Indien erlebt einen bemerkenswerten Aufschwung im Energiespeichermarkt. Im vergangenen Jahr stieg die kumulierte Kapazität von Energiespeichersystemen (ESS) um das 1,8-fache von 122 GWh auf 224 GWh. Dies markiert einen entscheidenden Fortschritt für die Energiesicherheit und die Energiewende des Landes.
Wichtige Erkenntnisse
- Der indische Energiespeichermarkt wuchs um 80 % auf 224 GWh kumulierte Kapazität.
- Die Pipeline für Batteriespeichersysteme (BESS) erreichte 92 GWh, Pumpwasserspeicher (PSP) 132 GWh.
- Regierungsinitiativen und Subventionen fördern den Ausbau massiv.
- Neue Ausschreibungen und sinkende Tarife signalisieren Wettbewerb und Wachstum.
- 2026 wird ein entscheidendes Jahr für die Inbetriebnahme vieler Projekte.
Massiver Ausbau und politische Unterstützung
Die Entwicklung des Energiespeichermarktes in Indien beschleunigt sich. Aktuell befinden sich Projekte mit einer Gesamtkapazität von 60 GWh in der Ausführung. Weitere 80 GWh sind in verschiedenen Ausschreibungsphasen und 35 GWh wurden bereits vergeben. Die Gesamtpipeline für Batteriespeichersysteme (BESS) beläuft sich auf beeindruckende 92 GWh. Dies ist ein Anstieg von 74 GWh gegenüber den 19 GWh im Vorjahr.
Auch Pumpspeicherprojekte (PSP), also Pumpspeicherkraftwerke, verzeichnen ein starkes Wachstum. Ihre Pipeline wuchs von 50 GWh auf 132 GWh. Dies zeigt das breite Engagement Indiens für verschiedene Speichertechnologien.
Faktencheck
- 1.8X Wachstum: Kumulierte ESS-Kapazität stieg von 122 GWh auf 224 GWh.
- 92 GWh BESS-Pipeline: Ein massiver Anstieg von 74 GWh im Vergleich zum Vorjahr.
- 132 GWh PSP-Pipeline: Deutliches Wachstum bei Pumpspeicherprojekten.
- 69 Ausschreibungen: Insgesamt 102 GWh Kapazität im letzten Jahr ausgeschrieben.
Regierungsinitiativen treiben den Markt an
Die indische Regierung hat durch eine Reihe von politischen Maßnahmen und Anreizen eine entscheidende Rolle gespielt. Die National Critical Minerals Mission wurde genehmigt, und im Unionshaushalt wurden 35 zusätzliche Investitionsgüter für die Batterieherstellung von Zöllen befreit. Die Steuer auf alle Batterietechnologien wurde auf 18 % vereinheitlicht.
Besonders hervorzuheben ist die zweite Tranche der Viability Gap Funding (VGF)-Unterstützung des Energieministeriums (MoP). Diese fördert 30 GWh eigenständiger BESS-Projekte mit insgesamt 5.400 Crore INR (ca. 593,5 Millionen US-Dollar). Davon sind 25 GWh für die Bundesstaaten und 5 GWh für den Energieerzeuger NTPC vorgesehen.
„Die Regierung hat klare Signale gesetzt, dass Energiespeicherung ein Eckpfeiler der zukünftigen Energieversorgung Indiens ist. Die VGF-Unterstützung ist ein Game-Changer für viele Projekte.“
Technologische Fortschritte und neue Marktteilnehmer
Das Energieministerium hat zudem Richtlinien angepasst, um die Lokalisierung von Energiemanagementsystemen (EMS) zu fördern. Es wurde ein inländischer Wertschöpfungsanteil von 20 % für BESS-Projekte, die VGF-Unterstützung erhalten, festgelegt. Die Befreiung von den Inter-State Transmission System (ISTS)-Gebühren für PSP und Solar mit BESS wurde bis 2028 verlängert.
Die Central Electricity Authority (CEA) hat Entwürfe für Sicherheitsvorschriften für BESS und Baustandards für erneuerbare Energieanlagen veröffentlicht. Eine Empfehlung, zukünftige Solarausschreibungen mit einem Minimum von 2 Stunden Speicherkapazität (entspricht 10 % der installierten Solarkapazität) zu versehen, zeigt das Bestreben, die Integration von Speichern zu standardisieren.
Hintergrund: Viability Gap Funding (VGF)
VGF ist ein finanzieller Zuschuss der indischen Regierung, der dazu dient, die Rentabilität von Infrastrukturprojekten zu verbessern, die sonst aufgrund hoher Anfangsinvestitionen und langer Amortisationszeiten nicht attraktiv wären. Im Energiesektor hilft VGF, die Lücke zwischen den Projektkosten und den Einnahmen zu schließen, um Investitionen in wichtige Bereiche wie Batteriespeichersysteme zu fördern.
Bundesstaaten spielen eine Schlüsselrolle
Auch auf Ebene der Bundesstaaten gibt es erhebliche Fortschritte. Assam, Rajasthan, Bihar, Odisha, Madhya Pradesh und Andhra Pradesh haben Richtlinien und Vorschriften zur Förderung von BESS erlassen. Rajasthan schreibt beispielsweise BESS für Eigenverbrauchsprojekte vor, die 100 % der Vertragsnachfrage überschreiten, und fordert 5 % ESS (mindestens 2 Stunden Speicherkapazität) für erneuerbare Energieprojekte über 5 MW.
Bihar hat ein ESS-Ziel von 6,1 GWh bis 2030 festgelegt, davon 4,5 GWh BESS und 1,6 GWh PSP. Diese regionalen Initiativen sind entscheidend für die flächendeckende Einführung von Energiespeichern.
Sinkende Tarife und steigender Wettbewerb
Die Ausschreibungen im letzten Jahr waren von Innovation und starkem Wettbewerb geprägt. Insgesamt wurden 69 Ausschreibungen mit einer Gesamtkapazität von 102 GWh veröffentlicht. Dies ist ein Anstieg von 35 % gegenüber dem Vorjahr und entspricht fast der kumulierten Kapazität aller Ausschreibungen von 2018 bis 2024.
Besonders auffällig sind die sinkenden Tarife. Bei Solar + 2-Stunden-BESS-Projekten wurde ein Tarif von 3,09 INR/kWh ermittelt. Für Solar + 4-Stunden-BESS sank der Tarif von 3,32 INR/kWh auf 3,13 INR/kWh. Eigenständige BESS-Projekte mit 2 Stunden Dauer sahen Tarife von 2,21 Lakhs/MW/Monat, die in späteren Ausschreibungen auf 1,48 Lakhs/MW/Monat fielen.
- Solar + 2-Std. BESS: 3,09 INR/kWh
- Solar + 4-Std. BESS: 3,13 INR/kWh
- Eigenständiges 2-Std. BESS (mit VGF): 1,48 Lakhs/MW/Monat
- Eigenständiges 2-Std. BESS (ohne VGF): 2,80 Lakhs/MW/Monat
Neue Akteure und innovative Projekte
Der Markt zieht immer mehr neue Akteure an. Bei den Auktionen im letzten Jahr traten 50 neue Bieter als Gewinner hervor. Adani kündigte den Bau eines der weltweit größten BESS-Projekte an einem einzigen Standort an: 1126 MW/3.530 MWh, das bis März 2026 in Betrieb gehen soll. NTPC vergab ein langfristiges Energiespeicherprojekt an Triveni Turbines mit der innovativen CO2-Batterietechnologie von Energy Dome.
Juniper installierte Indiens erstes 60 MWh kommerzielles BESS-Projekt. Diese Entwicklungen zeigen die Dynamik und das Vertrauen in den indischen Energiespeichermarkt.
Herausforderungen und Ausblick auf 2026
Trotz des rasanten Wachstums bleiben Herausforderungen bestehen. Die Finanzierung der Projekte, insbesondere derjenigen mit niedrigen Tarifen, ist ein wichtiger Punkt. Viele der vergebenen Projekte warten noch auf die finale Finanzierungszusage. Da die meisten Projekte eine Umsetzungszeit von 18 bis 24 Monaten haben, wird 2026 ein entscheidendes Jahr für die Inbetriebnahme vieler Anlagen sein.
Die Augen richten sich auf die Frage, ob die Leistung dieser Projekte den ursprünglichen Zusagen entspricht.
Globale Marktentwicklungen und lokale Wertschöpfung
Globale Faktoren wie steigende Metallpreise könnten die Kosten für Batterien beeinflussen. China hat bereits Maßnahmen ergriffen, um den Kostenrückgang bei Batterien zu verlangsamen, darunter Exportverbote und Lohnerhöhungen. Dies wirft die Frage auf, ob die Annahmen hinter den ultraniedrigen Tarifen weiterhin gültig sein werden.
Indiens eigene Fertigungskapazitäten für Zell-zu-Pack/Zell-zu-Container wachsen. Die neue MoP-Änderung, die einen 20%igen inländischen Wertschöpfungsanteil für VGF-geförderte Projekte vorschreibt, könnte lokalen Unternehmen neue Chancen eröffnen.
Im Januar 2026 wird Rajasthan eine Ausschreibung für Indiens größtes Solar + BESS-Projekt im Pugal Solar Park starten. Adani bereitet sich darauf vor, Indiens größtes BESS-Projekt in Gujarat in Betrieb zu nehmen. Auch die Inbetriebnahme mindestens eines Pumpspeicherprojekts wird erwartet, und NTPC könnte mit seinem Projekt im Bereich thermische Stromerzeugung plus BESS einen völlig neuen Markt erschließen.





