Kriminelle nutzen immer raffiniertere Methoden, um Menschen um ihr Geld zu bringen. Eine besonders perfide Masche ist der sogenannte Vorschussbetrug, auch bekannt als „Advance Fee Fraud“ oder „419-Scam“. Hierbei werden Opfern enorme Geldsummen versprochen – sei es eine Erbschaft, ein Lotteriegewinn oder ein lukratives Geschäft – unter der Bedingung, dass sie zunächst selbst Vorauszahlungen leisten. Das versprochene Geld existiert jedoch nie, und die Opfer verlieren ihre eigenen Ersparnisse.
Wichtige Erkenntnisse
- Vorschussbetrug verspricht hohe Geldsummen gegen Vorauszahlungen für angebliche Gebühren oder Steuern.
- Die Täter nutzen emotionale Geschichten wie Erbschaften, Spenden oder Geschäftschancen.
- Warnsignale sind unrealistische Versprechen, schlechte Sprachqualität und Forderungen nach Vorauszahlungen.
- Niemals auf solche Nachrichten antworten oder Geld überweisen.
- Bei Betrug sofort die Polizei informieren und die Bank kontaktieren.
Was steckt hinter dem Vorschussbetrug?
Der Vorschussbetrug basiert auf einem einfachen, aber effektiven Prinzip: Die Täter locken mit der Aussicht auf Reichtum. Sie behaupten, dass für einen angeblich bevorstehenden Geldtransfer – zum Beispiel aus einer Erbschaft, einem Geschäft oder einer Lotterie – zunächst Gebühren, Steuern oder Anwaltskosten bezahlt werden müssen. Diese Vorauszahlungen sollen den Weg für die Auszahlung der viel größeren Summe ebnen. Wer zahlt, sieht sein Geld nie wieder.
International ist diese Betrugsform als „Advance Fee Fraud“ bekannt. Der Begriff „419-Scam“ geht auf Artikel 419 des nigerianischen Strafgesetzbuches zurück, der diese Art von Betrug unter Strafe stellt. Obwohl oft von der „Nigeria-Connection“ die Rede ist, agieren die Täter heute weltweit.
Historischer Hintergrund
Die Masche des Vorschussbetrugs ist nicht neu. Sie existiert bereits seit den 1970er Jahren. Ursprünglich wurden Opfer per Brief kontaktiert, später per Fax. Heute erfolgen die meisten Versuche über E-Mails, SMS oder soziale Medien. Die Tätergruppen sind global verteilt und passen ihre Geschichten ständig an aktuelle Ereignisse an.
Wie Kriminelle ihre Opfer anlocken
Die Betrüger entwickeln ausgeklügelte Geschichten, um Vertrauen aufzubauen und die Gier der Opfer zu wecken. Sie spielen oft mit menschlichen Emotionen und dem Wunsch nach einem besseren Leben. Hier sind einige der häufigsten Szenarien:
Die fiktive Erbschaft
Ein angeblicher Vermögensverwalter, Anwalt oder Bankmanager kontaktiert Sie und behauptet, Sie seien der einzige Erbe einer verstorbenen Person mit einem beträchtlichen Vermögen. Es gäbe keine anderen Verwandten. Sie sollen sich als Angehöriger ausgeben und erhalten dafür einen großzügigen Anteil.
Großzügige Spenden
Oft tritt eine vermeintlich wohlhabende Person auf, die angeblich schwer krank ist und ihr Vermögen verschenken möchte. Als Begründung werden oft religiöse Motive, Wohltätigkeit oder familiäre Wurzeln genannt. Ein bekanntes Beispiel ist die Geschichte von „Richard Wahl aus New Jersey“, der angeblich den Lotterie-Jackpot gewann, an Krebs leidet und über 2,8 Millionen Euro spenden möchte. Solche Geschichten sind frei erfunden, wirken aber oft sehr detailliert und rührend.
Gesperrte Vermögen und lukrative Geschäfte
Kriminelle behaupten auch, dass Millionenbeträge im Ausland festsitzen und aus politischen Gründen, Bankvorschriften oder Naturkatastrophen außer Landes gebracht werden müssen. Sie sollen beim „Geldtransfer“ helfen und erhalten dafür eine hohe Provision. Ebenso beliebt sind vermeintlich todsichere Investmentmöglichkeiten oder exklusive Geschäftschancen, die mit Insider-Wissen beworben werden.
Faktencheck: Unrealistische Versprechen
- Echte Erbschaften: Mitteilungen kommen vom Nachlassgericht oder seriösen Erbenermittlern, niemals per unaufgeforderter E-Mail.
- Geschenktes Geld: Niemand verschenkt Millionen an Wildfremde.
- Auslandsüberweisungen: Für solche Transaktionen müssen keine Steuern im Voraus gezahlt werden.
Der Ablauf des Betrugs: Ein typisches Muster
Der Vorschussbetrug folgt einem klaren Schema, das darauf abzielt, Opfer schrittweise in die Falle zu locken:
- Erstkontakt: Opfer erhalten eine unerwartete E-Mail, SMS oder Direktnachricht in sozialen Medien. Das Angebot klingt meist zu gut, um wahr zu sein.
- Vertrauensaufbau: Die Betrüger erzählen detaillierte, emotionale Geschichten. Die Nachrichten wirken oft persönlich, aber sprachlich umständlich oder altertümlich formuliert.
- Dokumentenflut: Um Seriosität vorzutäuschen, werden gefälschte Ausweise, Verträge, Bankdokumente oder behördliche Schreiben präsentiert.
- Die Geldforderung: Plötzlich werden Vorauszahlungen verlangt. Dies können „Bearbeitungsgebühren“, angebliche Steuern, Anwaltskosten oder „Schmiergelder“ sein.
- Eskalation: Oft beginnt es mit kleinen Summen. Dann tauchen immer neue, „unvorhergesehene“ Kosten auf, und die Beträge werden größer.
- Kontaktabbruch: Sobald das Opfer nicht mehr bereit ist zu zahlen, bricht der Kontakt abrupt ab. Das versprochene Geld wird nie ausgezahlt.
„Wenn Ihnen jemand einen Gewinn, eine Erbschaft oder ein lukratives Geschäft verspricht und Sie vorher erst etwas bezahlen müssen, lassen Sie die Finger davon! Denn das versprochene Geld gibt es nicht.“
Perfide Variante: Geldüberweisung mit Rückforderung
Manchmal überweisen die Betrüger sogar eine kleine Summe an das Opfer, die dieses nach Abzug einer „Provision“ weiterleiten soll. Später wird die ursprüngliche Überweisung storniert, und das Opfer bleibt auf dem Fehlbetrag sitzen. Dies ist eine besonders raffinierte Methode, um Vertrauen zu schaffen und gleichzeitig finanziellen Schaden anzurichten.
So erkennen Sie den Betrug
Es gibt klare Warnsignale, die auf einen Vorschussbetrug hindeuten. Achten Sie auf diese Merkmale:
Inhaltliche Warnsignale
- Unvermittelte Kontaktaufnahme: Sie werden kontaktiert, obwohl Sie nie zuvor Kontakt hatten.
- Unrealistische Geldsummen: Es werden Ihnen unerwartet enorme Summen versprochen.
- Emotionale Manipulation: Geschichten über Krankheiten, Familienschicksale oder Wohltätigkeit sollen Ihre Gutgläubigkeit ansprechen.
- Forderung nach Vorauszahlungen: Für Gebühren, Steuern oder Dokumente sollen Sie Geld überweisen.
- Zeitdruck und Geheimhaltung: Die Betrüger drängen zur Eile und fordern Sie auf, niemandem von der Sache zu erzählen.
Formale Warnsignale
- Fehlerhafte Sprache: Nachrichten enthalten Grammatikfehler, klingen maschinell übersetzt oder verwenden altertümliche Formulierungen.
- Private Kontaktdaten: Seriöse Organisationen verwenden keine kostenlosen E-Mail-Dienste wie Gmail oder Hotmail.
- Auslandsadressen: Die Absender sitzen oft im Ausland.
- Unpersönliche Anrede: Generische Anreden wie „Sehr geehrte/r“ oder gar keine namentliche Ansprache.
- Gefälschte Dokumente: Offiziell wirkende Wappen, Siegel oder Referenzcodes, die oft von schlechter grafischer Qualität sind.
Wie Sie sich schützen können
Der beste Schutz ist Prävention und Skepsis. Befolgen Sie diese einfachen Regeln:
- Nicht antworten: Ignorieren Sie solche Nachrichten vollständig. Jede Reaktion bestätigt den Betrügern, dass Ihre Adresse aktiv ist.
- Niemals Geld überweisen: Zahlen Sie unter keinen Umständen Vorauszahlungen, egal wie überzeugend die Geschichte klingt.
- Keine persönlichen Daten preisgeben: Geben Sie keine Ausweiskopien, Bankdaten oder andere sensible Informationen heraus.
- Absender blockieren: Blockieren Sie die Kontaktperson auf allen Kanälen.
- Nachricht als Spam markieren: Verschieben Sie E-Mails in den Spam-Ordner.
- Im Internet recherchieren: Suchen Sie nach Namen, E-Mail-Adressen oder Textpassagen aus der Nachricht. Oft finden Sie Warnungen von anderen Betroffenen.
- Beweise sichern: Falls Sie bereits geantwortet haben, löschen Sie die Nachrichten nicht. Sie dienen als Beweismittel.
Was tun, wenn Sie bereits Opfer geworden sind?
Wenn Sie auf die Masche hereingefallen sind und bereits Geld überwiesen haben, ist schnelles Handeln entscheidend:
- Strafanzeige erstatten: Gehen Sie umgehend zur Polizei oder nutzen Sie die Internetwache Ihres Bundeslandes.
- Beweise sichern: Bewahren Sie alle Nachrichten, Dokumente und Überweisungsbelege auf.
- Bank informieren: Kontaktieren Sie Ihre Bank sofort. In seltenen Fällen können Überweisungen noch gestoppt werden.
- Zahlungen einstellen: Überweisen Sie auf keinen Fall weiteres Geld, auch wenn die Betrüger neue Geschichten erfinden.
Verwandte Betrugsmaschen
Der Vorschussbetrug ist nur eine von vielen Betrugsformen. Auch Love Scamming (Romance Scam), Schneeballsysteme oder Fake-Shops nutzen ähnliche psychologische Tricks. Das Grundprinzip bleibt gleich: verlockende Versprechen, gefolgt von Geldforderungen. Kriminelle passen ihre Geschichten ständig an aktuelle Ereignisse und neue Technologien wie KI-generierte Profilbilder oder Deepfakes an. Bleiben Sie stets wachsam und skeptisch bei unaufgeforderten Kontakten mit Geldversprechen.





