Die Brandschutzbehörde von New South Wales (FRNSW) hat neue, strengere Anforderungen für Brandschutzmaßnahmen in Rechenzentren bekannt gegeben. Diese Regeln betreffen insbesondere Räume für Lithium-Ionen-Batteriespeichersysteme (BESS) und Dieselgeneratoren. Die Behörde reagiert damit auf wachsende Sicherheitsbedenken angesichts des rasanten Ausbaus von Rechenzentren in der Region.
Die FRNSW betont, dass bestehende Brandschutzprüfnormen für Batterien in geschlossenen Räumen nicht ausreichen. Die neuen Richtlinien sollen die Sicherheit erhöhen und das Risiko von Bränden in kritischen Infrastrukturen minimieren.
Wichtige Punkte
- FRNSW fordert Brandschutzwiderstand von 240/240/240 für Batterieräume.
- Standardtests wie UL 9540A sind für geschlossene Räume unzureichend.
- Sprinkleranlagen müssen durch groß angelegte Brandtests validiert werden.
- Dieselgeneratorstrukturen werden als höhere Brandlast eingestuft (Klasse 8).
- New South Wales ist ein Hotspot für Rechenzentrumsinvestitionen.
Strengere Anforderungen für Batteriespeichersysteme
Die FRNSW hat eine klare Position zu Räumen, die Lithium-Ionen-Batteriespeichersysteme (BESS) beherbergen. Die umgebenden Bauteile – Wände, Böden und Decken – müssen einen Feuerwiderstand von 240/240/240 erreichen. Dies gilt sowohl für tragende als auch für nicht tragende Elemente. Diese Werte geben an, wie viele Minuten die Konstruktion im Brandfall ihre Tragfähigkeit, Raumabschluss und Wärmedämmung aufrechterhalten muss.
Die Behörde lehnt jede Reduzierung dieser Feuerwiderstandsklassen ab. Dies könnte für Entwickler, die Baukosten senken möchten, eine Herausforderung darstellen. Die technische Begründung liegt in einer Lücke des aktuellen Prüfrahmens.
"Die Leistung von feuerwiderstandsfähigen Konstruktionen, die Lithium-Ionen-Batteriebränden ausgesetzt sind, ist relativ unbekannt, da die dabei entstehenden Temperaturen die im australischen Standard AS1530.4 erwarteten Werte übersteigen können."
Faktencheck: Feuerwiderstandsklassen
- 240/240/240: Bedeutet 240 Minuten Tragfähigkeit, 240 Minuten Raumabschluss und 240 Minuten Wärmedämmung im Brandfall.
- Diese Klassifizierung ist entscheidend für die Sicherheit von Gebäuden und deren Insassen.
Probleme bei bestehenden Prüfnormen
Standardtests wie UL 9540A, die oft für die Brandsicherheit von Batterien herangezogen werden, bilden nach Ansicht der FRNSW nicht das tatsächliche Brandszenario in einem geschlossenen Raum ab. Viele groß angelegte Brandtests finden unter Freiluftbedingungen statt. Das Verhalten von Batterien in einem geschlossenen Raum kann sich jedoch erheblich unterscheiden. Die Strahlungswärme von heißen Gasschichten und umgebenden Oberflächen kann das Brandwachstum beschleunigen.
Daher ist die Leistung von feuerwiderstandsfähigen Konstruktionen bei Lithium-Ionen-Batteriebränden "relativ unbekannt". Die Temperaturen, die bei solchen Bränden entstehen, können die nach dem australischen Standard AS1530.4 erwarteten Werte übersteigen.
Anforderungen an Sprinkleranlagen
Für Sprinkleranlagen in Räumen mit Lithium-Ionen-Batterien orientiert sich die FRNSW an der US-Norm NFPA 855:2026. Diese Norm befasst sich mit stationären Energiespeichersystemen. Für Energiespeichersysteme (ESS) mit einer Kapazität von über 50 kWh – was praktisch alle USV-Batterieinstallationen in Rechenzentren betrifft – empfiehlt die FRNSW, dass das Design der Sprinkleranlage durch repräsentative, groß angelegte Brandtestdaten validiert wird.
Sind solche Tests nicht verfügbar, sollen internationale Standards und Richtlinien für die spezifische Batteriechemie, Kapazität, Konfiguration und Installationsanordnung herangezogen werden. Diese dienen dann als Grundlage für die Bestimmung der erforderlichen Sprinkleranlagen-Designkriterien.
Hintergrund: Australiens Rechenzentrums-Boom
New South Wales hat sich zum Hauptstandort für Rechenzentrumsinvestitionen in Australien entwickelt. Die Investment Delivery Authority der Regierung von NSW hat 15 Rechenzentrumsprojekte im Wert von 51,9 Milliarden AUD (rund 36,41 Milliarden USD) für eine beschleunigte Genehmigung empfohlen. Der Energieregulator des Bundesstaates prognostiziert, dass der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 12% der NEM-Nachfrage erreichen könnte.
Batteriespeichersysteme sind dabei zentral für die Infrastrukturplanung. Sie ersetzen traditionelle Blei-Säure-USV-Systeme und dienen als längerfristige Notstromversorgung, um längere Netzausfälle zu überbrücken.
Neue Einstufung für Dieselgeneratorstrukturen
Auch die Strukturen für Dieselgeneratoren und Kraftstofftanks werden in der Stellungnahme der FRNSW berücksichtigt. Die Behörde vertritt die Ansicht, dass vertikal gestapelte Dieselgeneratoren und Dieseltanks eine Brandlast darstellen, die über das hinausgeht, was typischerweise für eine Struktur der Klasse 10 angenommen wird. Klasse 10 umfasst nicht bewohnbare Strukturen wie Garagen und Schuppen, unter die einige Hilfsstrukturen von Rechenzentren bisher fielen.
Die FRNSW positioniert diese Strukturen nun näher an einer Nutzung der Klasse 8. Diese Klassifizierung gilt für Fabriken, Werkstätten und industrielle Prozesse. Entsprechend müssen diese Strukturen umfassendere Brandschutzmaßnahmen erfüllen. Dazu gehören feuerbeständige Konstruktionen, Brandschutzabtrennungen, aktive Löschsysteme und spezielle Ausrüstung zur Unterstützung von Feuerwehreinsätzen.
Die Rolle von BESS in der Energiewende
Laut einer Analyse von ArkTerra Partners riskieren Rechenzentren im APAC-Raum eine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Langzeit-Energiespeicher können helfen, diese Abhängigkeit zu beenden. Die Studie zeigt, dass der Ausbau von Rechenzentren in der Region derzeit auf eine Festschreibung der Abhängigkeit von Kohle und Gas zusteuert, wenn der Einsatz von Speichern nicht parallel zum Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt wird.
Wärtsilä hebt zudem die Bedeutung von BESS für die Bewältigung der spezifischen Stromqualitätsprobleme hervor, die durch KI-Workloads entstehen. Scott Blalock, General Manager für Software Operational Technology bei Wärtsilä, erklärte, dass KI-Rechenzentren BESS benötigen, um Nachfrageschwankungen auszugleichen. Ohne sie könnten Stabilitätsprobleme im Netz entstehen, da der schnelle, unvorhersehbare Stromverbrauch großer GPU-Cluster eine schnelle Reaktionsfähigkeit erfordert, die Dieselgeneratoren nicht bieten können.
Die FRNSW-Stellungnahme lehnt den Einsatz von Lithium-Ionen-Batterien in Rechenzentren nicht ab. Stattdessen legt sie die Brandschutzbedingungen fest, unter denen ihre Verwendung akzeptabel ist. Dies stellt eine regulatorische Haltung dar, die sich deutlich von einem Verbot unterscheidet und auf eine sichere Integration dieser Technologien abzielt.





