In ganz Europa beschleunigt sich der Ausbau von Batteriespeichersystemen (BESS). Mehrere Länder treiben Projekte mit einer Gesamtkapazität von rund 1 GW voran, um die Integration erneuerbarer Energien zu verbessern und die Netzstabilität zu gewährleisten. Deutschland, Italien und Rumänien gehören zu den Spitzenreitern dieser Entwicklung.
Wichtige Punkte
- Europaweit sind BESS-Projekte mit 1 GW im Bau.
- Italien sichert BESS-Projekten langfristige Einnahmen durch Kapazitätsmärkte.
- Rumänien wird zu einem zentralen Markt für Energiespeicher in Europa.
- Deutschland baut zwei der größten BESS-Projekte des Landes.
- Polen setzt ebenfalls auf Kapazitätsverträge zur Förderung von Speichern.
Deutschland treibt Energiespeicher voran
Deutschland spielt eine führende Rolle beim Ausbau der Energiespeicherinfrastruktur. Aktuell sind Projekte mit einer Leistung von etwa 1 GW im Bau oder in Planung. Diese Investitionen sind entscheidend, um die schwankende Einspeisung aus Wind- und Solarenergie auszugleichen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Das Unternehmen Return hat mit dem Bau eines 15 MW/29 MWh Projekts in Brietlingen, Niedersachsen, begonnen. Die Inbetriebnahme ist für November 2026 geplant. Return hat bereits auf dem niederländischen Markt Erfahrungen gesammelt und expandiert nun verstärkt nach Deutschland. Die Firma hatte zuvor unter dem Namen SemperPower agiert und war maßgeblich an den größten operativen BESS-Projekten in den Niederlanden beteiligt.
Faktencheck: Deutschlands BESS-Ausbau
- Return Projekt: 15 MW/29 MWh in Brietlingen, Niedersachsen.
- Inbetriebnahme: Geplant für November 2026.
- RWE Engagement: Baubeginn für 16,5 MWp, 80 MWh BESS am Tagebau Hambuch diesen Sommer.
- RWE Großprojekte: Zwei der größten deutschen BESS-Projekte mit 700 MWh und 800 MWh im Bau.
Ein weiteres Großprojekt kündigte RWE an. Der Energiekonzern wird diesen Sommer mit dem Bau eines 16,5 MWp, 80 MWh BESS-Projekts am Tagebau Hambuch im Rhein-Erft-Kreis beginnen. Die Anlage soll noch vor Jahresende in Betrieb gehen. RWE ist einer der aktivsten Akteure im deutschen BESS-Markt und errichtet derzeit zwei der größten Projekte des Landes mit Kapazitäten von 700 MWh und 800 MWh.
„Die Energiewende erfordert nicht nur den Ausbau erneuerbarer Energien, sondern auch leistungsstarke Speichersysteme. Deutschland ist hier auf einem guten Weg, die notwendige Infrastruktur zu schaffen“, so ein Branchenexperte.
Italien setzt auf Kapazitätsmärkte
In Italien hat der unabhängige Stromerzeuger (IPP) Neoen mit dem Bau seines 25 MW/100 MWh Batterieprojekts Prasian di Prato in Friaul-Julisch Venetien begonnen. Dieses Projekt ist durch einen Kapazitätsmarktvertrag (CM) abgesichert, einem der beiden Hauptpfeiler für die Wirtschaftlichkeit von Energiespeicherprojekten in Italien. Der andere Pfeiler ist die MACSE-Auktion, die im September letzten Jahres abgeschlossen wurde und den Weg für Finanzierung und Bau ebnete.
Beide Programme sichern BESS-Projekten langfristige Einnahmen, was entscheidend für die Integration der wachsenden erneuerbaren Energieerzeugung in Italien ist. Es ist Neoens zweites Energiespeicherprojekt in Italien, nach dem Broni Battery (10 MW/40 MWh), das sich ebenfalls im Bau befindet und einen CM-Vertrag besitzt.
Hintergrund: Kapazitätsmärkte
Kapazitätsmärkte sind Mechanismen, die Stromerzeugern oder Speicherbetreibern Zahlungen für die Bereitstellung von Kapazität garantieren, unabhängig davon, ob diese Kapazität tatsächlich genutzt wird. Dies schafft Investitionssicherheit für langfristige Projekte wie Batteriespeichersysteme, die zur Sicherung der Netzstabilität beitragen.
Rumänien entwickelt sich zum Hotspot
Rumänien etabliert sich als einer der dynamischsten Märkte für Energiespeicher in Europa. Das Land profitiert von einer hohen Durchdringung mit Solarenergie, verschiedenen Subventionen und einem speicherfreundlichen Regulierungsumfeld. Der IPP Nofar Energy hat eine Vereinbarung mit einem BESS-Lieferanten unterzeichnet, um zwei große BESS-Projekte in Rumänien zu realisieren.
Diese Projekte umfassen insgesamt 160 MW/340 MWh und 120 MW/520 MWh und sind an den Solaranlagen Lepuresti und Ghimpati angesiedelt. Nofar gab bekannt, dass die Pauschalvereinbarungen sich auf 80 Millionen Euro belaufen und Budget-Sicherheit sowie die Beschaffung von Komponenten mit langer Lieferzeit gewährleisten. Die Projekte sollen innerhalb der nächsten neun Monate in Betrieb gehen.
Auch der BESS-Investor Repono hat Partner für seinen 202 MW/404 MWh BESS in Rumänien gewonnen. Das Handelsunternehmen Gunvor Group wird Repono eine Cap-and-Floor-Mautstruktur anbieten, die 100 % der Kapazität abdeckt, während der Optimierer Enspired die Aktivitäten des Projekts handeln und optimieren wird, um die Einnahmen zu maximieren. Repono wurde Mitte 2024 von der EU-Organisation EIT InnoEnergy ins Leben gerufen und strebt bis 2030 eine Kapazität von 100 GWh an.
Weitere europäische Initiativen
Auch andere europäische Länder investieren erheblich in Batteriespeicher:
- Polen: Die Investoren Green Capital S.A. und Prime Capital AG haben sich zusammengetan, um über ein Joint Venture 300 MW an BESS-Projekten in Polen zu bauen. Der Bau des ersten Projekts soll in diesem Quartal beginnen. Beide Projekte profitieren von 17-jährigen Verträgen im polnischen Kapazitätsmarkt.
- Dänemark: Enka Energy Transition hat ein 50 MW/150 MWh BESS-Projekt in Grenaa von BattMan Energy erworben. Das Projekt ist baureif und wird von White Summit Capital unterstützt. Die Inbetriebnahme ist für das erste Quartal 2028 geplant.
- Montenegro: Das japanische BESS-Technologieunternehmen PowerX hat eine Absichtserklärung mit dem nationalen Energieversorger Elektroprivreda Crne Gore AD Nikšić (EPCG) unterzeichnet. Ziel ist der Einsatz von rund 500 MWh BESS-Kapazität in Montenegro über einen Zeitraum von drei Jahren, um die wachsende erneuerbare Erzeugung des Landes zu integrieren. Montenegro strebt bis 2030 einen Anteil von 50 % erneuerbarer Energien an.
- Moldawien: Der nationale Versorger CET-NORD hat eine Ausschreibung für ein 70 MW BESS an seinem Wärmekraftwerk Bălți gestartet. Gesucht wird ein Partner, der das Projekt finanziert, plant, baut, installiert und in Betrieb nimmt.
Die europäische Energiespeicherbranche befindet sich in einer Phase rasanten Wachstums. Diese Projekte sind entscheidend für die Stabilität der Stromnetze und die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende.





