Die australische Regierung plant, neue große Rechenzentren gesetzlich dazu zu verpflichten, mindestens so viel erneuerbare Energie in das Stromnetz einzuspeisen, wie sie verbrauchen. Dies gab Premierminister Anthony Albanese am 15. Juli an der Universität Sydney bekannt. Die Maßnahme ist Teil eines umfassenden nationalen Rahmens für Künstliche Intelligenz (KI) und zielt darauf ab, die Energieversorgung des Landes zu stärken und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Wichtige Punkte
- Neue Rechenzentren müssen so viel erneuerbare Energie erzeugen, wie sie verbrauchen.
- Die Regierung gründet ein KI-Büro zur Koordinierung der Standards.
- Gesetzgebung ist für Anfang nächsten Jahres geplant.
- Rechenzentren sollen Netto-Erzeuger, nicht Netto-Verbraucher sein.
Neue Standards für Rechenzentren
Premierminister Albanese erklärte, dass die Regierung australische Standards für den Standort, die Energieverpflichtungen und den Wasserverbrauch der nächsten Generation großer Rechenzentren festlegen wird. Diese Standards sollen sicherstellen, dass die rapide wachsende Nachfrage nach Rechenleistung nicht die bestehende Energieversorgung belastet.
„Wir werden eine gesetzliche Verpflichtung für die nächste Generation großer Rechenzentren schaffen, neue Stromversorgung zu gewährleisten“, sagte Albanese. „Sie sollen neue erneuerbare Energieerzeugung und Netzausbau vorantreiben, um unsere nationale Energieresilienz zu stärken. Sie sollen Netto-Erzeuger und keine Netto-Verbraucher sein.“
Büro für Künstliche Intelligenz gegründet
Um die Entwicklung und Umsetzung dieser Standards zu koordinieren, kündigte Albanese die sofortige Einrichtung eines KI-Büros innerhalb des Ministeriums des Premierministers und des Kabinetts an. Dieses Büro wird die Arbeit verschiedener Ministerien bündeln und die Gestaltung der neuen Vorschriften vorantreiben.
Im nächsten Monat wird Albanese die Zustimmung der Staats- und Territoriumsführer zu diesem Rahmenwerk auf einer National Cabinet-Sitzung einholen. Die Einführung der entsprechenden Gesetzgebung im Parlament ist für Anfang nächsten Jahres vorgesehen.
Faktencheck
Die Energieforderung ist das wichtigste Element dieser Ankündigung für Australiens Stromsystem. Laut den vorgeschlagenen Regeln müssten große Rechenzentren ihre vollen Kosten für den Netzanschluss tragen, ohne dass diese auf Haushalte oder Unternehmen umgelegt werden.
Auswirkungen auf das australische Stromnetz
Die neuen Regeln sehen vor, dass Rechenzentren ihren Stromverbrauch reduzieren müssen, wenn das Netz unter Belastung steht. Darüber hinaus muss die neue Erzeugungskapazität zusätzlich zum bestehenden Ausbau erneuerbarer Energien geschaffen werden und darf nicht davon abgezogen werden. Dies deutet auf einen erheblichen Anstieg der benötigten Windparks, Photovoltaikanlagen, Umspannwerke und Übertragungsinfrastruktur hin.
„Der Smart Energy Council unterstützt diese Position voll und ganz: Rechenzentren müssen zusätzliche, saubere Energie liefern und nicht mit Haushalten und Unternehmen um unsere bestehende Energieversorgung konkurrieren.“
Smart Energy Council auf LinkedIn
Hintergrund der Forderung
Bereits Anfang des Jahres hatte eine Industriekonsortium davor gewarnt, dass ein gesellschaftlicher Aufschrei unvermeidlich sei, wenn Rechenzentren die bestehende erneuerbare Energieversorgung Australiens nutzen würden, anstatt neue Erzeugung zu finanzieren. Die Nachfrage wird voraussichtlich von 3 Terawattstunden (TWh) auf 30 TWh bis 2035 ansteigen.
Technische Standards und Energiespeicher
Die Australian Energy Market Commission (AEMC) hatte im März 2026 separate technische Standards vorgeschlagen. Diese würden große Rechenzentren verpflichten, bei Störungen am Netz angeschlossen zu bleiben, anstatt sich abzukoppeln. Dies soll das Risiko großer synchronisierter Trennungen vermeiden, die das Nationale Elektrizitätsnetz (NEM) bei Störungen destabilisieren könnten.
Batteriespeicher als Lösung
Experten sehen in Batteriespeichern eine wichtige Lösung. Jeff Monday, SVP & Chief Growth Officer bei Fluence, einem Integrator von Energiespeichersystemen, betonte, dass Batteriespeicher, die zusammen mit Rechenzentren betrieben werden, es den Betreibern ermöglichen könnten, überschüssige erneuerbare Energie während Perioden des Überangebots aufzunehmen und während Spitzenzeiten abzugeben. Dies würde eine Netzengstelle in einen Netznutzen verwandeln.
- Speicherung von Überschussenergie: Batteriespeicher können Strom aufnehmen, wenn viel erneuerbare Energie verfügbar ist.
- Abgabe bei Spitzenbedarf: Sie können Strom wieder abgeben, wenn der Bedarf hoch ist oder die erneuerbare Erzeugung gering ist.
- Netzstabilität: Dies trägt zur Stabilisierung des Stromnetzes bei und reduziert die Notwendigkeit, fossile Kraftwerke zuzuschalten.
Die Initiative Australiens zeigt einen klaren Trend, Technologieentwicklung und Nachhaltigkeit eng miteinander zu verknüpfen. Die kommenden Monate werden zeigen, wie diese ehrgeizigen Pläne in die Tat umgesetzt werden und welche Auswirkungen sie auf die globale Rechenzentrumslandschaft haben werden.





