Nova Scotia Power hat die größten Batteriespeicheranlagen in Atlantik-Kanada in Betrieb genommen. Drei Systeme mit einer kombinierten Leistung von 150 MW und einer Kapazität von 600 MWh sollen die Stromversorgung der Provinz sichern und den Ausstieg aus der Kohleverstromung vorantreiben. Die Projekte, verteilt auf Bridgewater, Waverley und White Rock, stellen einen wichtigen Schritt in Richtung einer grüneren Energiezukunft dar.
Wichtige Punkte
- Drei neue Batteriespeicheranlagen mit insgesamt 150 MW / 600 MWh in Betrieb genommen.
- Die Anlagen sind die größten ihrer Art in Atlantik-Kanada.
- Ziel ist die Erhöhung der Netzstabilität und die Förderung erneuerbarer Energien.
- Mi'kmaw-Gemeinschaften sind als Eigenkapitalpartner beteiligt.
- Kanadische Regierung und Infrastrukturbank investieren über 240 Millionen CAD.
Ein Meilenstein für Kanadas Energiewende
Die Inbetriebnahme dieser drei Batteriespeicheranlagen markiert einen bedeutenden Fortschritt für die Energieinfrastruktur von Nova Scotia und ganz Atlantik-Kanada. Jede Anlage liefert 50 MW Leistung und speichert 200 MWh Energie. Zusammen bilden sie ein Portfolio, das die Zuverlässigkeit des Stromnetzes erheblich verbessert.
Diese Systeme sind entscheidend, um Schwankungen im Netz auszugleichen, die durch die Integration erneuerbarer Energien entstehen. Gleichzeitig stärken sie die Versorgungssicherheit während Spitzenlastzeiten und bei Netzausfällen. Die Provinz Nova Scotia hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2030 sollen 80 % des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen und die Kohleverstromung vollständig eingestellt werden.
Fakten zum Projekt
- Gesamtleistung: 150 Megawatt (MW)
- Gesamtkapazität: 600 Megawattstunden (MWh)
- Standorte: Bridgewater, Waverley, White Rock
- Investition Kanada: 109 Millionen CAD
- Darlehen Kanada Infrastrukturbank: 138,2 Millionen CAD
Staatliche Unterstützung und indigene Beteiligung
Die Realisierung dieser Projekte wurde durch erhebliche finanzielle Unterstützung der kanadischen Regierung ermöglicht. Über das Electricity Predevelopment Program von Natural Resources Canada wurden 109 Millionen CAD bereitgestellt. Diese Mittel deckten Vorerschließungsarbeiten, Installationen und Modernisierungen des Stromnetzes ab.
Zusätzlich stellte die Canada Infrastructure Bank (CIB) ein Darlehen von 138,2 Millionen CAD zur Verfügung. Die CIB, eine staatliche Körperschaft, fördert Infrastrukturprojekte durch Fremdfinanzierung. Diese umfangreiche Unterstützung unterstreicht die nationale Bedeutung der Energiewende in Nova Scotia.
Ein besonderes Merkmal dieser Initiative ist die Beteiligung aller 13 Mi’kmaw-Gemeinschaften in Nova Scotia. Sie sind über die Wskijinu’k Mtmo’taqnuow Agency (WMA) als Eigenkapitalpartner an den Projekten beteiligt. Dies ist das erste saubere Energieprojekt, das durch die Indigenous Equity Initiative der CIB unterstützt wird.
„Diese Projekte stärken die Zuverlässigkeit des Stromsystems für unsere Kunden und ermöglichen gleichzeitig das weitere Wachstum erneuerbarer Energien in der gesamten Provinz“, sagte Vivek Sood, Präsident und CEO von Nova Scotia Power.
Beschleunigter Ausbau durch Gesetzesänderungen
Die schnelle Umsetzung der Batteriespeicherprojekte wurde auch durch legislative Anpassungen in Nova Scotia ermöglicht. Im Jahr 2023 änderte die Provinz ihr Electricity Act, um den Einsatz von Energiespeichern zu beschleunigen. Diese Änderungen erlaubten es Nova Scotia Power, wettbewerbsorientierte Ausschreibungen zur Beschaffung von Batteriespeicherressourcen durchzuführen.
Dies ebnete den Weg für den Bau der Anlagen in Bridgewater, Waverley und White Rock. Die Provinz schätzt, dass bis 2030 zwischen 300 MW und 400 MW an Energiespeicherkapazität benötigt werden, um das Ziel von 80 % erneuerbarer Energie und den vollständigen Kohleausstieg zu erreichen.
Hintergrund zur Energieversorgung in Nova Scotia
Im Jahr 2022 stammten noch über 70 % des Stroms in Nova Scotia aus fossilen Brennstoffen wie Kohle und Erdgas. Erneuerbare Energien, darunter Wasserkraft, Windkraft, Gezeitenenergie und Solarenergie, trugen etwa 23 % bei. Die Provinz verfügt bereits über mehr als 300 kommerzielle Windturbinen, von denen fünf Windparks mehrheitlich im Besitz von Mi’kmaw-Gemeinschaften sind. Der chinesische Windturbinenhersteller Envision Energy plant zudem ein 300 MW Hybridprojekt aus Windkraft und Speichern bei Sydney.
Vielfältige Ansätze in Kanada
Während Nova Scotia einen Versorgungsunternehmen-geführten Ansatz mit direkten Bundesinvestitionen und indigener Beteiligung verfolgt, entwickeln andere kanadische Provinzen eigene Strategien für Batteriespeicher.
In Ontario hat der Independent Electricity System Operator (IESO) durch seine Beschaffungsrunden die größte Batteriespeicheraktivität des Landes vorangetrieben. Dazu gehört auch der 250 MW / 1.000 MWh Napanee BESS, ein Gemeinschaftsprojekt von Ameresco und Atura Power. Dieses Projekt ging im Mai 2026, etwa fünf Wochen vor dem Zeitplan und unter dem Budget von 600 Millionen CAD, in Betrieb.
Der Ausbau in Ontario wird teilweise durch die geplante Schließung des 2.100 MW Pickering Kernkraftwerks im Jahr 2026 vorangetrieben. Energy Storage Canada, ein Handelsverband, hat empfohlen, einen speziellen Beschaffungspfad für kleinere, netzgebundene Batteriespeicher zu schaffen. Sie argumentieren, dass die derzeitigen Vergütungsstrukturen den Wert dieser Assets unterschätzen.
British Columbia verfolgt einen zentralisierteren Ansatz. BC Hydro, das staatliche Versorgungsunternehmen der Provinz, entwickelt das erste große Batteriespeicherprojekt der Provinz. Eine Anlage von mindestens 100 MW ist in der Nähe von Duncan auf Vancouver Island geplant. BC Hydro beabsichtigt, diese Anlage direkt zu besitzen und zu betreiben, anstatt sie über einen langfristigen Vertrag mit einem privaten Entwickler zu beschaffen. Im Rahmen ihres „Powering Growth“-Plans hat BC Hydro bis zu 500 MW potenzieller Batteriespeicherkapazität in der gesamten Provinz identifiziert.
Die Investition in Nova Scotia ist Teil des breiteren 4,5 Milliarden CAD schweren Smart Renewables and Electrification Pathways Program der Bundesregierung. Dieses Programm unterstützt die Modernisierung des Netzes, den Speicherausbau und die Einführung erneuerbarer Energien in allen kanadischen Regionen. Es folgt auf die im Mai 2026 gestartete nationale Strategie der Regierung, die darauf abzielt, die Netzkapazität des Landes bis 2050 zu verdoppeln.
„Die Einbeziehung in solche Projekte eröffnet Wege zur wirtschaftlichen Versöhnung und stellt sicher, dass traditionelle indigene Werte bei der Entwicklung großer Projekte berücksichtigt werden“, betonte Crystal Nicholas, Präsidentin und Geschäftsführerin der WMA.
Diese vielfältigen Ansätze zeigen Kanadas Engagement für eine robuste und nachhaltige Energiezukunft. Die Batteriespeicher in Nova Scotia sind ein wichtiger Schritt auf diesem Weg und demonstrieren, wie Technologie, staatliche Unterstützung und gemeinschaftliche Partnerschaften die Energiewende vorantreiben können.





