Stefan Hartung, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Bosch, wird den Technologiekonzern Ende Juni überraschend verlassen. Diese Entscheidung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Bosch mit erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen kämpft. Sein Nachfolger wird der bisherige Vize-Chef Christian Fischer.
Wichtigste Punkte
- Stefan Hartung scheidet zum 30. Juni 2024 aus dem Vorstand aus.
- Christian Fischer, bisheriger Vize-Chef, übernimmt die Führung.
- Bosch befindet sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Phase mit Stellenabbau.
- Hartungs Vertrag war erst kürzlich bis 2031 verlängert worden.
- Das Unternehmen verzeichnete 2023 einen Nachsteuerverlust von 363 Millionen Euro.
Überraschender Abschied inmitten der Krise
Die Nachricht vom Abschied Stefan Hartungs schlägt in der Wirtschaftswelt hohe Wellen. Obwohl sein Vertrag erst im Herbst 2023 bis ins Jahr 2031 verlängert wurde, hat der 60-Jährige beschlossen, sein Mandat als Vorsitzender der Geschäftsführung von Bosch auf eigenen Wunsch niederzulegen. Hartung, der seit Anfang 2022 an der Spitze des Konzerns stand, möchte sich neuen gesellschaftlichen und unternehmerischen Aufgaben widmen, wie das Unternehmen in Gerlingen bei Stuttgart mitteilte. Er war seit 2013 Mitglied der Geschäftsführung.
Wichtige Daten zum Wechsel
- Abschiedsdatum: 30. Juni 2024
- Alter Stefan Hartung: 60 Jahre
- Vertragsverlängerung: Herbst 2023 bis 2031
- Nachfolger: Christian Fischer (58 Jahre)
Der gebürtige Dortmunder Hartung startete seine Karriere bei Bosch im Jahr 2004 bei der Hausgeräte-Tochter BSH. Er ist der siebte Chef nach Gründer Robert Bosch, der das Unternehmen verlässt. Bosch ist ein breit aufgestellter Technologiekonzern, der neben Autoteilen auch Halbleiter, Hausgeräte, Elektrowerkzeuge sowie Industrie- und Gebäudetechnik herstellt.
Christian Fischer übernimmt das Ruder
Die Nachfolge von Stefan Hartung tritt Christian Fischer an. Der 58-jährige promovierte Wirtschaftswissenschaftler ist bereits seit 2018 Mitglied der Geschäftsführung und war zuletzt für die Konsumgütersparte verantwortlich. Er galt als Chefstratege der Gruppe. Fischers Karriere bei Bosch begann einst als Trainee. Nach Stationen bei Unternehmensberatungen wie Roland Berger und Walter Bau kehrte er 2018 zu Bosch zurück.
"Christian Fischer bringt eine tiefe Kenntnis unseres Unternehmens und unserer Märkte mit. Er ist die richtige Wahl, um Bosch durch die aktuellen Herausforderungen zu führen und die Zukunft des Konzerns zu gestalten."
Die Stellvertreter-Position im Vorstand teilen sich zukünftig zwei Manager: Finanzgeschäftsführer Markus Forscher und Markus Heyn, der die Zuliefersparte leitet. Diese Neuordnung soll dem Unternehmen helfen, die komplexen Herausforderungen der kommenden Jahre zu meistern.
Bosch in einer schwierigen Phase
Der Chefwechsel erfolgt in einer Zeit, die für Bosch als schwierig zu bezeichnen ist. Die weltweite Konjunkturflaute hat das Unternehmen im vergangenen Jahr stark getroffen. Besonders im Kernbereich, der Automobilzulieferung, leidet Bosch unter dem schleppenden Wandel zur Elektromobilität. Aber auch in anderen Geschäftsfeldern, wie den Konsumgütern, halten sich viele Verbraucher beim Kauf von Kühlschränken, Backöfen oder Elektrowerkzeugen zurück.
Wirtschaftliche Herausforderungen
Bosch kämpft nicht nur mit der Transformation der Automobilindustrie, sondern auch mit einer allgemeinen Kaufzurückhaltung der Konsumenten. Dies betrifft Produkte wie Haushaltsgeräte und Elektrowerkzeuge, die einen erheblichen Teil des Umsatzes ausmachen.
Das Unternehmen hat offen kommuniziert, in vielen Bereichen nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein. Um die Kosten zu senken und die Strukturen anzupassen, plant Bosch umfangreiche Sparmaßnahmen. Allein in der Zuliefersparte sollen in den kommenden Jahren bis zu 22.000 Stellen abgebaut werden. Auch in anderen Bereichen, wie der Hausgerätemarke BSH und der Elektrowerkzeugsparte, gibt es Abbaupläne.
Finanzielle Belastungen und Ausblick
Die Kosten für den Stellenabbau, zusammen mit US-Zöllen und Steuereffekten, haben die Geschäftszahlen von Bosch stark belastet. Insgesamt beliefen sich diese Programme auf 2,7 Milliarden Euro, hauptsächlich in Form von Rückstellungen. Dies führte dazu, dass Bosch im vergangenen Jahr erstmals seit 2009 einen Nachsteuerverlust von 363 Millionen Euro verzeichnen musste. Bereits im Vorjahr hatte sich der Gewinn halbiert.
Der Umsatz stieg 2023 nur leicht auf 91 Milliarden Euro, was deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurückblieb. Für das laufende Jahr 2024 rechnet Bosch trotz der schwierigen Weltwirtschaftslage mit einer leichten Verbesserung. Das Management peilt ein Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent an und hofft, dass auch wieder mehr Gewinn übrig bleibt.
Finanzielle Eckdaten 2023
- Nachsteuerverlust: 363 Millionen Euro
- Umsatz: 91 Milliarden Euro (leichter Anstieg)
- Kosten für Restrukturierung: 2,7 Milliarden Euro
Bosch setzt dabei auf neue Wachstumsfelder wie Robotik und Künstliche Intelligenz. Im ersten Quartal 2024 lag der Umsatz etwa auf dem Niveau des Vorjahres, was Hoffnung auf eine Stabilisierung gibt. Die Herausforderung für den neuen Chef Christian Fischer wird es sein, diese Transformation erfolgreich zu gestalten und Bosch wieder auf einen profitablen Wachstumspfad zu führen.
Die strategische Ausrichtung auf Zukunftstechnologien wie KI und Robotik soll dem Konzern neue Impulse verleihen. Dies erfordert jedoch erhebliche Investitionen und eine schnelle Anpassung an neue Marktbedingungen. Die kommenden Monate werden zeigen, wie Christian Fischer diese Mammutaufgabe angeht und welche neuen Akzente er in der Unternehmensführung setzen wird.





