Deutschland erlebt einen Aufschwung bei Batteriespeichersystemen (BESS). Mehrere Großprojekte sind im Bau oder kurz vor der Inbetriebnahme. Experten sehen darin einen wichtigen Schritt für die Energiewende, betonen aber auch die Notwendigkeit weiterer regulatorischer Anpassungen.
Wichtige Erkenntnisse
- BayWa r.e. sichert sich Managementvertrag für Deutschlands größten BESS.
- Kyon Energy und Scale Fund realisieren das 137 MW/282 MWh Projekt in Alfeld.
- Terra One beginnt Bau eines 15 MW/30 MWh BESS in Visbek.
- Weitere gigantische Projekte von EnBW, RWE und LEAG sind in Planung.
- Finanzierung ist weniger eine Hürde, regulatorische Rahmenbedingungen bleiben eine Herausforderung.
Deutschlands größter Batteriespeicher geht in Betrieb
Das Projekt in Alfeld, Niedersachsen, wird voraussichtlich im dritten Quartal dieses Jahres in Betrieb gehen. Mit einer Kapazität von 137 Megawatt (MW) und 282 Megawattstunden (MWh) wird es bei Inbetriebnahme das größte operative Batteriespeichersystem Deutschlands sein. Die BayWa r.e. hat einen Achtjahresvertrag für das Asset-Management und den Betrieb des Systems erhalten.
Das Unternehmen Kyon Energy entwickelte und baute das Alfeld-Projekt. Der dänische Investor Scale Fund ist der langfristige Eigentümer. Die Anbindung an das Stromnetz erfolgte bereits im Januar dieses Jahres. BayWa r.e. wird sich auf das technische Management und die Wartung konzentrieren.
„Die Sicherung des Betriebs und der Wartung für ein Projekt dieser Größenordnung unterstreicht unsere Fähigkeit, komplexe Energiespeicherlösungen zu managen“, so ein Sprecher von BayWa r.e.
Faktencheck: Alfeld-Projekt
- Kapazität: 137 MW / 282 MWh
- Standort: Alfeld, Niedersachsen
- Inbetriebnahme: Q3 2024
- Entwickler: Kyon Energy
- Eigentümer: Scale Fund (Dänemark)
- Betrieb/Wartung: BayWa r.e.
Terra One baut drittes Projekt in Niedersachsen
Ebenfalls in Niedersachsen, genauer in Visbek, hat Terra One mit dem Bau eines weiteren Batteriespeichersystems begonnen. Dieses Projekt umfasst eine Leistung von 15 MW und eine Speicherkapazität von 30 MWh. Der Baubeginn ist für Mitte Mai geplant, die kommerzielle Inbetriebnahme soll im vierten Quartal 2026 erfolgen.
Das Visbek-Projekt ist das dritte dieser Größe für Terra One. Zuvor wurden bereits identische Anlagen in Oersdorf und Tangerhütte genehmigt. Eine Besonderheit ist die Betriebsweise: Terra One wird seine Projekte im sogenannten „Merchant-Modus“ betreiben. Das bedeutet, es gibt keine langfristigen festen Einnahmeverträge, sondern die Optimierung erfolgt über die firmeneigene Plattform OneKraftwerk.
Flexible Anschlussvereinbarungen
Das Visbek-Projekt ist eines der ersten, das eine Flexible Connection Agreement (FCA) vom Verteilnetzbetreiber EWE erhalten hat. Solche Vereinbarungen ermöglichen eine effizientere Integration von Speichersystemen ins Netz und sind entscheidend für die Flexibilität der Stromversorgung.
Ein Blick auf die Zukunft: Gigantische Speicherprojekte
Obwohl Alfeld bei Inbetriebnahme das größte operative BESS sein wird, sind bereits deutlich größere Projekte in Planung und im Bau. Diese zeigen die ambitionierten Ziele Deutschlands im Bereich der Energiespeicherung.
- EnBW: Ein 800 MWh Projekt
- RWE: Zwei Projekte mit 700 MWh und 800 MWh
- Eco Stor: Ein 700 MWh Projekt
- LEAG: Zwei riesige Anlagen mit 1,6 GWh und 4 GWh
Diese Zahlen verdeutlichen den massiven Ausbau der Speicherkapazitäten, der in den kommenden Jahren erwartet wird. Die Finanzierung dieser Großprojekte stellt heute eine geringere Hürde dar als noch vor drei oder vier Jahren. Dies zeigt das wachsende Vertrauen der Investoren in den deutschen Speichermarkt.
Herausforderungen und Chancen für den Speichermarkt
Trotz des positiven Trends bleiben wichtige regulatorische und kommerzielle Herausforderungen bestehen. Der Markt für Batteriespeicher ist dynamisch und erfordert flexible Rahmenbedingungen, um sein volles Potenzial entfalten zu können.
Die Bedeutung von Energiespeichern für die europäische Energieresilienz wurde bereits im Februar von Teresa Casacchia, Leiterin des Speicherbereichs bei BayWa r.e., in einem Gastbeitrag betont. Speicher sind entscheidend, um Schwankungen bei der Erzeugung erneuerbarer Energien auszugleichen und die Netzstabilität zu gewährleisten.
Regulatorische Hürden und Marktmechanismen
Ein zentrales Thema ist die Schaffung klarer und stabiler Marktmechanismen, die Investitionen in Speicherprojekte fördern. Dazu gehören faire Netzentgelte, die Möglichkeit zur Teilnahme an verschiedenen Märkten (z.B. Regelenergie, Intraday-Handel) und eine Vereinfachung der Genehmigungsverfahren.
Die Energy Storage Summit at The Battery Show Europe, die vom 9. bis 11. Juni in Stuttgart stattfindet, wird eine wichtige Plattform sein, um diese Themen zu diskutieren und Lösungen zu erarbeiten. Die Veranstaltung bringt führende Akteure der Branche zusammen, um über die Zukunft der Energiespeicherung in Deutschland und Europa zu beraten.
Blick über die Grenzen: Österreichs erster Großspeicher
Auch im Nachbarland Österreich tut sich etwas: Blackvolt Energy hat mit dem Bau seines ersten Batteriespeichersystems in Oberndorf, Salzburg, begonnen. Die Anlage wird eine Kapazität von 18 MW/36 MWh haben. Die Inbetriebnahme ist für das erste Quartal 2027 geplant.
Derzeit baut das slowenische Unternehmen NGEN das größte Projekt des Landes. Diese Entwicklungen zeigen, dass der Trend zu großskaligen Batteriespeichern nicht auf Deutschland beschränkt ist, sondern sich in ganz Europa ausbreitet. Die Region Salzburg ist ein wichtiger Standort für die Energiewende in Österreich und profitiert von solchen Investitionen.





