New South Wales (NSW) hat einen entscheidenden Schritt zur Sicherung seiner künftigen Energieversorgung unternommen. Im Rahmen der bisher größten Ausschreibung für Langzeitenergiespeicher (LDES) wurden sechs neue Batterieprojekte mit einer Gesamtkapazität von 1,17 GW/11,98 GWh vertraglich vereinbart. Diese Maßnahme ist ein wichtiger Meilenstein für die Stabilität des Stromnetzes und die Integration erneuerbarer Energien in der Region.
Wichtige Punkte
- NSW vergibt sechs Verträge für 1,17 GW/11,98 GWh Batteriespeicher.
- Größte Speicherbeschaffung in NSW bisher.
- Erreicht 30 GWh der angestrebten 42 GWh bis 2034.
- Projekte nutzen Lithium-Ionen-Technologie mit 8-10 Stunden Speicherdauer.
- ASL übertrifft Ausschreibungsziel für langfristige Kundenvorteile.
Rekord-Ausschreibung übertrifft Erwartungen
Die Ausschreibung, durchgeführt von ASL (ehemals AEMO Services), übertraf das ursprüngliche Ziel von 1 GW und mindestens 8 GWh deutlich. ASL vergab Long-Term Energy Service Agreements (LTESAs) für 117 Prozent des angestrebten Volumens. Diese Flexibilität zeigt das Bestreben, langfristige finanzielle Vorteile für die Stromkunden in NSW zu sichern.
Die sechs Lithium-Ionen-Batterieprojekte (BESS) haben eine Leistung zwischen 100 MW und 330 MW. Ihre Speicherdauer liegt zwischen 8,7 und 10,6 Stunden. Dies ist entscheidend, um die Versorgungssicherheit auch über längere Zeiträume zu gewährleisten, insbesondere bei Schwankungen der erneuerbaren Energiequellen.
Faktencheck: Langzeitenergiespeicher in NSW
- Gesamtkapazität der neuen Projekte: 1,17 GW/11,98 GWh
- Anzahl der Projekte: 6
- Speicherdauer: 8,7 bis 10,6 Stunden
- Gesamte vertraglich vereinbarte Speicherkapazität in NSW: 30 GWh
- Ziel für 2034: 42 GWh
Die Details der Projekte
Das größte Einzelprojekt ist die Great Western Battery von Neoen Australia mit 330 MW/3.500 MWh. Es folgen das Bowmans Creek BESS von Ark Energy mit 250 MW/2.414 MWh und das Bannaby BESS von BW ESS mit 233 MW/2.676 MWh. Weitere Projekte sind das Armidale East BESS (158 MW/1.440 MWh), das Ebor BESS (100 MW/870 MWh) und das Kingswood BESS (100 MW/1.080 MWh).
Das Ebor-Projekt, das in der New England Region von NSW liegt, hat einen 14-jährigen LTESA-Vertrag über Energy Vaults australischen Entwicklungspartner Bridge Energy erhalten. Hierbei handelt es sich um eine Investition von 310 Millionen Australischen Dollar (rund 216 Millionen US-Dollar). Das Projekt wird die proprietäre B-VAULT-Technologie von Energy Vault nutzen und 8 Stunden abrufbare Kapazität über das Vault-OS Energy Management System bereitstellen.
„Die Unterstützung von Bridge Energy bei dieser Auszeichnung stellt einen weiteren wichtigen Wachstumsmilestein dar, um unsere Energiemanagementstrategie für den langfristigen Besitz und Betrieb von Energieanlagen voranzutreiben“, sagte Robert Piconi, Chairman und CEO von Energy Vault.
Der Bau des Ebor-Projekts soll bis zu 60 direkte Arbeitsplätze schaffen. Die Anlage soll 2028 den Betrieb aufnehmen.
Fortschritt bei den Infrastrukturzielen
Mit den neuen Projekten erhöht sich die gesamte vertraglich vereinbarte Speicherkapazität des Bundesstaates auf 30 GWh. Dies ist ein erheblicher Fortschritt in Richtung des ASL-Ziels von 42 GWh bis 2034.
Die nun beauftragten Projekte werden voraussichtlich etwa 59 Prozent des Mindestziels für 2030 (2 GW und 16 GWh Langzeitspeicher) beitragen. In Kombination mit früheren LTESA-Ausschreibungen wird NSW sein 2030-Ziel erreichen und das Mindestziel von 28 GWh für 2034 übertreffen.
Die Projekte verteilen sich über mehrere Regionen in NSW und nutzen bestehende Netzinfrastruktur. Dies macht zusätzliche Zugangsrechte überflüssig und beschleunigt die Umsetzung.
Hintergrund: Die Rolle von LTESAs
Die Long-Term Energy Service Agreements (LTESAs) sind ein entscheidendes Instrument, um die Entwicklung von Langzeitenergiespeicherprojekten voranzutreiben. Sie lösen das sogenannte „Missing Money“-Problem, das solche Projekte in der Vergangenheit behinderte. Durch die Bereitstellung von Einnahmesicherheit für Entwickler verbessern LTESAs die Bankfähigkeit von Projekten und beschleunigen den Bau neuer Elektrizitätsinfrastruktur.
ASL, als unabhängiger Verbrauchertreuhänder von NSW, hat in seinem Bericht über die Infrastrukturinvestitionsziele 2025 einen ehrgeizigen Entwicklungspfad festgelegt. Das Ziel von 42 GWh Langzeitspeicher bis 2034 übertrifft die gesetzlichen Mindestanforderungen erheblich und spiegelt die potenziellen Kundenvorteile wider, wie verbesserte Ausfallsicherheit und geringere Großhandelspreisvolatilität.
Auswirkungen auf das Stromnetz und die Verbraucher
Die Projekte sollen die Zuverlässigkeit der Stromversorgung in NSW erheblich verbessern. Viele Anlagen können auch wesentliche Systemdienstleistungen erbringen. Dazu gehören Frequenz- und Spannungsregelung sowie die reinen Energiespeicherfunktionen. Dies ist wichtig für die Stabilität eines Netzes mit hohem Anteil an erneuerbaren Energien.
„Der Ausschreibungsprozess und die Finanzprodukte, die wir entwickelt haben, funktionieren wie beabsichtigt. NSW ist auf dem besten Weg, die hohen Anforderungen zu erfüllen, die wir für die Sicherung von Langzeitenergiespeichern gesetzt haben“, erklärte Nevenka Codevelle, CEO von ASL.
Der Erfolg der Ausschreibung zeigt das Vertrauen des Marktes in den Beschaffungsrahmen von NSW. Entwickler nutzen die Flexibilität der LTESA-Produkte, um individuelle Projektanforderungen zu erfüllen. Diese Vereinbarungen schaffen Wert für die Verbraucher, indem sie Investitionen in zusätzliche Kapazitäten freisetzen, die die Volatilität der Großhandelsstrompreise reduzieren können.
Zukünftige Beschaffung und nationale Trends
Das Limondale BESS, das erste Projekt, das 2023 einen LDES LTESA erhielt, befindet sich derzeit in der Inbetriebnahmephase. Diese 50 MW/400 MWh Anlage ist ein Beispiel für Projekte, die ohne den LTESA-Rahmen keine Finanzierung erhalten hätten.
Australiens Energiespeichermarkt wächst insgesamt stark. Mehrere Bundesstaaten implementieren Kapazitätsmechanismen, um Speichersysteme im Netzmaßstab zu sichern. Südaustralien hat kürzlich seine erste Kapazitätsausschreibung für 700 MW Langzeitenergiespeicher gestartet. Dies zeigt eine koordinierte nationale Anstrengung, die alternde thermische Stromerzeugung durch erneuerbare Energien und Speicherinfrastruktur zu ersetzen.
ASL hat eine klare Roadmap für zukünftige Beschaffungsmöglichkeiten veröffentlicht, um das Investitionstempo aufrechtzuerhalten. Die nächste Ausschreibung für Langzeitenergiespeicher beginnt im zweiten Quartal 2026. Sie wird 12 GWh an Projekten suchen, gefolgt von einer weiteren 12 GWh-Ausschreibung im Jahr 2027. Diese Ausschreibungen zielen auf Projekte ab, die bis 2030 betriebsbereit sein sollen, sowie auf längerfristige Entwicklungen für den kommerziellen Betrieb bis 2034.
Gleichzeitig wird ASL die Ausschreibungen für Generation LTESAs wieder aufnehmen, wobei eine 2,5 GW-Beschaffung im zweiten Quartal 2026 beginnen soll. Eine aktuelle Ausschreibung für 500 MW an Verfestigungs- und Nachfragereaktionsprojekten, die bis Ende 2027 in Betrieb gehen sollen, wird voraussichtlich bis Mai 2026 abgeschlossen sein.
„Es gibt keine Garantien für weitere LDES-Ausschreibungen über diesen Zeitpunkt hinaus, daher erwarten wir, dass der Wettbewerb in diesen zukünftigen Ausschreibungsrunden noch stärker wird“, betonte Codevelle und unterstrich die begrenzte Natur der geplanten Beschaffungsmöglichkeiten über 2027 hinaus.





