Die deutsche Batteriespeicherbranche steht vor großen Herausforderungen. Experten fordern dringend mehr Klarheit in der Regierungspolitik und bei Marktmechanismen. Nur so kann das enorme Potenzial der Branche voll ausgeschöpft werden. Die aktuelle Unsicherheit bremst Investitionen und erschwert die Integration von Speicherlösungen in das Stromnetz.
Wichtige Erkenntnisse
- Politische Unsicherheit behindert Investitionen in Batteriespeicher.
- Es fehlt eine klare Definition und einheitliche Anwendung flexibler Anschlussverträge (FCAs).
- Die Branche fordert stabile Rahmenbedingungen und eine Konsolidierung des Marktes.
Politische Unsicherheit als Investitionsbremse
Die deutsche Politik hat in den letzten Jahren keine konsistente Linie bei Batteriespeichersystemen (BESS) verfolgt. Jonas Rex-Quincke vom ZVEI e.V. beschreibt die Gesetzgebung als ein Pendel, das zwischen stark fördernden und eher zurückhaltenden Maßnahmen schwankt. Vor 2021 gab es keine klare Definition für Energiespeicher im deutschen Recht. Dies führte zu einer Situation, in der Speicher als sowohl Verbraucher als auch Produzenten galten, was hohe Gebühren und Abgaben nach sich zog.
Auch wenn jüngste Entwicklungen wie die Netzentgeltbefreiung bis 2029 positiv aufgenommen wurden, herrschte lange Zeit große Unsicherheit. „Die Klarheit, die wir in den letzten Wochen bei den Netzentgelten bekommen haben, war aus unserer Sicht sehr willkommen“, bestätigt Roberto Jimenez, Geschäftsführer von BW ESS. Die vorherige Ungewissheit im Markt war hinderlich für die Entwicklung.
„Die Klarheit, die wir in den letzten Wochen bei den Netzentgelten bekommen haben, war aus unserer Sicht sehr willkommen. Die Unsicherheit, die im Markt herrschte, war nicht hilfreich.“
Roberto Jimenez, Geschäftsführer von BW ESS
Faktencheck: Netzentgelte
- Vor 2021: Keine klare Definition für Energiespeicher.
- Folge: Hohe Gebühren und Abgaben als sowohl Verbraucher als auch Produzent.
- Aktuell: Netzentgeltbefreiung bis 2029 beschlossen, aber erst nach langer Unsicherheit.
Ein „Murmeltiertag“ für Investoren
Markus Heiss von Atlas Grid Development Partners vergleicht die anhaltende Unsicherheit im deutschen Markt mit dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Darin erlebt die Hauptfigur denselben Tag immer wieder. Dies beschreibt treffend die Lage für Investoren, die seit über 20 Jahren ein fantastisches Geschäftsmodell sehen, aber gleichzeitig niedrige Markteintrittshürden und fehlende Konsolidierung erleben.
Heiss betont, dass eine Konsolidierung notwendig ist, die der Markt in seinem derzeitigen Zustand nicht von selbst herbeiführt. Die deutsche BESS-Branche könnte von einem „Aufrütteln“ profitieren, ähnlich wie es die italienischen und spanischen Solaranlagen-Sektoren erlebt haben. Eine klare Strategie und stabile Rahmenbedingungen könnten hier den entscheidenden Unterschied machen.
Herausforderungen bei flexiblen Anschlussverträgen (FCAs)
Ein weiteres Thema, das auf dem Energy Storage Summit diskutiert wurde, sind flexible Anschlussverträge (FCAs). Diese sollen die Integration von Speichern in das Stromnetz erleichtern. Doch es fehlt noch an einem gemeinsamen Verständnis, was ein FCA ist und wie er am besten genutzt werden sollte.
Christina Hepp, Strategiedirektorin bei Green Flexibility, erklärt: „Es ist schwer zu sagen, was missverstanden wird, weil es noch keinen Standard oder eine gängige Praxis für einen FCA gibt.“ Sie sieht FCAs als guten Weg, um Speicher in das Netz zu integrieren, da es echte Probleme bei der Netzanbindung von Batterien gibt. Allerdings sind die Lösungsansätze nicht immer optimal.
Was sind Flexible Anschlussverträge (FCAs)?
FCAs sind Vereinbarungen zwischen Netzbetreibern und Anlagenbetreibern. Sie ermöglichen eine flexiblere Nutzung der Netzkapazität, insbesondere für erneuerbare Energien und Batteriespeicher. Ziel ist es, Engpässe zu vermeiden und die Netzauslastung zu optimieren, indem die Einspeisung oder Entnahme an die aktuelle Netzkapazität angepasst wird.
Banken spielen kein Darts
Die Unsicherheit bei FCAs hat direkte Auswirkungen auf die Finanzierung von Projekten. Georg Gallmatzer, Geschäftsführer von ECO STOR, bringt es auf den Punkt: „Eine Bank spielt kein Darts.“ Dies unterstreicht, dass eine anhaltende politische und Marktunsicherheit letztlich dazu führen kann, dass Projekte überhaupt nicht finanziert werden. Es bedarf viel Erklärungsarbeit, warum FCAs überhaupt notwendig sind.
Trotz der Herausforderungen gibt es auch Optimismus bezüglich FCAs. Christina Hepp sieht Potenzial, da der relative Mangel an Präzedenzfällen Raum für Anpassungen an die sich ändernden Bedürfnisse des deutschen Energiesystems lässt. „Weil sie nicht sehr standardisiert sind, gibt es noch Raum zum Verhandeln und Diskutieren“, so Hepp. Sie fügt hinzu, dass nicht jeder Netzbetreiber offen für diese Diskussionen ist, daher beginne man mit den aufgeschlosseneren Partnern.
„Es ist sehr wichtig, einen FCA in die Investitionsentscheidung einpreisen zu können“, betont Hepp. Sie stellt fest, dass Projekte heute ohne einen FCA kaum realisierbar sind. Dies zeigt die zentrale Bedeutung dieser Verträge für zukünftige Entwicklungen im Batteriespeicherbereich.
Blick in die Zukunft: Konsolidierung und klare Rahmenbedingungen
Die deutsche Batteriespeicherbranche steht an einem Scheideweg. Einerseits ist das Potenzial enorm, andererseits bremsen fehlende politische Klarheit und Marktunsicherheiten das Wachstum. Eine stabile Gesetzgebung, klare Definitionen und eine einheitliche Anwendung von Instrumenten wie FCAs sind entscheidend.
Die Forderung nach einer Konsolidierung des Marktes und einem „Aufrütteln“ zeigt, dass die Branche bereit ist für Veränderungen. Wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen, kann Deutschland seine Rolle als Vorreiter bei der Energiewende weiter festigen und das volle Potenzial der Batteriespeichertechnologie ausschöpfen.
- Regulierungsbedarf: Klare Definitionen und konsistente Politik.
- Marktmechanismen: Standardisierung von FCAs und Abbau von Unsicherheiten.
- Investitionen: Schaffung attraktiver und kalkulierbarer Bedingungen für Finanzierungen.





