Europa treibt die Energiewende voran, doch der Ausbau von Energiespeichersystemen ist entscheidend für den Erfolg. Trotz erheblicher Fortschritte und Investitionen in Milliardenhöhe gibt es weiterhin Hindernisse, die den vollständigen Übergang zu einer nachhaltigen und widerstandsfähigen Energieversorgung erschweren.
Wichtige Erkenntnisse
- Erneuerbare Energien decken bereits 47 % des europäischen Strombedarfs.
- Die Speicherkapazität in Europa erreichte 2024 bereits 10,8 GW.
- Bis 2030 könnten über 50 GW Speicherkapazität installiert sein, mit Investitionen von rund 80 Milliarden Euro.
- Herausforderungen bestehen bei Netzanschluss, Genehmigungen und Marktintegration.
- Langzeitspeicher sind für die saisonale oder mehrtägige Bilanzierung der Energieversorgung unerlässlich.
Europas Weg zu mehr erneuerbaren Energien
Die grüne Energiewende in Europa nimmt Fahrt auf. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion erreichte 2024 beeindruckende 47 %. Im Jahr 2019 lag dieser Wert noch bei 34 %. Dies zeigt einen klaren Trend hin zu sauberer Energie.
Das ehrgeizige Ziel der EU ist Klimaneutralität bis 2050. Um dies zu erreichen, muss der Ausbau erneuerbarer Energien weiter beschleunigt werden. Eine flexible Reaktion auf einen immer volatileren Energiemarkt ist dabei unerlässlich.
Faktencheck: Erneuerbare Energien in Europa
- 2019: Anteil erneuerbarer Energien bei 34 %
- 2024: Anteil erneuerbarer Energien bei 47 %
- EU-Ziel: Klimaneutralität bis 2050
Batteriespeicher als Rückgrat der Energiewende
Batterie-Energiespeichersysteme (BESS) spielen eine immer wichtigere Rolle. Sie können sowohl eigenständig als auch in Kombination mit Photovoltaik- und Windkraftanlagen eingesetzt werden. Sie sind entscheidend für die Dekarbonisierung des Energiesystems und die Verbesserung der Energieversorgungssicherheit.
Die Akzeptanz von BESS im europäischen Energiemarkt wächst stetig. Im Jahr 2024 wurden rekordverdächtige 3,7 GW an Batteriespeicher neu installiert. Die Gesamtkapazität in Europa erreichte damit 10,8 GW.
Prognosen zeigen, dass diese Zahl bis 2030 auf über 50 GW ansteigen könnte. Dies würde Investitionen von etwa 80 Milliarden Euro bedeuten. Trotz dieser positiven Entwicklung sind weitere Anstrengungen nötig, um die EU-Ziele zu erreichen und profitable Energielösungen zu schaffen.
„Batteriespeichersysteme sind das Rückgrat der Energiewende. Sie transformieren erneuerbare Energien und machen den Strommarkt zukunftsfähig.“
Herausforderungen beim Ausbau von Energiespeichern
Trotz der vielen Vorteile von BESS gibt es weiterhin erhebliche Hürden. Diese müssen überwunden werden, damit der Schwung der grünen Energiespeicherung nicht verloren geht.
Netzanschluss und Kosten
Eine der größten Herausforderungen ist der Netzanschluss von Speicherprojekten und die dafür anfallenden Kosten. Aktuelle Regeln bevorzugen oft spekulative Anträge und belasten Speicheranlagen mit unverhältnismäßigen Kosten, wie doppelten oder sogar dreifachen Bankgarantien für Hybridprojekte.
Eine Reform ist notwendig. Statt eines „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“-Ansatzes sollte ein „Wer zuerst bereit ist, mahlt zuerst“-Prinzip mit klaren Qualitätsstandards eingeführt werden. Dies würde sicherstellen, dass ernsthafte Projekte vorankommen.
Transparente Netzinformationen und die Verfolgung von Meilensteinen könnten festgefahrene Entwicklungen lösen. Flexible Anschlussverträge, die auf Speicher zugeschnitten sind, könnten zudem nicht-feste Zugänge ausgleichen. Auch die Tarifstrukturen müssen sich ändern, um unfaire Gebühren zu beseitigen und den Wert von Speichern als Resilienzfaktor zu berücksichtigen.
Regulatorischer und technischer Rahmen
Speicher müssen in einen kohärenten technischen Rahmen eingebettet werden. Die Sicherheit ist dabei von größter Bedeutung, besonders bei Lithium-Ionen-Systemen im Versorgungsmaßstab. Harmonisierte Richtlinien in ganz Europa würden Regulierungsbehörden und Gemeinden gleichermaßen Vertrauen geben.
Ein standardisierter Genehmigungsleitfaden würde Umwelt- und Landnutzungsgenehmigungen weiter optimieren. Auf der Marktseite sollte die Speicherung vollständig in Kapazitäts-, Ausgleichs- und Zusatzdienstleistungsmärkte integriert werden, um ihre Flexibilität zu honorieren.
Hintergrund: Fit for 55
Das EU-Paket „Fit for 55“ beinhaltet eine Reihe von Gesetzesvorschlägen, um die EU-Klimaziele bis 2030 zu erreichen. Es zielt darauf ab, die Netto-Treibhausgasemissionen um mindestens 55 % gegenüber dem Stand von 1990 zu senken. Energiespeicher sind ein zentraler Bestandteil dieser Strategie.
Genehmigungsverfahren und Langzeitspeicher
Die Genehmigungsverfahren bleiben ein Engpass, insbesondere in städtischen und Industriegebieten, wo Speicher sofortige Vorteile bringen könnten. Die Anerkennung von Speichern als Infrastruktur von überragendem öffentlichem Interesse würde Genehmigungen beschleunigen.
Politiken für die gemeinsame Nutzung von Standorten, Nachrüstungen und Repowering können mittelfristig Reibungsverluste reduzieren. Mit Blick auf die Zukunft benötigen Langzeitenergiespeicher (LDES), die saisonale oder mehrtägige Bilanzierung ermöglichen, spezielle Anreize und die Einbeziehung in nationale Flexibilitätsstrategien.
Ihre Rolle wird entscheidend sein, um Kurzzeitspeicher zu ergänzen und die Systemzuverlässigkeit während längerer Perioden geringer erneuerbarer Energieerzeugung zu gewährleisten.
Politische Unterstützung und Ausblick
Die Speicherung muss in den breiteren europäischen Industrie- und Klimapolitikrahmen eingebettet werden. Vom NetZero Industry Act bis zu den Beihilferegeln sollte die Speicherung explizit als strategische Technologie anerkannt werden.
Nationale Energie- und Klimapläne (NECPs) müssen ehrgeizige Ziele und klare Wege für Flexibilität festlegen. Regierungen müssen sich zu zeitnahen Aktualisierungen gemäß den „Fit for 55“-Anforderungen verpflichten.
Ein stark vernetztes europäisches Netz, unterstützt durch harmonisierte Zertifizierung und grenzüberschreitende Koordination, wird sicherstellen, dass Speicheranlagen vollständig an paneuropäischen Plattformen teilnehmen können. Diese Maßnahmen werden die Speicherung nicht nur als technische Lösung positionieren, sondern als Säule der europäischen Energieunabhängigkeit und -resilienz.
Die EU-Kommission hat viele dieser Herausforderungen bereits erkannt und arbeitet an europaweiten Lösungen. Dies hat viele Länder dazu veranlasst, eigene Speicherziele zu veröffentlichen.
Unternehmen wie BayWa r.e. sehen die wachsende Nachfrage nach BESS und erweitern ihre Projekte in Europa. Beispiele sind umfassende Hybridprojekte (Solar in Kombination mit BESS) in Deutschland und den Niederlanden. Auch in Großbritannien wurden bereits Genehmigungen für große eigenständige Speicherprojekte erteilt.
Die Zusammenarbeit mit Branchenverbänden wie SolarPower Europe und Energy Storage Europe (ehemals EASE) unterstreicht die Bedeutung gemeinsamer Anstrengungen. Es ist entscheidend, alle Hindernisse zu beseitigen und die wirtschaftlichen sowie technologischen Chancen des Energiemarktes voll auszuschöpfen. Nur so lässt sich der volatile Markt stabilisieren und die erneuerbaren Energien weiter fördern.





