Zehn führende Organisationen aus dem Energie- und Cleantech-Sektor fordern die Europäische Kommission dringend auf, Langzeitenergiespeicher (LDES) als strategische Infrastruktur anzuerkennen. Diese Speicher, die über acht Stunden oder länger Energie liefern können, sind entscheidend für Europas Energiesicherheit und Wettbewerbsfähigkeit.
Wichtigste Erkenntnisse
- LDES-Technologien sind für die EU-Energiewende unerlässlich.
- Sie sollen fossile Brennstoffe ersetzen und erneuerbare Energien maximieren.
- Die Organisationen fordern eine Einstufung als strategische Infrastruktur.
- Fehlende Modellierung hat den Wert von LDES bisher unterschätzt.
- LDES könnte ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Europa werden.
Die Rolle von Langzeitenergiespeichern in Europas Zukunft
Die europäische Energiewende beschleunigt sich. In diesem Kontext spielt die Elektrifizierung eine zentrale Rolle. Gebäude, Verkehr, Heizung, Kühlung und digitale Infrastrukturen erfordern zunehmend emissionsfreie und flexible Energielösungen. Langzeitenergiespeicher bieten genau diese Flexibilität, um Energie über längere Zeiträume zu verschieben.
Organisationen wie Energy Storage Europe (ESE) und der LDES Council betonen, dass LDES-Systeme, die Strom für mindestens acht Stunden bereitstellen können, eine entscheidende Rolle bei der Bereitstellung zuverlässiger Grundlast ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe spielen. Sie ermöglichen es, die Nutzung erneuerbarer Energien zu maximieren und die Zuverlässigkeit des gesamten Energiesystems zu verbessern.
Faktencheck
LDES wird definiert als Energiespeicher, der Strom für 8 Stunden oder länger bereitstellen kann. Diese Kapazität ist entscheidend für die Stabilität und Sicherheit des Netzes bei einem hohen Anteil erneuerbarer Energien.
Ein offener Brief an die Kommission
Im Mai dieses Jahres sandten die zehn Organisationen einen gemeinsamen Brief an wichtige EU-Kommissare. Adressaten waren Dan Jørgensen, Kommissar für Energie und Wohnungsbau, Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin für einen sauberen, gerechten und wettbewerbsfähigen Übergang, und Stéphane Séjourné, Kommissar für Industrie, KMU und Binnenmarkt.
In dem Schreiben wird dargelegt, dass LDES nicht nur die Energiewende unterstützt, sondern auch Europas Unabhängigkeit von externen Energiequellen fördert. Dies ist besonders relevant im Rahmen des AccelerateEU-Plans, der die Abkopplung von importierten russischen Brennstoffen zum Ziel hat, sowie des Elektrifizierungs-Aktionsplans und der Stärkung des Energiesicherheitsrahmens der EU.
„Die Europäische Union hat nie eine ordnungsgemäße Modellierung durchgeführt und die Angemessenheit und Stabilität des Energiesystems nie korrekt bewertet. Daher haben wir Langzeitenergiespeicher immer unterschätzt. Sie spielen eine enorme Rolle, wenn wir mehr erneuerbare Energien einsetzen.“
Die Unterschätzung von Langzeitspeichern
Jacopo Tosoni, Policy Director von Energy Storage Europe, wies bereits im Februar in einem Interview auf die mangelnde Berücksichtigung von Langzeitenergiespeichern hin. Er kritisierte, dass die EU die Bedeutung dieser Technologien in ihren Energieanalysen nicht ausreichend gewürdigt habe. Dies führe dazu, dass das Potenzial von LDES für die Netzstabilität und die Integration erneuerbarer Energien nicht voll ausgeschöpft werde.
Hintergrund: Erneuerbare Energien und Netzstabilität
Die zunehmende Einspeisung von Wind- und Solarenergie führt zu Schwankungen im Stromnetz. Ohne ausreichende Speichermöglichkeiten muss überschüssiger Strom oft abgeregelt werden, was zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führt. LDES kann diese Schwankungen ausgleichen und die Netzstabilität gewährleisten.
Ein deutliches Zeichen für die Probleme im System ist die massive Abregelung erneuerbarer Energien bei Überangebot. Das Gemeinsame Forschungszentrum (JRC) der EU prognostiziert, dass die Kosten dieser Abregelung bis 2040 auf 100 Milliarden Euro ansteigen könnten. Dies unterstreicht die Dringlichkeit, in LDES-Technologien zu investieren.
Wirtschaftliche Chancen durch LDES
Über die Energiewende hinaus sehen die unterzeichnenden Organisationen in LDES-Technologien auch einen wichtigen Motor für das Wirtschaftswachstum in Europa. Die Entwicklung und Herstellung dieser Systeme könnte neue Industrien, Lieferketten und technisches Fachwissen innerhalb der EU schaffen. Dies würde nicht nur Arbeitsplätze sichern, sondern auch Europas Position als Innovationsführer stärken.
Prognose
Bis 2040 könnten die Kosten für die Abregelung erneuerbarer Energien in der EU auf bis zu 100 Milliarden Euro steigen, wenn keine adäquaten Langzeitspeicherlösungen implementiert werden.
Vier zentrale Empfehlungen an die Kommission
Der offene Brief enthielt vier konkrete Empfehlungen, um die Integration von LDES in die europäische Energiepolitik zu verbessern. Diese umfassen:
- Anerkennung als strategische Infrastruktur: LDES sollte offiziell als kritische Infrastruktur für die Energiesicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der EU eingestuft werden.
- Gezielte Politikgestaltung: Die Entwicklung spezifischer politischer Rahmenbedingungen zur Förderung von LDES-Technologien.
- Finanzielle Unterstützung: Bereitstellung von Anreizen und Fördermitteln für Forschung, Entwicklung und den Einsatz von LDES-Projekten.
- Verbesserte Marktintegration: Schaffung von Marktmechanismen, die den Wert von LDES-Dienstleistungen angemessen vergüten.
Die Organisationen luden die Kommissare zu einem Treffen ein, um diese Vorschläge detailliert zu erörtern und Wege zu finden, wie LDES besser in die Planung und Politik der EU integriert werden kann. Eine solche Integration ist entscheidend, um die ehrgeizigen Klimaziele der EU zu erreichen und gleichzeitig eine stabile und sichere Energieversorgung zu gewährleisten.
Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören drei auf Energiespeicher spezialisierte Handelsorganisationen sowie Gruppen aus den Bereichen erneuerbare Energien und Industriewandel. Diese breite Unterstützung unterstreicht die Dringlichkeit und den Konsens über die Bedeutung von Langzeitenergiespeichern für die Zukunft Europas.





