AGL Energy, ein führendes Energieunternehmen in Australien, macht bedeutende Fortschritte bei zwei großen Batteriespeicherprojekten im Bundesstaat New South Wales. Ein Projekt, der Batteriespeicher Kangaroo Valley, befindet sich bereits im Genehmigungsverfahren der australischen Umweltbehörde. Ein zweites, noch größeres Projekt nahe Bathurst, ist in der frühen Planungsphase.
Wichtige Erkenntnisse
- AGL entwickelt zwei große Batteriespeicher in New South Wales.
- Das Kangaroo Valley Projekt (350 MW / 1.450 MWh) erfordert aufgrund von Umweltauswirkungen eine Ministergenehmigung.
- Das Bathurst Projekt (500 MW / 4.000 MWh) ist für acht Stunden Entladedauer ausgelegt.
- Beide Projekte nutzen Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) und sind auf eine Lebensdauer von 20 Jahren ausgelegt.
- AGL plant, diese Speicher an den Standorten stillgelegter thermischer Kraftwerke zu errichten.
Kangaroo Valley Batteriespeicher: Umweltprüfung läuft
Das Projekt Kangaroo Valley BESS (Battery Energy Storage System) hat eine Kapazität von 350 Megawatt (MW) und eine Speicherkapazität von 1.450 Megawattstunden (MWh). Es ist für eine Entladedauer von vier Stunden ausgelegt. Das Unternehmen hat das Projekt gemäß dem Environment Protection and Biodiversity Conservation (EPBC) Act zur Bewertung eingereicht.
AGL hat das Vorhaben selbst als „wahrscheinlich kontrollierte Maßnahme“ eingestuft. Dies bedeutet, dass eine ministerielle Genehmigung erforderlich sein wird, bevor die Bauarbeiten beginnen können. Die Einstufung erfolgte aufgrund potenzieller Auswirkungen auf geschützte Arten und eine stark gefährdete Vegetationsgemeinschaft in der Nähe von Shoalhaven.
Faktencheck: Kangaroo Valley BESS
- Kapazität: 350 MW
- Speicherkapazität: 1.450 MWh
- Entladedauer: 4 Stunden
- Fläche: 51,76 Hektar
- Standort: Ca. 4 km westlich von Kangaroo Valley, Shoalhaven
- Anschluss: 1,2 km unterirdische 330-kV-Leitung zur bestehenden Transgrid-Schaltanlage
- Bauzeit: Ca. 18 Monate
- Betriebsdauer: Bis zu 20 Jahre
Herausforderungen für den Umweltschutz
Die Einreichung des Projekts beim EPBC Act identifiziert voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf fünf nationale Umweltschutzgüter. Dazu gehören der stark gefährdete Flussauen-Eukalyptuswald und Lebensräume für bedrohte Vogelarten wie den Gang-gang-Kakadu und den Glanzruß-Kakadu. Auch die Graukopf-Flughunde und die Großohr-Pied-Fledermäuse sind betroffen.
Das Projekt würde direkt 41,11 Hektar Land beanspruchen. Davon müssten 14,35 Hektar einheimische Vegetation gerodet werden. Dies umfasst 1,42 Hektar des Flussauen-Eukalyptuswaldes und 0,13 Hektar des Illawarra- und Südküsten-Tieflandwaldes. Beide sind als stark gefährdet gelistet.
AGL betonte, dass der Standort teilweise ausgewählt wurde, weil etwa 56 % der beanspruchten Fläche bereits landwirtschaftlich genutztes Land ist. Das Design wurde zudem angepasst, um Infrastruktur nördlich einer bestehenden Übertragungsleitung zu platzieren. Dadurch soll ein größerer, wertvollerer Bereich mit einheimischer Vegetation im Süden, der mit dem Kangaroo River verbunden ist, vermieden werden.
„Die sorgfältige Standortwahl und das iterative Design des Projekts zielen darauf ab, die Umweltauswirkungen zu minimieren, insbesondere in sensiblen Ökosystemen.“
Hintergrund: EPBC Act und AGL
Der Environment Protection and Biodiversity Conservation Act (EPBC Act) ist Australiens zentrales Umweltgesetz. Es regelt den Schutz der Umwelt und der Artenvielfalt. Projekte, die erhebliche Auswirkungen auf nationale Umweltschutzgüter haben könnten, müssen nach diesem Gesetz bewertet werden.
AGL hat bereits eine umfangreiche Geschichte mit dem EPBC-Prozess. Das Unternehmen hat 20 frühere Projekte eingereicht, darunter Batteriesysteme in Liddell, Tomago, Beresfield und Awaba. Auch Gas- und Kohleinfrastrukturprojekte seit dem Jahr 2000 sind darunter.
Bathurst Batteriespeicher: Ein noch größeres Vorhaben
Parallel dazu untersucht AGL ein weiteres, noch größeres Batteriespeicherprojekt in Eglinton, etwa sechs Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums von Bathurst. Dieses System würde eine Kapazität von 500 MW und eine beeindruckende Speicherkapazität von 4.000 MWh bieten. Es wäre für eine achtstündige Entladedauer ausgelegt.
Die installierte Kapazität soll 5.400 MWh betragen, um die Leistung über die gesamte Betriebsdauer des Systems zu unterstützen. Das Projekt würde an eine bereits bestehende 330-kV-Übertragungsleitung angeschlossen, die das Gelände durchquert.
Zahlen und Fakten: Bathurst BESS
- Kapazität: 500 MW
- Speicherkapazität: 4.000 MWh
- Entladedauer: 8 Stunden
- Installierte Kapazität: 5.400 MWh
- Standort: Ca. 6 km nordwestlich von Bathurst
- Bauzeit: Ca. 24 Monate
- Baubeginn: Ende 2028 geplant
- Betriebsaufnahme: 2030 angestrebt
- Arbeitsplätze während des Baus: Bis zu 200
Planung und Genehmigungsprozess
AGL plant, die Bauarbeiten für das Bathurst-Projekt Ende 2028 zu beginnen, mit einer Betriebsaufnahme im Jahr 2030. Während der Bauphase sollen bis zu 200 Arbeitsplätze entstehen. Das Projekt ist als „State Significant Development“ gemäß dem NSW Environmental Planning and Assessment Act eingestuft.
AGL bereitet derzeit einen Scoping-Bericht vor. Damit sollen die Anforderungen des Umweltministeriums für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingeholt werden. Erst danach kann die eigentliche UVP erstellt werden.
Technologie und Nachhaltigkeit
AGL setzt in seiner aktuellen Projektpipeline auf Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP). Diese Batterien sind in feuerbeständigen, maßgeschneiderten Stahlcontainern untergebracht und verfügen über individuelle Wärmemanagementsysteme. Die geplante Betriebslebensdauer für diese Systeme beträgt 20 Jahre. Nach der Stilllegung ist eine umfassende Sanierung des Standorts vorgesehen.
Die Batteriespeicher sollen AGLs Portfolio an flexiblen Speicheranlagen erweitern. Diese werden oft an Standorten errichtet, die früher von stillgelegten thermischen Kraftwerken genutzt wurden. Ein Beispiel dafür ist der Liddell BESS mit 500 MW / 1.000 MWh, dessen Inbetriebnahme im März 2026 begann. Er wurde am Standort des ehemaligen Kohlekraftwerks Liddell gebaut und ist mit netzbildender Wechselrichtertechnologie ausgestattet.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Die große Anzahl von Projekten, die den EPBC-Prozess durchlaufen, hat die Geschwindigkeit der Umsetzung in Frage gestellt. Die Clean Energy Investor Group veröffentlichte im Juli 2026 einen Bericht. Darin forderte sie die Bundesregierung auf, schnellere und konsistentere Entscheidungen im Rahmen des reformierten Gesetzes zu priorisieren.
Die Gruppe vertritt Entwickler und Investoren mit über 16 GW installierter Kapazität und einer Projektpipeline von über 46 GW landesweit. Sie stellte fest, dass die nationalen Umweltstandards, ein Kompensationsrechner und eine formale Definition von „Netto-Gewinn“ Mitte 2026 noch in der Entwicklung waren. Dies geschah, obwohl die meisten Bewertungsbefugnisse bereits an die neu eingerichtete National Environmental Protection Agency delegiert worden waren.
Die Entwicklung dieser Großbatteriespeicher ist ein entscheidender Schritt für die australische Energiewende. Sie helfen, die Stabilität des Netzes zu gewährleisten und erneuerbare Energien besser zu integrieren. Dennoch bleiben die Umweltauflagen und die Geschwindigkeit der Genehmigungsverfahren eine Herausforderung für die Branche.





