Die Europäische Union hat ein wegweisendes dreiseitiges Abkommen zur Beschleunigung des Energiespeicherausbaus in den kommenden zwei Jahren geschlossen. Ziel ist es, die Energiesysteme in Europa zu stabilisieren, Kosten zu senken und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Dieses Abkommen, das 22 der 27 EU-Mitgliedstaaten umfasst, signalisiert einen wichtigen Schritt in Richtung einer grüneren Energiezukunft.
Wichtige Punkte
- 22 EU-Mitgliedstaaten haben sich zu neuen Energiespeicherverpflichtungen bekannt.
- Ziel ist eine Speicherkapazität von 30-35 GW in den nächsten zwei Jahren, laut Kommission. Das offizielle Dokument nennt 45 GW.
- Die Europäische Investitionsbank (EIB) erweitert ihr Finanzierungspaket auf Speicherhersteller.
- Das Abkommen soll Systemkosten senken und die Preisvolatilität reduzieren.
- Fokus liegt auf der Stärkung der europäischen Fertigungskapazitäten.
Einigung für Energiesicherheit und Klimaziele
Die Europäische Kommission gab letzte Woche, am 26. Juni, bekannt, dass dieses Abkommen ein günstiges Geschäftsumfeld schaffen soll. Es soll einen schnellen und großflächigen Speicherausbau in ganz Europa ermöglichen. Die Maßnahmen zielen darauf ab, Systemkosten zu senken und die Volatilität der Energiepreise zu mildern. Gleichzeitig soll ein starkes Marktsignal zur Stärkung der lokalen Fertigung gesendet werden.
Insgesamt 22 EU-Mitgliedstaaten haben sich zu Verpflichtungen für Energiespeicher in den nächsten zwei Jahren bekannt. Die Kommission spricht von einer Gesamtkapazität von 30 bis 35 Gigawatt (GW). Das offizielle dreiseitige Abkommen für Energiespeicher nennt sogar eine Zahl von 45 GW.
Faktencheck: EU-Speicherziele
- Installierte Kapazität Anfang 2024: rund 55 GW
- Geschätzter Bedarf bis 2030: rund 200 GW
- Ziel für die nächsten zwei Jahre: 30-45 GW zusätzlich
Konkrete Maßnahmen und Finanzierung
Im Rahmen dieser Vereinbarung werden Speicherentwickler jährliche Schätzungen ihrer neuen Projektkapazitäten vorlegen. Energieintensive Industrien haben sich verpflichtet, Speicherlösungen vor Ort zu implementieren. Die Mitgliedstaaten ihrerseits haben zugesagt, Hürden abzubauen, die den Fortschritt verlangsamen. In einigen Fällen werden sie auch finanzielle Unterstützung für den Ausbau und die Fertigung durch nationale und EU-Mittel bereitstellen.
Die Europäische Kommission wird die Mitgliedstaaten bei der Schaffung von Förderprogrammen unterstützen. Diese Programme sollen sowohl den Speicherausbau als auch die Dekarbonisierung energieintensiver Industrien vorantreiben. Das übergeordnete Ziel ist eine bessere Integration erneuerbarer Energien, eine Reduzierung der Abregelung und niedrigere Preise für Endverbraucher.
„Der Zweck ist klar: den Einsatz von Energiespeichern in ganz Europa zu beschleunigen, das Stromsystem sicherer zu machen und Europas eigene Fertigungskapazitäten in diesem strategischen Sektor zu stärken.“
Ambitionierte Ziele für die Zukunft
Ein spezifisches Ziel des Abkommens ist die Reduzierung der Gasnachfrage. Energiespeicher sollen künftig 10 % der Spitzenlast abdecken, eine Steigerung von 5 % im Jahr 2025. Zudem soll das Volumen an Stromabnahmeverträgen (PPAs), die an Speicher gekoppelt sind, von 1,5 GW im Jahr 2026 auf 4,5 GW im Jahr 2028 steigen.
Im gewerblichen und industriellen Sektor (C&I) sind ebenfalls ehrgeizige Ziele gesetzt. Die Kapazität industrieller thermischer Speicher soll von 0,5 GWh im Jahr 2026 auf 1,5 GWh im Jahr 2028 erhöht werden. Die Kapazität von Batteriespeichersystemen (BESS) soll im gleichen Zeitraum von 9 GWh auf 24 GWh anwachsen.
Hintergrund: Warum Energiespeicher?
Energiespeicher sind entscheidend für die Energiewende. Sie ermöglichen es, Strom aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind zu speichern, wenn er im Überfluss vorhanden ist, und ihn wieder abzugeben, wenn der Bedarf hoch ist. Dies reduziert die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und stabilisiert das Stromnetz.
Rolle der Europäischen Investitionsbank
Die Europäische Investitionsbank (EIB) spielt eine zentrale Rolle bei der Finanzierung dieses Vorhabens. Sie hat angekündigt, das 1,5 Milliarden Euro schwere Paket für die europäische Lieferkette von Netzen zu erweitern. Dieses Paket soll nun auch Gegenbürgschaften für Hersteller von Speicherkomponenten bereitstellen. Die EIB wird die Entwicklung und Fertigung von Speichertechnologien in der EU durch verschiedene Eigenkapital- und Schuldinstrumente unterstützen.
Alexander Rangelov, CEO des bulgarischen BESS-Herstellers IPS, unterzeichnete das Abkommen zusammen mit den Energieministern der EU-Mitgliedstaaten und dem Europäischen Kommissar Dan Jørgensen. Rangelovs Unternehmen IPS hatte bereits vor einem Jahr eine neue Produktionsstätte angekündigt, die im Rahmen des Net-Zero Industry Act der Europäischen Kommission den strategischen Status erhalten hat. Dies unterstreicht die Bedeutung der europäischen Fertigung für die Energiesicherheit der EU.
Herausforderungen und Ausblick
Obwohl die Ziele ambitioniert sind, bleibt abzuwarten, inwieweit diese Zahlen über die ohnehin erwarteten Marktentwicklungen hinausgehen. Die tatsächliche Umsetzung und die Überwindung bürokratischer Hürden werden entscheidend sein. Dennoch markiert dieses dreiseitige Abkommen einen klaren politischen Willen, den Ausbau von Energiespeichern als Eckpfeiler der europäischen Energiepolitik zu priorisieren.
Die verstärkte Integration erneuerbarer Energien erfordert flexible und zuverlässige Speichermöglichkeiten. Mit diesem Abkommen setzt die EU ein starkes Zeichen für ihre Entschlossenheit, die Energiewende voranzutreiben und die Resilienz ihres Energiesystems zu stärken. Es ist ein wichtiger Schritt, um die Klimaziele zu erreichen und Europa unabhängiger von externen Energiequellen zu machen.





