Die Aktionäre von Porsche haben auf der jüngsten virtuellen Hauptversammlung des Stuttgarter Unternehmens scharfe Kritik an der bisherigen Unternehmensstrategie geäußert. Sie sehen einen erheblichen Vertrauensverlust und fordern eine grundlegende Neuausrichtung. Das Jahr 2025 markiert einen Wendepunkt, da der Nettogewinn massiv eingebrochen ist.
Wichtige Erkenntnisse
- Porsche-Aktie hat sich seit Börsengang deutlich schlechter als der Dax entwickelt.
- Aktionäre kritisieren verfehlte Elektro-Strategie und überlastete Führung.
- Neuer Chef Michael Leiters plant Straffung des Produktportfolios und Stellenabbau.
- Jahresnettogewinn 2025 um 91 Prozent auf 310 Millionen Euro eingebrochen.
- Fokus auf profitablere Segmente und Vereinfachung der Organisation.
Massiver Vertrauensverlust am Kapitalmarkt
Die Kritik der Investoren ist deutlich. Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka sprach von einem „Scherbenhaufen“, auf den die Aktionäre blickten. Er rechnete vor, dass die Porsche-Aktie seit dem Börsengang im Jahr 2022, inklusive Dividenden, 146 Prozentpunkte schlechter als der Dax abgeschnitten habe. Dies sei ein klares Zeichen für einen Vertrauensverlust am Kapitalmarkt.
Hendrik Schmidt vom Vermögensverwalter DWS ergänzte, dass die Aktie nach einem starken Start auf dem Standstreifen liegengeblieben sei. Die drei zentralen Versprechen des Börsengangs seien nicht nur verfehlt, sondern ins Gegenteil verkehrt worden. Dies deute auf ein strukturelles Problem hin, nicht nur auf einen zyklischen Dämpfer.
Faktencheck: Aktienperformance
- Börsengang: 2022
- Performance seitdem: 146 Prozentpunkte schlechter als der Dax (inkl. Dividenden)
- Kritik: Alle drei Börsengangs-Versprechen verfehlt
Kritik an Führung und Elektro-Strategie
Der Unmut der Investoren richtete sich auch gegen den Aufsichtsrat. Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger fühlte sich an das Bild der drei Affen erinnert: „Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen.“ Er fügte hinzu, es fehle fast der vierte Affe: „Nichts verstehen.“
Die Aktionäre bemängelten, dass kritische Personalentscheidungen zu spät getroffen wurden. Der frühere Chef Oliver Blume sei zu lange in einer überlastenden Doppelrolle belassen worden. Zudem sei die verfehlte Elektro-Strategie des Vorstands nicht ausreichend kontrolliert worden.
„Wir Aktionäre blicken heute auf Porsche und sehen einen Scherbenhaufen.“
Gewinneinbruch und Ursachen
Das Jahr 2025 war für Porsche ein Krisenjahr. Der Jahresnettogewinn brach um rund 91 Prozent auf 310 Millionen Euro ein. Früher galt Porsche als Gewinnperle des Volkswagen-Konzerns, doch diese Zeiten scheinen vorerst vorbei.
Mehrere Faktoren trugen zu diesem Einbruch bei:
- Das schwächelnde Geschäft in China.
- Die US-Zollpolitik.
- Eine geringere Nachfrage nach Elektromodellen.
Allein der Strategieschwenk, wieder verstärkt Verbrennungsmotoren zu entwickeln und zu produzieren, verursachte Kosten in Milliardenhöhe. Auch im ersten Quartal des laufenden Jahres setzte sich der Abwärtstrend fort.
Hintergrund: Die Doppelrolle
Die Kritik an der Doppelrolle des ehemaligen Porsche-Chefs Oliver Blume bezog sich darauf, dass er gleichzeitig den Vorstandsvorsitz von Porsche und Volkswagen innehatte. Dies führte nach Ansicht der Aktionäre zu einer Überlastung und mangelnder Fokussierung auf die spezifischen Herausforderungen von Porsche.
Neuausrichtung unter Michael Leiters
Die eingeleitete Restrukturierung unter dem seit Januar amtierenden Porsche-Chef Michael Leiters wurde von den Investoren hingegen weitgehend begrüßt. Leiters stellte die Grundzüge seiner Strategie vor und betonte, dass 2026 im Zeichen der Neuausrichtung stehe.
Er erklärte, dass eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit vor allem mit künftigen Produkten kommen werde, was Zeit benötige. Porsche bleibe die Marke für Menschen, die bewusst selbst fahren wollen.
Straffung des Produktportfolios und Stellenabbau
Ein zentraler Punkt von Leiters' Strategie ist die Straffung des Produktportfolios. Das Angebot sei zu komplex geworden, und die Zahl der Derivate soll sinken. Gleichzeitig denkt Porsche über neue Modelle in besonders profitablen Segmenten nach.
In der Organisation strebt Leiters eine geringere Komplexität, klarere Zuständigkeiten und mehr Verantwortung in der Umsetzung an. Porsche soll auf allen Ebenen verschlankt werden. Aktuell verhandeln Management und Arbeitnehmervertreter über ein weiteres Sparpaket, das auch einen Stellenabbau umfasst. Die Gespräche laufen auf Hochtouren, wobei Einigkeit über den Handlungsbedarf bestehe. Genauere Details zum Vorgehen wurden noch nicht genannt.
Leiters' Strategiepunkte
- Fokus: Bewusstes Fahrerlebnis
- Portfolio: Straffung, Reduzierung von Derivaten
- Neue Modelle: In profitablen Segmenten
- Organisation: Weniger Komplexität, klare Zuständigkeiten
- Personal: Sparpaket und Stellenabbau in Verhandlung
Rückendeckung vom Aufsichtsrat
Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche sicherte Michael Leiters seine volle Rückendeckung zu. Er betonte, dass man auf Disziplin, eindeutige Prioritäten und eine konsequente Umsetzung der notwendigen Maßnahmen setze. Diese Maßnahmen würden deutlich spürbar und in Teilen auch schmerzhaft sein, seien aber unerlässlich, um das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu bringen.
Weitere Details zur neuen Strategie sollen am 7. Oktober bei einem Kapitalmarkttag bekannt gegeben werden. Die Bestätigung der Prognose für das laufende Jahr durch Leiters gibt den Aktionären zumindest eine gewisse Orientierung, auch wenn der Weg zur Erholung lang und steinig scheint.





