Die chinesische Regierung schlägt Alarm: Im rasant wachsenden Sektor der humanoiden Robotik droht eine Übersättigung des Marktes. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) warnte kürzlich vor einer Flut von "hochgradig repetitiven Produkten". Dies markiert einen Wendepunkt in der staatlichen Förderung, die jahrelang einen explosionsartigen Anstieg von Start-ups befeuerte.
Wichtige Erkenntnisse
- Die NDRC warnt vor einer Marktübersättigung durch "hochgradig repetitive" humanoide Roboter.
- Über 150 Unternehmen in China sind im Bereich humanoider Robotik tätig.
- Der Fokus verschiebt sich von der Hardware-Produktion zur Entwicklung kognitiver KI.
- Die Regierung strebt eine Konsolidierung des Sektors an, um echte Innovation zu fördern.
Ein überfüllter Markt: Mehr als 150 Roboterfirmen
China zählt derzeit über 150 Unternehmen, die sich auf die Entwicklung humanoider Roboter spezialisiert haben. Diese Zahl verdeutlicht das immense Wachstum, das durch aggressive Subventionen und lokale Anreize in den letzten Jahren gefördert wurde. Li Chao, ein Sprecher der NDRC, betonte, dass in aufstrebenden Branchen stets das Risiko von "Geschwindigkeit und Blasen" besteht, das es zu "managen und auszubalancieren" gilt.
Die Warnung der NDRC ist ein klares Signal: Die Ära der unkontrollierten Expansion ist vorbei. Das Ziel ist nicht mehr nur eine größere Anzahl von Robotern, sondern eine Verbesserung der Qualität und eine Konzentration auf echte Innovation statt "geringfügiger Redundanz".
Faktencheck Robotik
- Anzahl der Unternehmen: Über 150 humanoide Robotik-Firmen in China.
- Regierungsstelle: Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) äußert Bedenken.
- Kernproblem: "Hochgradig repetitive Produkte" und "Blasenbildung".
Visualisierung des Booms: Tuo Lius Karten
Die Dichte des Wettbewerbs wurde kürzlich durch Tuo Liu, den Gründer der Open-Source-Hardware-Community Robotuo, eindrucksvoll veranschaulicht. Liu veröffentlichte eine Reihe von Karten, die die Konzentration humanoider Robotik-Start-ups in Chinas vier wichtigsten Technologiezentren zeigen: Peking, Shanghai, Shenzhen und Hangzhou.
Diese Karten offenbaren ein gesättigtes Umfeld. Hangzhou beispielsweise ist die Heimat etablierter Schwergewichte wie Unitree Robotics. Shanghai ist ein Zentrum für Start-ups im Bereich "Embodied AI", während Shenzhen als traditionelle Hardware-Hauptstadt Unternehmen wie UBTECH beherbergt. Peking wiederum zeichnet sich durch eine hohe Dichte an forschungsbasierten Start-ups aus, darunter die Robotik-Sparte von Xiaomi.
"Es mag überwältigend wirken, so viele Humanoide zu sehen, aber es ist aufregend zu beobachten, wie diese Robotikunternehmen hart daran arbeiten, die Menschheit voranzubringen."
— Tuo Liu, Gründer von Robotuo
Während Liu die hohe Dichte als Zeichen intensiver Bemühungen interpretiert, sieht die NDRC darin ein Problem der Kapitaleffizienz. Die Befürchtung ist eine Wiederholung des "EV-Szenarios" – ein massiver Kapitalzufluss, der zu einem Überangebot an kaum unterscheidbaren Produkten führt, die Ressourcen verschwenden, ohne die zugrunde liegende Technologie voranzutreiben.
Die Falle der "repetitiven Produkte"
Der Kern der NDRC-Kritik ist die "Repetitivität". Viele Start-ups haben in ihrem Bestreben, Finanzmittel und lokale Regierungszuschüsse zu sichern, Hardware produziert, die zwar optisch ansprechend ist, aber keine echte Differenzierung aufweist. Der Markt wird mit "Me-too"-Zweibein-Chassis überschwemmt, die ähnliche Lieferketten nutzen und mit demselben grundlegenden Mangel kämpfen: der fehlenden Intelligenz.
Branchenführer wie Wang Xingxing von Unitree haben bereits gewarnt, dass die Hardware-Entwicklung der KI-Entwicklung voraus ist. Er beschrieb den aktuellen Stand der Robotik-Gehirne als "ein bis drei Jahre vor dem Start von ChatGPT". Die Regierung fordert daher eine Verschiebung des Fokus vom "Kleinhirn" (Gleichgewicht und Gehen, was weitgehend gelöst ist) zum "Großhirn" (kognitive Verarbeitung und sinnvolle Aufgaben).
Hintergrund: "EV-Szenario"
Das "EV-Szenario" bezieht sich auf Chinas Elektrofahrzeugmarkt, wo massive Investitionen zu einer großen Anzahl von Herstellern führten, von denen viele ähnliche Produkte anboten und letztlich nur wenige überlebten. Die Regierung möchte dies in der Robotik vermeiden.
Von Chaos zur Konsolidierung
Die Warnung aus Peking passt zu einem breiteren Trend der "Kapitaldisziplin", der sich im Jahr 2025 abzeichnet. Der aktuelle "IPO-Rush" – mit Unternehmen wie Unitree, Aelos und AgiBot, die alle einen Börsengang anstreben – ist teilweise eine Reaktion auf dieses strengere Umfeld. Da Risikokapitalgeber wählerischer werden und die staatliche Führung strenger, drängen Unternehmen an die öffentlichen Märkte, um die notwendigen "Kriegskassen" für die unvermeidliche Konsolidierung zu sichern.
Jeff Cardenas, CEO des US-amerikanischen Unternehmens Apptronik, beobachtet dieses Phänomen. Er merkt an, dass es zwar den Anschein hat, "jede Woche gibt es ein neues chinesisches Humanoid-Unternehmen", die Realität der "Hard Tech" jedoch letztendlich die Blender aussortieren wird. Peking scheint entschlossen, diesen Filterprozess zu beschleunigen.
Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) hat bereits ein "Dream Team"-Standardkomitee eingerichtet, das von den Gründern von Unitree und AgiBot geleitet wird. Dies deutet darauf hin, dass die Regierung bereits ihre Favoriten auswählt. Die Botschaft an die Unternehmen auf Tuo Lius Karten ist klar: Die Phase des wilden Experimentierens endet. Die Phase, in der echter industrieller Wert geliefert oder das Unternehmen verschwindet, hat begonnen.
- Konsolidierung: Der Markt wird sich voraussichtlich straffen, und weniger, aber stärkere Akteure werden übrig bleiben.
- Fokus auf KI: Die Entwicklung von leistungsfähigerer kognitiver KI wird entscheidend für den Erfolg sein.
- Staatliche Lenkung: Die Regierung wird weiterhin eine aktive Rolle bei der Gestaltung der Industrielandschaft spielen.





