertung ein. Dieses Projekt soll ebenfalls an die Blackstone-Umspannstation angeschlossen werden, allerdings von einem separaten Standort innerhalb desselben Bereichs.
Vielfältige Projekte in der Pipeline
Hybridprojekte, die Erzeugung und Speicherung kombinieren, spielen eine immer größere Rolle. Samsung C&T Renewable Energy Australia reichte im Juli das 1.000 MWh Boro Solar-plus-Speicherprojekt in New South Wales ein. Es kombiniert 150 MW Solar-PV mit einem 250 MW/1.000 MWh BESS. Dies ist eines von mindestens fünf Projekten, die das Unternehmen in diesem Bundesstaat entwickelt oder technisch untersucht.
Die schiere Menge der Einreichungen hat jedoch auch Fragen zur Geschwindigkeit der Umsetzung aufgeworfen. Die Clean Energy Investor Group veröffentlichte im Juli einen Bericht, in dem sie die Bundesregierung aufforderte, schnellere und konsistentere Entscheidungen gemäß dem reformierten EPBC Act zu treffen. Die Gruppe vertritt Entwickler und Investoren mit über 16 GW installierter Kapazität und einer Projektpipeline von über 46 GW landesweit.
Weitere Großprojekte in Australien
- Blackstone BESS (Octopus Australia): 500 MW / 2.000 MWh in Queensland
- Hanworth Battery Project (Octopus Australia): 1,2 GW / 4,8 GWh in New South Wales
- Noblevale Battery (ZEBRE): 180 MW / 360 MWh in Queensland
- Boro Solar-plus-Speicher (Samsung C&T): 150 MW Solar + 250 MW / 1.000 MWh BESS in New South Wales
Forderungen nach schnelleren Genehmigungsverfahren
Der Bericht der Clean Energy Investor Group stellte fest, dass die National Environmental Standards, ein Offsets-Rechner und eine formale Definition von "Netto-Gewinn" Mitte 2026 noch in Entwicklung waren. Dies geschah, obwohl die meisten Bewertungsbefugnisse bereits an die neu eingerichtete National Environmental Protection Agency delegiert worden waren. Die vollständige Inkraftsetzung der Reformen war bis Dezember 2026 erforderlich.
Die Branche fordert mehr Planungssicherheit und Effizienz bei den Genehmigungsverfahren. Schnelle und transparente Entscheidungen sind entscheidend, um die ambitionierten Ziele Australiens im Bereich der erneuerbaren Energien zu erreichen und die Energiewende voranzutreiben.
Die kontinuierliche Entwicklung und Einreichung großer Hybrid- und Speicherprojekte wie dem Narrogin East Projekt zeigt das enorme Potenzial Australiens im Bereich der erneuerbaren Energien. Gleichzeitig unterstreicht es die Notwendigkeit, Genehmigungsprozesse zu optimieren, um dieses Potenzial voll ausschöpfen zu können.





