Hohe Energiepreise beschleunigen den Umstieg auf Elektromobilität und zeigen die Notwendigkeit einer konsequenten Klimapolitik. Gabriel Felbermayr, ein führender Wirtschaftsweise, betont, dass staatliche Eingriffe wie der Tankrabatt kontraproduktiv sind. Stattdessen sollten Marktkräfte und ein effektiver CO₂-Preis die Energiewende vorantreiben.
Wichtige Erkenntnisse
- Tankrabatt wird als ineffektive und schädliche Wirtschaftspolitik kritisiert.
- Hohe Benzinpreise fördern den Kauf von Elektroautos.
- Chinesische E-Auto-Hersteller senken durch Wettbewerb die Preise auf dem Markt.
- Der CO₂-Preis ist das zentrale Steuerungsinstrument der Klimapolitik.
- Gezielte Senkung von Stromsteuern kann Elektromobilität weiter stärken.
Tankrabatt: Eine kontraproduktive Maßnahme
Der deutsche Tankrabatt, der darauf abzielte, die Belastung der Bürger durch hohe Kraftstoffpreise zu mindern, erntet scharfe Kritik von Wirtschaftsexperten. Gabriel Felbermayr, ein Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, bezeichnet diese Maßnahme als „schlechte Wirtschaftspolitik“.
Felbermayr argumentiert, dass der Versuch, eine Knappheit zu kaschieren, diese nur verschlimmert. Wenn Staaten den Kraftstoffverbrauch subventionieren, steigt die Nachfrage. Dies treibt wiederum die Weltmarktpreise für Erdöl weiter in die Höhe. Die Hauptprofiteure solcher Subventionen sind laut Felbermayr Erdölproduzenten und Raffinerien, nicht die Verbraucher im gewünschten Maße.
„Das ist schlechte Wirtschaftspolitik. Durch den Versuch, eine Knappheit zu vertuschen, macht man sie noch schlimmer.“
Statt breiter Subventionen plädiert er für gezielte sozialpolitische Maßnahmen. Diese sollten sich ausschließlich an Personen richten, die existenziell von hohen Preisen betroffen sind. Für alle anderen sei „Nichtstun“ die beste Lösung, da die Verwaltung von Knappheit über Märkte und Preissignale effizienter funktioniere als jede politische Steuerung.
Faktencheck: Tankrabatt
- Ziel: Entlastung der Verbraucher bei hohen Spritpreisen.
- Kritik: Erhöht die Nachfrage, treibt Weltmarktpreise in die Höhe.
- Profiteure: Vorrangig Erdölproduzenten und Raffinerien.
CO₂-Preis als zentrales Lenkungsinstrument
Felbermayr sieht den CO₂-Preis als das „Leitinstrument der Klimapolitik“. Er argumentiert, dass kleinteilige Regelungen wie ein generelles Verbrenner-Verbot oder überzogene Heizungsförderprogramme politisch polarisieren und oft ineffektiv sind. Solche Maßnahmen seien oft der Annahme geschuldet, dass der CO₂-Preis nicht schnell genug wirke.
Ein konsequenter CO₂-Preis würde laut Felbermayr die notwendigen Anreize zur Dekarbonisierung schaffen. Wenn dieser Preis hoch genug ist und stabil bleibt, erübrigen sich viele andere, oft kontrovers diskutierte Maßnahmen.
Deutschlands Anfälligkeit für Preisschocks
Deutschland ist aufgrund seines im EU-Vergleich immer noch stark fossil geprägten Energiemixes und des hohen Anteils energieintensiver Industrie, besonders der Chemiebranche, anfällig für Energiepreisschocks. Länder wie Frankreich haben ihre Stromerzeugung durch Atomkraft dekarbonisiert, während skandinavische Länder auf Wasserkraft und Wind setzen. In Zeiten geringen Wachstums können Preisschocks die letzte Dynamik kosten.
Gezielte Steuerung durch Einnahmen
Eine pauschale Rückverteilung der Einnahmen aus dem CO₂-Preis, etwa als „Klimageld“, lehnt Felbermayr ab. Stattdessen schlägt er vor, diese Einnahmen gezielt zur Verhaltenssteuerung einzusetzen. Seine Forderung ist klar: „Je teurer man die Fossilen macht, desto billiger sollte man Strom machen.“
Konkret bedeutet dies, dass Einnahmen aus Kraftstoffabgaben genutzt werden könnten, um Stromsteuern und Leitungsgebühren zu senken. Dies würde den Betrieb von Elektroautos noch günstiger gestalten und somit den Umstieg auf Elektromobilität weiter beschleunigen.
Wie hohe Benzinpreise der Elektromobilität helfen
Die aktuellen hohen Benzinpreise haben einen positiven Nebeneffekt: Sie motivieren Verbraucher in Deutschland, über den Kauf von Elektroautos nachzudenken. Dieser Trend wird durch den Wettbewerb im Markt zusätzlich verstärkt.
Besonders die Rolle chinesischer Hersteller hebt Felbermayr hervor. Trotz bestehender Zölle drängen diese Unternehmen mit günstigen Elektroautos auf den deutschen Markt. Dieser Wettbewerb führt zu einer Senkung des Preisniveaus für Elektrofahrzeuge insgesamt. „Chinas Autohersteller haben die Deutschen zu E-Auto-Käufern gemacht, viel mehr als die Förderung der deutschen Regierung“, so Felbermayr.
Verbraucher müssen nicht zwingend ein chinesisches Auto kaufen, um von diesem Wettbewerb zu profitieren. Der Druck, den die chinesischen Anbieter auf den Markt ausüben, zwingt auch etablierte Hersteller, ihre Preise anzupassen und attraktivere Angebote zu schaffen.
Wettbewerb im E-Auto-Markt
- Chinesische Hersteller bieten günstige Elektroautos an.
- Dieser Wettbewerb senkt das allgemeine Preisniveau.
- Verbraucher profitieren von mehr Auswahl und besseren Preisen.
Die Zukunft der Energiewende
Die Reduzierung fossiler Energien ist aus ökonomischer Sicht alternativlos. Felbermayr ist überzeugt, dass sich diese Entwicklung am Markt durchsetzen wird, da die Kosten für erneuerbare Energien kontinuierlich sinken. Weder politische Nostalgie noch staatliche Eingriffe können diesen Prozess aufhalten.
Ein leichter Konjunkturaufschwung um den Jahreswechsel 2025/26 wurde durch Energiepreisschocks gedämpft, etwa durch die zeitweise Blockade der Straße von Hormus, durch die zuvor rund 20 Prozent der globalen Ölproduktion liefen. Der Preisanstieg fiel dennoch verhalten aus, da andere Förderländer ihre Produktion hochfuhren und die OPEC geschwächt war.
Sobald die Passage nach einem „Deal“ mit dem Iran wieder geöffnet war, könnten die Preise stärker fallen als erwartet. Dies zeigt die Volatilität des globalen Energiemarktes und die Notwendigkeit, sich von fossilen Brennstoffen unabhängig zu machen.
Herausforderungen und Chancen
Die deutsche Stromerzeugung ist in den letzten Jahren bei der Dekarbonisierung vorangekommen. Jeder Fortschritt in dieser Hinsicht macht den Betrieb von Elektroautos umweltfreundlicher. Die Kombination aus höheren fossilen Preisen und günstigerem Strom schafft ideale Bedingungen für den Umstieg.
Das Verschieben von EU-Klimazielen würde die CO₂-Preise senken und die Anreize zur Dekarbonisierung verringern. Dies wäre ein Rückschlag für die notwendige Energiewende. Eine konsequente Klimapolitik, die auf Marktinstrumente wie den CO₂-Preis setzt, ist der effektivste Weg, um die Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig die Wirtschaft zu stärken.
- Fossile Brennstoffe verteuern: Durch CO₂-Preis und Abgaben.
- Strom verbilligen: Senkung von Steuern und Gebühren für Elektrizität.
- Wettbewerb fördern: Den Markteintritt neuer Anbieter, auch aus China, begrüßen.
- Gezielte Hilfen: Sozialpolitische Maßnahmen nur für wirklich Betroffene.





