Die Energielandschaft in Europa erlebt einen entscheidenden Wandel. Zwei Großprojekte im Bereich Batteriespeicher, eines von RWE in den Niederlanden und ein weiteres von Giga Storage in Belgien, sollen die Netzstabilität deutlich verbessern. Diese Anlagen, die jeweils eine erhebliche Speicherkapazität aufweisen, sind für eine Inbetriebnahme im Jahr 2028 vorgesehen und stellen wichtige Schritte zur Integration erneuerbarer Energien dar.
Wichtige Erkenntnisse
- RWE investiert in ein 400 MW / 1,1 GWh Batteriespeichersystem in den Niederlanden.
- Giga Storage baut das 700 MW / 2,8 GWh Projekt „Green Turtle“ in Belgien, eines der größten Europas.
- Beide Projekte sollen Anfang 2028 in Betrieb gehen.
- Die Batteriespeicher sollen Engpässe im Stromnetz reduzieren und die Integration erneuerbarer Energien fördern.
- Tesla liefert 640 Megapack 3 Einheiten für das Green Turtle Projekt.
RWEs Großspeicher in Moerdijk
RWE hat die endgültige Investitionsentscheidung (FID) für ein Batteriespeichersystem (BESS) mit einer Leistung von 400 Megawatt (MW) und einer Speicherkapazität von 1,1 Gigawattstunden (GWh) getroffen. Das System wird am Standort des Kraftwerks Moerdijk in den Niederlanden errichtet. Die Bauarbeiten sollen in Kürze beginnen. Die Inbetriebnahme ist für das zweite Quartal 2028 geplant.
Das BESS wird aus 208 Lithium-Ionen-Containern bestehen, wobei jeder Container eine Kapazität von etwas über 5 MWh besitzt. Diese Anlage ist darauf ausgelegt, das Stromnetz zu entlasten. Insbesondere wird sie die Integration des 795 MW Offshore-Windprojekts OranjeWind unterstützen. OranjeWind ist ein Gemeinschaftsunternehmen von RWE und TotalEnergies.
Mark Lentjes, Regionaldirektor des Netzbetreibers TenneT Südliche Niederlande, erklärte, dass das BESS als Engpasslöser fungieren wird. Durch sogenannte 'Lenkungsvereinbarungen' mit TenneT wird es gezielt eingesetzt, um Engpässe in der Region Noord-Brabant zu mindern. Dies schafft Kapazitäten im Netz für weitere Parteien auf der Warteliste.
Faktencheck RWE Moerdijk
- Leistung: 400 MW
- Speicherkapazität: 1,1 GWh
- Einsatzdauer: 2,75 Stunden
- Standort: Moerdijk, Niederlande
- Inbetriebnahme: Zweites Quartal 2028
- Anzahl Batteriekontainer: 208
Strategische Lage und Netzdienstleistungen
Der Standort Moerdijk ist strategisch günstig gewählt. Er liegt nahe dem 150.000-Volt-Hochspannungs-Umspannwerk Moerdijk-Noord. Die Nähe zum Umspannwerk ermöglicht es, einen regionalen Engpass zu beheben, der sich auf die gesamte Region auswirkt. Das Projekt kann zudem erweiterte Netzdienstleistungen wie Momentanreserve (Trägheit) bereitstellen. RWE ist in den Niederlanden, Deutschland, den USA und Australien stark im Bereich Batteriespeicher aktiv.
Giga Storages Gigaprojekt „Green Turtle“ in Belgien
Parallel dazu hat der Betreiber von Batteriespeichern, Giga Storage, mit dem Bau seines „Green Turtle“-Projekts begonnen. Es handelt sich um ein System mit einer Leistung von 700 MW und einer Speicherkapazität von 2.800 MWh. Damit zählt es zu den größten Batteriespeichern in Europa. Die Bekanntgabe des Baubeginns erfolgte kurz nach der Sicherung der Finanzierung und einer Absichtserklärung (LOI) mit Tesla.
Tesla wird im Rahmen eines EPC-Gesamtvertrags (Engineering, Procurement and Construction) 640 seiner Megapack 3 BESS-Einheiten liefern. Diese basieren auf Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP). Die Tiefbauarbeiten werden von Stadbader Contractors ausgeführt. Die Inbetriebnahme ist für März 2028 geplant.
Was ist ein Tesla Megapack 3?
Das Tesla Megapack 3 ist eine fortschrittliche Batteriespeicherlösung für Versorgungsunternehmen. Es nutzt Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP), die für ihre Langlebigkeit und Sicherheit bekannt sind. Diese Einheiten sind darauf ausgelegt, große Mengen an Energie zu speichern und bei Bedarf schnell ins Netz einzuspeisen, um Schwankungen auszugleichen und die Netzstabilität zu gewährleisten.
Fortschritte beim Bau und Netzanbindung
Die vorbereitenden Erd- und Straßenarbeiten begannen bereits Mitte August. Nun starten die Installationen der Batterien, Verkabelungen und Hochspannungsanlagen. Ähnlich wie das niederländische Projekt von RWE profitiert „Green Turtle“ von der direkten Nähe zu einer Hochspannungsleitung, der 380-kV-Leitung Van Eyck-Gramme. Der Netzbetreiber Elia errichtet am Standort ein neues Hochspannungs-Umspannwerk, um das Projekt aufzunehmen.
Giga Storage, seit 2024 im Besitz des Investors InfraVia, hat seinen Hauptsitz in den Niederlanden. Das Unternehmen ist auch dort aktiv. Im vergangenen Jahr begann der Bau eines 1,2 GWh BESS in den Niederlanden. Ein weiteres Projekt mit 1,4 GWh wird in Deutschland realisiert. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung von Batteriespeichersystemen für die europäische Energiewende.
Die Rolle von Batteriespeichern in der Energiewende
Batteriespeichersysteme sind entscheidend für die Energiewende. Sie ermöglichen die Speicherung überschüssiger Energie aus erneuerbaren Quellen wie Wind- und Solaranlagen. Diese Energie kann dann bei Bedarf ins Netz eingespeist werden, wenn die Erzeugung schwach ist oder der Verbrauch hoch ist. Dies reduziert die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und stabilisiert das Stromnetz.
Die neuen Projekte in den Niederlanden und Belgien tragen direkt zur Lösung von Netzengpässen bei. Sie schaffen mehr Flexibilität und ermöglichen es, mehr erneuerbare Energien in das bestehende Netz zu integrieren. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Klimaziele zu erreichen und eine zuverlässige Energieversorgung sicherzustellen. Die Investitionen in solche Großspeicher sind ein klares Signal für die Zukunft der Energieversorgung in Europa.
- Netzstabilisierung: Ausgleich von Schwankungen bei der Erzeugung erneuerbarer Energien.
- Engpassmanagement: Gezielter Einsatz zur Entlastung überlasteter Netzabschnitte.
- Integration erneuerbarer Energien: Ermöglicht den Anschluss weiterer Wind- und Solaranlagen.
- Systemdienstleistungen: Bereitstellung von Frequenz- und Spannungshaltung.
Die Zusammenarbeit zwischen Energieunternehmen und Netzbetreibern, wie im Fall von RWE und TenneT, ist dabei essenziell. Solche Partnerschaften gewährleisten, dass die Speicherlösungen optimal in die bestehende Netzinfrastruktur integriert werden und ihren maximalen Nutzen entfalten können. Die Entwicklungen in den Niederlanden und Belgien zeigen, wie Europa die Herausforderungen der Energiewende aktiv angeht.





