Die Royal Enfield Bullet, bekannt als das am längsten produzierte Kraftfahrzeug der Welt, erhält eine Neuauflage. Die Bullet 650 tritt in große Fußstapfen und verbindet die legendäre Optik mit einem leistungsstärkeren Zweizylindermotor. Motorradfans dürfen sich auf eine Maschine freuen, die trotz moderner Technik ihren klassischen Charme bewahrt.
Wichtige Fakten zur Bullet 650
- Nachfolgerin der legendären Bullet 500
- Ausgestattet mit einem 650er-Zweizylindermotor
- Leistung von 48 PS und 52 Nm Drehmoment
- Markteinführung für Frühjahr 2026 geplant
- Preis in Deutschland: 7.340 Euro
Ein Erbe von 88 Jahren
Die Royal Enfield Bullet blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück. Seit 1932 wird das Motorrad produziert und hält damit den Rekord als das am längsten gebaute Kraftfahrzeug der Welt. Ursprünglich in England entwickelt, fand die Bullet ihre wahre Heimat in Indien. Dort wurde die Produktion ab 1955 fortgesetzt, auch nachdem Royal Enfield in Großbritannien in den Bankrott ging.
Die „Ur-Bullet“ war ein Einzylindermotorrad. Sie wurde mit Hubräumen von 250, 350 und 500 Kubikzentimetern angeboten. Ihre einfache, aber robuste Technik machte sie besonders zuverlässig, selbst unter extremen Bedingungen wie den tropischen Regionen Südindiens oder den eisigen Höhen des Himalajas. Diese Langlebigkeit trug maßgeblich zu ihrem Kultstatus bei.
Historischer Kontext der Bullet
Viele Menschen denken beim am längsten produzierten Fahrzeug an den VW Käfer. Dieser wurde 65 Jahre lang gebaut. Die Royal Enfield Bullet 500 übertrifft dies jedoch mit stolzen 88 Jahren Produktionszeit. Sie ist ein echtes Stück Motorradgeschichte, das Generationen überdauert hat.
Evolution mit Respekt vor der Tradition
Obwohl die Bullet über Jahrzehnte hinweg weitgehend unverändert blieb, gab es doch einige Anpassungen. Im Jahr 2008 erhielt das Modell eine leichte Modernisierung. Dazu gehörten eine elektronische Einspritzung anstelle des Vergasers, eine auf die linke Seite verlagerte Fußschaltung und eine Scheibenbremse am Vorderrad. Diese Änderungen verbesserten die Alltagstauglichkeit, ohne den Charakter des Motorrads zu verändern.
Als Royal Enfield 2020 das Ende der Bullet 500 bekannt gab, löste dies eine Welle der Enttäuschung unter den Fans aus. Doch die Marke ließ die Anhänger nicht lange warten. Im Jahr 2024 wurde die Bullet 350 mit einem modernen 20 PS starken Einzylindermotor vorgestellt. Dies war der erste Schritt in eine neue Ära.
"Die Royal Enfield Bullet 650 ist mehr als nur ein Motorrad; sie ist ein Stück lebendige Geschichte, das mit moderner Technik neu interpretiert wird. Sie respektiert ihr Erbe, während sie gleichzeitig in die Zukunft blickt." – Diego Ramirez, Motorradexperte.
Der neue 650er-Zweizylinder
Die größte Neuerung ist die Einführung des 650er-Zweizylindermotors. Dieser Motor wird bereits in anderen erfolgreichen Royal Enfield Modellen wie der Classic 650, Shotgun 650 und Super Meteor 650 eingesetzt. Für die Bullet 650 bedeutet dies einen deutlichen Leistungssprung. Der neue Motor leistet 48 PS bei 7150 Umdrehungen pro Minute. Das maximale Drehmoment beträgt 52 Nm bei 5650 Umdrehungen pro Minute.
Im Vergleich zur alten Bullet 500, die 27 PS lieferte, ist dies ein Zuwachs von 21 PS. Trotz der höheren Leistung verzichtet Royal Enfield weiterhin auf eine Wasserkühlung. Ein kleiner Ölkühler ist unauffällig integriert. Die polierten Kühlrippen und die verchromten Pea-Shooter-Endrohre unterstreichen den klassischen Stil.
Leistungsdaten im Überblick
- Hubraum: 650 cm³ (nur 14 cm³ mehr als die alte 500er)
- Leistung: 48 PS
- Drehmoment: 52 Nm
- Max. Leistung bei: 7150 U/min
- Max. Drehmoment bei: 5650 U/min
Design und Ausstattung
Die Royal Enfield Bullet 650 bleibt ihrem legendären Design treu. Der tropfenförmige Tank trägt das erhabene Royal-Enfield-Emblem und ist, ebenso wie die Schutzbleche, mit goldenen Zierstreifen versehen. Diese Streifen werden im Werk von Spezialisten noch immer von Hand gezogen, genau wie seit den Anfängen der Marke. Die verfügbaren Farben "Cannon Black" und "Battleship Blue" passen hervorragend zum martialischen Namen "Bullet" und zum Gesamtstil des Motorrads.
Der Rundscheinwerfer mit Chromring und Schirmchen sowie das nostalgische Rücklicht und der große Heckkotflügel verstärken den Retro-Look. Die gekapselte Telegabel von Showa aus Japan wirkt robust und passt gut zum massiven Erscheinungsbild. Die Sitzbank ist breit und üppig gepolstert, was zusammen mit dem hohen Lenker und den weit vorn platzierten Fußrasten auf einen hohen Komfort für Fahrer und Sozius hinweist. Die Sitzhöhe beträgt 800 mm.
Fahrwerk und Bremsen
Das Rückgrat der Bullet 650 bildet ein schwarz lackierter Stahlrohrrahmen. Der Motor ist als tragendes Element integriert, ohne Unterzüge. Royal Enfield hat sogar die seit 1948 typischen, weit nach hinten gezogenen Rahmenausleger für die hinteren Feder-Dämpfer-Beine beibehalten. Das Fahrwerk ist auf touristisches Fahren ausgelegt und eher weich abgestimmt. Die Federwege betragen 120 mm vorn und 90 mm hinten.
Am Vorderrad sorgt eine einzelne 320-mm-Scheibenbremse mit Doppelkolben-Schwimmsattel für die Verzögerung. Die schmalen Reifen (100/90-19 vorn, 140/70-18 hinten) auf verchromten Drahtspeichenfelgen versprechen eine gute Handlichkeit. Der analoge Tacho sitzt stilecht auf dem Scheinwerfertopf, ergänzt durch ein kleines LC-Display für digitale Informationen.
Technische Details zum Fahrwerk
- Leergewicht: 243 kg
- Radstand: 1475 mm
- Lenkkopfwinkel: 64,5 Grad
- Nachlauf: 105 mm
- Federweg vorn: 120 mm
- Federweg hinten: 90 mm
Marktchancen und Preis
Die Royal Enfield Bullet 650 ist kein Leichtgewicht. Mit einem Leergewicht von 243 kg ist sie eher für gediegenes Cruisen auf der Landstraße konzipiert als für sportliche Fahrdynamik. Der 14,8-Liter-Tank ermöglicht bei einem angegebenen Verbrauch von 4,7 Litern pro 100 km eine theoretische Reichweite von etwa 315 km.
Trotz einer möglicherweise überschrittenen Retro-Welle hat die Royal Enfield Bullet 650 gute Chancen auf dem deutschen Markt. Sie punktet mit drei starken Argumenten: dem legendären Namen, der klassischen Optik und einem attraktiven Preis von 7.340 Euro. Dies macht sie zu einer interessanten Option für Liebhaber klassischer Motorräder, die moderne Zuverlässigkeit schätzen.
Warum die Bullet 650 erfolgreich sein könnte
Die Kombination aus historischem Erbe, zeitlosem Design und einem zugänglichen Preis spricht eine breite Zielgruppe an. Royal Enfield hat in den letzten Jahren seine Verkaufszahlen stetig gesteigert und beweist, dass der Markt für klassisch inspirierte Motorräder weiterhin stark ist.





