Der Karneval steht vor der Tür und viele Menschen freuen sich darauf, in bunte Kostüme zu schlüpfen. Doch hinter der fröhlichen Fassade können sich Gefahren verbergen. Minderwertige Materialien in Kostümen und bedenkliche Inhaltsstoffe in Schminke stellen ein Risiko für die Gesundheit dar. Verbraucher sollten daher genau hinschauen und einige Vorsichtsmaßnahmen beachten, um die närrische Zeit unbeschwert genießen zu können.
Wichtige Punkte
- Kostüme vor dem Tragen waschen oder Unterwäsche tragen, um Hautkontakt mit Schadstoffen zu vermeiden.
- Auf zertifizierte Naturkosmetik bei Schminke achten, um Azofarbstoffe und Mineralöle zu umgehen.
- Bunte Kontaktlinsen nur kurzzeitig tragen und vorher ärztlichen Rat einholen.
- Plastik-Accessoires auf unangenehmen Geruch prüfen, der auf Schadstoffe hinweisen kann.
- Billig-Angebote von Online-Shops wie Temu und Shein kritisch hinterfragen.
Gefahren in Karnevalskostümen
Billige Karnevalskostüme, oft aus dem Internet, können unerwünschte Überraschungen bereithalten. Insbesondere schwarze Stoffe sind häufiger betroffen. Das Chemische Untersuchungsamt Stuttgart entdeckte beispielsweise in allen sechs untersuchten Kinderkarnevalskostümen den Stoff PPA (Para-Phenylendiamin). Dieser kann allergische Hautreaktionen auslösen. Auch im Jahr 2022 wurde PPA in 7 von 19 geprüften Kostümen nachgewiesen.
Faktencheck Kostüme
- PPA-Belastung: In einer Untersuchung wurden in allen 6 getesteten Kinderkostümen PPA gefunden.
- Allergierisiko: PPA kann schwere allergische Hautreaktionen verursachen.
- Schutzmaßnahmen: Unterwäsche wie Leggings und T-Shirts können die Haut vor direktem Kontakt mit Schadstoffen schützen.
Um die Haut zu schützen, empfiehlt es sich, die Kostüme vor dem ersten Tragen zu waschen. Falls dies nicht möglich ist, bieten Unterhemden und Leggings eine Barriere zwischen Haut und Stoff. Dies hilft, den direkten Kontakt mit potenziell reizenden Substanzen zu minimieren.
Vorsicht bei Online-Einkäufen
Shopping-Apps wie Temu oder Shein sind bekannt für sehr günstige Angebote. Berichte, wie der Greenpeace-Report „Schäm dich, Shein“, weisen jedoch darauf hin, dass Kleidung und Schuhe dieser Anbieter teilweise Schadstoffe enthalten, die in Europa verboten sind. Bei Produkten aus China ist oft unklar, ob sie den europäischen Gesetzen entsprechen.
Vor einem Kauf in unbekannten Online-Shops sollten Verbraucher das Impressum prüfen. Es ist wichtig festzustellen, ob der Händler seinen Sitz innerhalb der EU hat. Für eine zusätzliche Sicherheit kann der kostenlose Fakeshop-Finder genutzt werden, um zweifelhafte Anbieter zu identifizieren.
Brandgefahr bei Kunststoffen
Kostüme, Masken und Perücken aus Kunststoffen wie Polyester oder Nylon fangen schneller Feuer als solche aus Baumwolle. Daher ist ein Sicherheitsabstand zu offenen Flammen oder Funken unerlässlich. Achten Sie auf den Vermerk „Schwer entflammbar“ auf der Verpackung oder dem Etikett des Kostüms.
Sichere Karnevalsschminke wählen
Glitzernde Fabelwesen oder gruselige Monster – Schminke gehört für viele zum Karneval dazu. Doch auch hier lauern Risiken. Mineralöle wie Paraffin oder Petrolatum, die oft in konventioneller Schminke enthalten sind, können sich im Körper anreichern und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein, besonders wenn sie über die Lippen verschluckt werden.
Hintergrund: Mineralöle in Kosmetik
Mineralöle sind kostengünstige Inhaltsstoffe, die häufig in Kosmetika verwendet werden. Sie bilden einen Film auf der Haut, der Feuchtigkeitsverlust reduzieren soll. Allerdings können sie auch die Poren verstopfen und potenziell schädliche Substanzen enthalten, die bei oraler Aufnahme bedenklich sind.
Eine gute Alternative ist zertifizierte Naturkosmetik. Diese ist frei von Mineralölen, Silikonen, Polyethylenglykolen (PEG), Azofarbstoffen und vielen anderen synthetischen Inhaltsstoffen. Solche Produkte erkennt man an Siegeln wie BDIH/COSMOS oder dem NATRUE-Siegel. Diese Naturkosmetik ist mittlerweile nicht nur in Bioläden, sondern auch in vielen Drogeriemärkten erhältlich.
"Für Menschen mit Allergien ist die genaue Lektüre der Inhaltsstoffe in der Schminke ein Muss. Diese sind meist auf der Verpackung unter 'Ingredients' aufgelistet."
Wasserlösliche Schminke bevorzugen
Statt schwerer Wachsstifte sind Aquafarben eine bessere Wahl. Diese werden wie Wasserfarben mit Pinsel oder Schwamm aufgetragen und sind oft als Naturkosmetik erhältlich. Sie verstopfen die Poren nicht und lassen sich leicht mit Wasser und Seife entfernen, was das Risiko von Pickeln und Mitessern reduziert.
Glitzer und bunte Kontaktlinsen
Glitzer war lange Zeit ein großes Problem für die Umwelt, da er oft aus Mikroplastik bestand. Seit dem Mikroplastikverbot von 2023 in der EU ist loser Glitter aus nicht abbaubaren Kunststoffen verboten. Mittlerweile gibt es biologisch abbaubaren Glitter, zum Beispiel auf Zellulose-Basis. Doch Vorsicht: In dekorativer Kosmetik wie Lidschatten oder Lippenstift sind Mikroplastikpartikel und Kunststoffglitter noch bis 2035 erlaubt.
Risiken bunter Kontaktlinsen
Bunte Spaß-Kontaktlinsen können dramatische Effekte erzielen, bergen aber auch Risiken. Eine sorgfältige Hygiene ist unerlässlich, um Augeninfektionen zu vermeiden. Viele dieser Linsen sind luftdicht, was zu Sauerstoffmangel an der Hornhaut führen kann. Dies kann bei längerem Tragen ein Aufquellen der Hornhaut und eine Schädigung der Sehfähigkeit verursachen.
Wer nicht auf bunte Linsen verzichten möchte, sollte sie nur kurzzeitig tragen. Speziell geformte Pupillen, wie schmale Katzenaugen, können zudem das Sichtfeld einschränken. Dies ist nicht nur beim Kamelle-Sammeln hinderlich, sondern im Straßenverkehr sogar gefährlich. Es ist ratsam, vor dem Kauf einen Optiker oder Augenarzt um medizinischen Rat zu fragen.
Der Geruchstest für Accessoires
Plastik-Schwerter, Flügel oder Klebe-Tattoos enthalten oft Lösemittel, Weichmacher oder andere Schadstoffe. Einige dieser Chemikalien lassen sich bereits am Geruch erkennen. Ein starker chemischer oder nach Kunststoff riechender Geruch ist ein Warnsignal. Solche Accessoires sollten Sie besser meiden, um Hautirritationen zu verhindern. Setzen Sie stattdessen auf selbstgebastelte Alternativen oder unbedenkliche Schminke.
Mit diesen Tipps können Sie und Ihre Familie den Karneval sicher und gesund genießen. Eine bewusste Auswahl der Kostüme, Schminke und Accessoires trägt dazu bei, dass die närrische Zeit eine unbeschwerte Freude bleibt.





