Viele als „Immun-Booster“ beworbene Produkte, die in der kalten Jahreszeit die Abwehrkräfte stärken sollen, enthalten überraschend viel Zucker. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass Verbraucher oft nicht ausreichend über den genauen Zuckergehalt informiert werden, da entsprechende Angaben auf den Verpackungen fehlen können. Dies betrifft Heißgetränke, Direktsticks und Shots, die mit Vitaminen und Pflanzenextrakten werben.
Wichtige Erkenntnisse
- Immun-Booster können bis zu 14 Gramm Zucker pro Portion enthalten.
- Nährwertangaben zu Zucker sind auf Nahrungsergänzungsmitteln nicht verpflichtend.
- Zucker versteckt sich hinter vielen Namen in der Zutatenliste.
- Gesundheitsaussagen für viele Pflanzenstoffe sind nicht belegt.
- Höhere Dosen von Vitaminen und Mineralstoffen sind oft unnötig oder sogar schädlich.
Versteckter Zucker in Immun-Produkten
Die Verbraucherzentrale NRW hat Ende 2023 eine Untersuchung von 19 Produkten durchgeführt, die als „Immun-Booster“ vermarktet werden. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Einige dieser Produkte lieferten bis zu 14 Gramm Zucker pro Portion. Das entspricht fast einem Drittel der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen Höchstmenge von 50 Gramm Zucker pro Tag für Erwachsene.
Besonders auffällig war, dass ein Kinderprodukt sogar 30 Prozent mehr Zucker enthielt als vergleichbare Produkte für Erwachsene. Diese hohen Zuckermengen können die beworbenen gesundheitlichen Vorteile der Produkte in Frage stellen und tragen unnötig zur täglichen Zuckerzufuhr bei.
Faktencheck Zuckergehalt
- Bis zu 14 Gramm Zucker pro Portion in Immun-Boostern.
- Das sind 28% der DGE-Empfehlung für Erwachsene.
- Ein Kinderprodukt enthielt 30% mehr Zucker als Erwachsenenprodukte.
Fehlende Nährwertangaben erschweren die Wahl
Anders als bei herkömmlichen Lebensmitteln sind Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln nicht verpflichtet, Angaben zu Kalorien, Fett, Eiweiß oder Zucker auf der Verpackung zu machen. Es müssen lediglich die wertgebenden Inhaltsstoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe pro Tagesdosis aufgeführt werden. Dies gilt jedoch nicht pro 100 Gramm, was einen direkten Vergleich erschwert.
Ein einziges Heißgetränk kann bis zu 60 Kilokalorien pro Portion liefern, ohne dass dies auf dem Etikett ausgewiesen wird. Von den 19 untersuchten Produkten fehlten diese wichtigen Angaben bei 13 Produkten. Verbraucher müssen daher die Zutatenliste genau prüfen, um versteckte Zuckerquellen zu identifizieren.
„Wer keine Angaben zu Kalorien oder Zucker auf der Packung findet, sollte in der Zutatenliste auf Begriffe wie Zucker, Glukosesirup, Fruktosesirup, Honig, Dextrose oder Maltodextrin achten“, so die Empfehlung der Verbraucherzentrale.
Auch Fruchtpulver, -konzentrate und Säfte können erhebliche Mengen Zucker enthalten. Manche Produkte verwenden stattdessen oder zusätzlich Süßstoffe wie Sucralose oder Aspartam.
Werbeversprechen und deren Grenzen
Viele Immun-Booster werben mit Inhaltsstoffen wie Granatapfel, Holunder, Sanddorn oder Echinacea. Doch für die meisten dieser Pflanzenstoffe gibt es keine wissenschaftlich belegten gesundheitsbezogenen Aussagen im Hinblick auf eine Stärkung des Immunsystems. Die Nennung dieser Zutaten dient oft primär der Geschmacksangabe.
Pflanzen, die aus der traditionellen Heilkunde bekannt sind, wie Salbei oder Thymian, dürfen in Nahrungsergänzungsmitteln keine arzneiliche Wirkung entfalten. Dies ist ausschließlich Arzneimitteln vorbehalten. Die Verbraucherzentralen fordern seit Langem eine Positivliste für Pflanzenstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln, um Verbraucher vor falschen Hoffnungen zu schützen.
Hintergrund: Rechtslage bei Werbung
Gesetzlich erlaubte gesundheitsbezogene Aussagen sind streng reguliert. Nur für bestimmte Nährstoffe wie Vitamin C, Vitamin D oder Zink sind Formulierungen wie „trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“ zugelassen. Solche Aussagen sind jedoch nur relevant, wenn eine Person tatsächlich einen Mangel an diesen Nährstoffen hat.
Verstärkende Aussagen wie „stärkt das Immunsystem“ oder „zur Vorbeugung und Bekämpfung von Erkältungen“ sind nicht erlaubt und irreführend.
Die richtige Dosis: Weniger ist oft mehr
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass „viel auch viel hilft“, wenn es um Mikronährstoffe geht. Der Körper scheidet überschüssige Vitamine und Mineralstoffe im besten Fall einfach wieder aus. Im schlimmsten Fall kann eine Überdosierung jedoch zu gesundheitlichen Problemen führen.
- Vitamin D: Eine zu hohe Dosis kann zu Vergiftungen führen.
- Vitamin C und Calcium: Bei empfindlichen Personen kann eine Überdosierung die Bildung von Nierensteinen fördern.
- Mineralstoffe: Zu hoch dosierte Mineralstoffe können die komplexen Regelkreisläufe im Körper stören.
Auf den Verpackungen angegebene Prozentangaben zur Tagesdosis beziehen sich immer auf die Bedürfnisse von Erwachsenen. Für die meisten Nährstoffe sind 100 Prozent der empfohlenen Tagesdosis völlig ausreichend. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Prozentangaben auch auf Kinderprodukten für Erwachsene gelten.
Alternative: Immun-Booster selbst zubereiten
Wer auf unnötigen Zucker und Zusatzstoffe verzichten möchte, kann Heißgetränke zur Stärkung des Immunsystems ganz einfach selbst zubereiten. Frische Zutaten bieten nicht nur mehr Kontrolle über den Zuckergehalt, sondern auch eine natürliche Quelle für Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe.
Ein einfaches Rezept: Heißes Wasser mit frisch gepresstem Zitronen-, Orangen- oder Holundersaft mischen. Der Saft sollte nicht mit erhitzt werden, um die Vitamine zu erhalten. Alternativ kann auch ein Hagebutten- oder Früchtetee als Basis dienen. Ingwerwurzel verleiht dem Getränk eine angenehme Schärfe.
Durch die eigene Zubereitung lässt sich die Zuckermenge genau kontrollieren und man vermeidet Zusatzstoffe wie Trennmittel, Verdickungsmittel, Stabilisatoren oder künstliche Aromen, die in vielen Fertigprodukten enthalten sind. So kann man seine Abwehrkräfte auf natürliche Weise unterstützen, ohne in die Zuckerfalle zu tappen.





