Die Speicherung großer Energiemengen über längere Zeiträume bleibt eine zentrale Herausforderung für die Energiewende. Druckluftspeicher (CAES) bieten hierfür vielversprechende Ansätze. Eine neue Generation dieser Technologie, bekannt als Advanced CAES (A-CAES), entwickelt von Hydrostor, könnte die Effizienz und Einsatzmöglichkeiten von Energiespeichern grundlegend verändern und die Energiewende entscheidend voranbringen.
Wichtige Erkenntnisse
- Herkömmliche CAES-Systeme haben niedrige Wirkungsgrade und sind geologisch begrenzt.
- Hydrostor entwickelt A-CAES, das Wärme recycelt und künstliche Kavernen nutzt.
- A-CAES verspricht höhere Effizienz, keine Emissionen und flexiblere Standortwahl.
- Projekte in Kanada und Australien zeigen das Potenzial, während US-Projekte Verzögerungen erfahren.
Herausforderungen herkömmlicher Druckluftspeicher
Druckluftenergiespeicher (CAES) existieren bereits seit Jahrzehnten. Das erste kommerzielle System wurde 1978 in Huntorf, Deutschland, in Betrieb genommen. Ein weiteres großes Projekt ist in der Provinz Jiangsu, China, mit einer Leistung von 600 MW und einer Speicherkapazität von 2.400 MWh. Trotz dieser Beispiele gestaltet sich der breite Einsatz von CAES als schwierig.
Ein Hauptproblem ist der niedrige Wirkungsgrad. Herkömmliche CAES-Systeme verlieren einen Großteil der Wärme, die während der Luftkompression entsteht. Der Wirkungsgrad (RTE) liegt oft nur bei etwa 40 %. Dies macht sie für Netzbetreiber weniger attraktiv, besonders im Vergleich zu Batteriespeichersystemen (BESS) mit 85-90 %.
Faktencheck: CAES-Wirkungsgrad
Herkömmliche Druckluftspeicher erreichen einen Wirkungsgrad von nur etwa 40 %, da die bei der Kompression entstehende Wärme ungenutzt an die Umgebung abgegeben wird.
Technische und wirtschaftliche Hürden
Die Integration von CAES-Technologien in bestehende Stromnetze ist komplex. Es sind zusätzliche Geräte wie netzgekoppelte Wechselrichter und intelligente Steuerungen erforderlich. Zudem sind die Hochlaufzeiten von CAES-Anlagen langsam, was sie für schnelle Energiebereitstellung ungeeignet macht.
Ein weiterer limitierender Faktor ist die geologische Abhängigkeit. CAES-Anlagen benötigen spezifische geologische Strukturen wie Salzkavernen oder ausgebeutete Aquifere. Diese sind nicht überall verfügbar, was die Standortwahl stark einschränkt und zu Nutzungskonflikten führen kann. Ein Beispiel hierfür ist das kürzlich abgelehnte 382 MW/3.056 MWh CAES-Projekt von Bedrock Energy in Huron County, Ontario, das über 100 Hektar produktives Ackerland beansprucht hätte.
"Die Standortbeschränkungen und der niedrige Wirkungsgrad waren bisher die größten Hemmnisse für die breitere Einführung von Druckluftspeichern", erklärt ein Energieexperte.
A-CAES: Eine neue Generation der Energiespeicherung
Hydrostor hat eine Weiterentwicklung, das Advanced CAES (A-CAES), entwickelt. Diese Technologie adressiert viele der Schwachstellen herkömmlicher CAES-Systeme. A-CAES nutzt ein intelligentes Wärmemanagement und hydrostatischen Druck, um den Betrieb sauberer und flexibler zu gestalten.
Der entscheidende Unterschied liegt im Wärmerückgewinnungsprozess. Bei A-CAES wird die während der Luftkompression entstehende Wärme nicht an die Atmosphäre abgegeben, sondern in oberirdischen Wärmespeichern gespeichert. Diese gespeicherte Wärme dient später als Energiequelle für den Entladevorgang, wodurch kein Erdgas mehr zur Lufterhitzung benötigt wird. Dies macht A-CAES zu einer emissionsfreien Lösung.
Hintergrund: Funktionsweise von A-CAES
Bei A-CAES wird Luft komprimiert und in speziell ausgehobenen Hartgesteinskavernen gespeichert. Ein Wasserkopf in der Kaverne hält den Druck konstant. Beim Entladen wird Wasser in die Kaverne geleitet, das die Luft an die Oberfläche drückt. Diese Luft wird mit der gespeicherten Wärme kombiniert, expandiert und treibt eine Turbine zur Stromerzeugung an.
Vorteile und Effizienzsteigerung
- Höherer Wirkungsgrad: A-CAES erreicht einen Wirkungsgrad von bis zu 65 %, eine deutliche Steigerung gegenüber den 40 % der traditionellen CAES-Systeme.
- Emissionsfrei: Durch die Wiederverwendung der Kompressionswärme entfällt der Einsatz von Erdgas, was A-CAES zu einer kohlenstofffreien Speicherlösung macht.
- Flexible Standortwahl: A-CAES nutzt künstlich ausgehobene Kavernen. Dies eliminiert die Abhängigkeit von natürlichen Salzkavernen und ermöglicht eine flexiblere Standortwahl, wodurch Landnutzungskonflikte vermieden werden können.
- Lange Lebensdauer: Hydrostor gibt eine Lebensdauer von über 50 Jahren für A-CAES-Anlagen an, was deutlich länger ist als die meisten Batteriespeichersysteme.
Die Anlagen benötigen eine einmalige Wassermenge von etwa 150 Kubikmetern pro MWh Speicherkapazität. Ein 500 MW, 8-Stunden-A-CAES-System würde somit etwa 50 olympische Schwimmbecken Wasser benötigen.
Globale Projekte und Herausforderungen
Hydrostor treibt die Kommerzialisierung von A-CAES weltweit voran. Bereits 2019 wurde das erste A-CAES-System der Welt in Goderich, Ontario, Kanada, in Betrieb genommen. Diese Anlage mit 1,75 MW/7 MWh ist weiterhin aktiv und versorgt Netzdienstleistungen sowie Strommärkte.
Weitere Projekte sind in Planung oder Entwicklung:
- Lennox und Addington County, Ontario, Kanada: Ein 500 MW-System mit 8 Stunden Entladedauer ist in Vorbereitung. Eine spätere Erweiterung der Kapazität ist möglich.
- Broken Hill, New South Wales, Australien: Ein 200 MW/1.600 MWh A-CAES-Projekt wurde für 2025 genehmigt. Hydrostor hat kürzlich Finanzmittel für die Entwicklung des Standorts erhalten.
Herausforderungen in den USA
Nicht alle Projekte verlaufen reibungslos. In Willow Rock, Kalifornien, hat das Energiespeicherabkommen (ESA) für eine 500 MW/4.000 MWh-Anlage in Zusammenarbeit mit Central Coast Community Energy (3CE) bereits die dritte Änderung erfahren. Ursprünglich sollte die Anlage bis Juni 2028 in Betrieb gehen.
Im April dieses Jahres informierte Hydrostor 3CE, dass die Finanzierung aufgrund von Genehmigungs-, Netzanschluss- und Inflationsproblemen nicht gesichert werden konnte. Dies führte zu einer Verzögerung des kommerziellen Betriebs um 13 Monate und einer Vertragspreiserhöhung von 15,5 %. Die zusätzlichen Kosten für 3CE belaufen sich über die Vertragslaufzeit auf 120 Millionen US-Dollar.
Kostensteigerung in Kalifornien
Aufgrund von Verzögerungen und Finanzierungsproblemen stiegen die Kosten für das A-CAES-Projekt in Willow Rock, Kalifornien, um 120 Millionen US-Dollar, was einer Erhöhung von 15,5 % entspricht.
Trotz dieser Rückschläge bleibt das Potenzial von A-CAES für die langfristige Energiespeicherung immens. Die Technologie bietet eine saubere und effiziente Alternative zu fossilen Brennstoffen und könnte eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung von Stromnetzen mit hohem Anteil erneuerbarer Energien spielen.
Zukunftsaussichten für A-CAES
Die Entwicklung von A-CAES durch Hydrostor stellt einen bedeutenden Schritt dar. Während herkömmliche CAES-Systeme mit technischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen kämpfen, bietet A-CAES Lösungen für viele dieser Probleme. Der höhere Wirkungsgrad, die Emissionsfreiheit und die flexible Standortwahl machen diese Technologie zu einem wichtigen Baustein für eine nachhaltige Energiezukunft.
Obwohl die jüngsten Verzögerungen in den USA zeigen, dass auch fortschrittliche Technologien mit bürokratischen und finanziellen Hürden konfrontiert sind, signalisieren die laufenden Projekte in Kanada und Australien das Vertrauen in die A-CAES-Technologie. Die Fähigkeit, große Energiemengen über lange Zeiträume zu speichern, wird entscheidend sein, um die Schwankungen erneuerbarer Energien auszugleichen und die Netze stabil zu halten.
Die kontinuierliche Forschung und Entwicklung in diesem Bereich ist entscheidend, um die Kosten weiter zu senken und die Akzeptanz dieser vielversprechenden Speicherlösung zu erhöhen. A-CAES könnte somit einen wesentlichen Beitrag zur globalen Energiewende leisten.





