Propolis, das Kittharz der Bienen, wird oft als Wundermittel beworben. Besonders in Nahrungsergänzungsmitteln versprechen Hersteller viel. Doch ein genauer Blick zeigt: Viele dieser Versprechen sind wissenschaftlich nicht haltbar und können sogar Risiken bergen. Verbraucher sollten daher genau prüfen, was in Propolis-Produkten steckt und welche Wirkungen tatsächlich belegt sind.
Wichtige Punkte
- Für Propolis in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Werbeaussagen.
- Propolis kann allergische Reaktionen auslösen, besonders bei Allergien gegen Bienen- oder Wespenstiche.
- Produkte aus China enthielten wiederholt krebserregende oder verbotene Substanzen.
- Schwangere, Stillende und Personen, die Blutgerinnungshemmer einnehmen, sollten Propolis meiden.
Was ist Propolis eigentlich?
Propolis, auch Bienenharz oder Kittharz genannt, ist eine klebrige Substanz, die Bienen aus Harzen von Baumknospen und Rinde sammeln. Sie vermischen es mit Wachs, Pollen und Speichelsekreten. Im Bienenstock dient Propolis als Baumaterial, um Ritzen abzudichten, Waben zu stabilisieren und den Stock vor Bakterien und Pilzen zu schützen. Diese keimhemmenden Eigenschaften haben Propolis in der Alternativmedizin und Naturheilkunde populär gemacht, besonders in Osteuropa.
Um Propolis zu gewinnen, bringen Imker spezielle Gitter im Bienenstock an. Die Bienen verkitten die Zwischenräume. Nach der Ernte wird das Harz tiefgefroren, abgeklopft und zu Pulver vermahlen. Dieses Pulver findet sich dann oft in Nahrungsergänzungsmitteln. Im Gegensatz dazu enthalten Arzneimittel mit Propolis meist standardisierte Extrakte.
Zusammensetzung von Propolis
- Hauptbestandteile: Harze und Wachse
- Wirkstoffe: Flavonoide und Hydroxyzimtsäuren (z.B. Kaffee- und Ferulasäure)
- Weitere Bestandteile: Bienenenzyme, Zucker, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente
- Die genaue Zusammensetzung variiert stark je nach Pflanzenart, Herkunftsregion und Jahreszeit.
Heilsversprechen und Realität
Viele Propolis-Nahrungsergänzungsmittel werden mit weitreichenden gesundheitlichen Vorteilen beworben. Im Internet und in einigen Ratgeberbüchern finden sich Aussagen wie „stärkt die körpereigene Abwehr“, „harmonisiert die Verdauung“ oder „wirkt gegen Müdigkeit“. Auch bei „rheumatischen Beschwerden“ oder „eitrigen Entzündungen der Schleimhäute“ wird Propolis angepriesen.
Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hat diese Werbeaussagen jedoch umfassend geprüft. Ihr Fazit ist eindeutig: Es gibt keinen wissenschaftlich belegten ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Propolis und den beworbenen Wirkungen. Aussagen zur Unterstützung der Atemwege, des Darms, der Leber, der Immunabwehr, der Blutzirkulation oder der Mundgesundheit sind irreführend und damit unzulässig.
„Wissenschaftlich aussagekräftige Hinweise auf eine Infekt-vorbeugende Wirkung von Propolis zum Beispiel mit Blick auf Erkältung, Grippe oder Corona lassen sich nicht finden.“
Zwar kann Propolis im Labor das Wachstum von Bakterien, Pilzen und sogar manchen Viren hemmen. Diese Effekte lassen sich aber nicht direkt auf den menschlichen Körper übertragen. Im Verdauungssystem würden die keimhemmenden Bestandteile wahrscheinlich zersetzt, bevor sie eine Wirkung entfalten könnten. Selbst wenn sie weiter gelangen, würden Leber und Niere sie abbauen oder ausscheiden.
Forschung zu Propolis: Potenzial und offene Fragen
Aktuelle Forschungen untersuchen eine mögliche Rolle von Propolis bei der Reduzierung chronischer Krankheiten, insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hierfür sind jedoch noch umfangreiche klinische Studien am Menschen notwendig. Zudem müsste eine Standardisierung der wirksamen Substanzen erfolgen, da die Zusammensetzung von Propolis sehr variabel ist.
Antioxidativer Effekt und Vitamine
Oft wird bei Propolis-Nahrungsergänzungsmitteln der antioxidative Effekt und eine allgemeine gesundheitsfördernde Wirkung hervorgehoben. Auch diese Behauptungen sind bisher nicht eindeutig durch Studien am Menschen belegt. Werden „wertvolle Vitamine und Mineralstoffe“ ausgelobt, handelt es sich meist um zugesetzte Mikronährstoffe wie Vitamin C oder Zink. Eine Werbung mit „reich an Polyphenolen, Flavonoiden und Procyanidinen“ muss ebenfalls durch genaue Mengenangaben der Substanzen untermauert werden.
Risiken und Nebenwirkungen von Propolis
Der Konsum von Propolis ist nicht ohne Risiken. Rund 4,2 Prozent der Bevölkerung reagieren allergisch auf Propolis. Personen, die bereits auf Bienen- oder Wespenstiche allergisch reagieren, sollten Propolis-Produkte unbedingt meiden. Ein entsprechender Warnhinweis sollte auf vertrauenswürdigen Produkten vorhanden sein.
In Einzelfällen wurden erhöhte Leberwerte, Nierenversagen, photosensible Reaktionen und Dermatitis nach der Einnahme von Propolis berichtet. Zudem sind Wechselwirkungen mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten möglich, was zu ernsten Komplikationen führen kann.
Gefahren durch Verunreinigungen
Das Europäische Schnellwarnsystem RASFF hat mehrfach vor Propolis-Produkten gewarnt, die aus China stammen. Diese enthielten wiederholt zu hohe Gehalte an krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Zuletzt wurde sogar Chloramphenicol, ein risikobehaftetes Reserveantibiotikum, das für Lebensmittel liefernde Tiere verboten ist, in solchen Produkten gefunden.
Pyrrolizidinalkaloide (PA) in Bienenprodukten
Bienenprodukte wie Blütenpollen, Gelée royale und auch Propolis können Pyrrolizidinalkaloide (PA) enthalten. Diese natürlichen Pflanzenstoffe sind für den Menschen gefährlich, da sie das Erbgut schädigen, Krebs verursachen und lebertoxisch wirken können. PA gelangen über Blütenpollen in die Bienenprodukte. Besonders Produkte aus Australien, Neuseeland, Spanien, der Schwarzmeer-Region und Südamerika können erhöhte PA-Belastungen aufweisen.
Seit dem 1. Juli 2022 gelten in der EU Höchstmengenregelungen für PA in Nahrungsergänzungsmitteln. Für pollenbasierte Produkte liegt die gesetzliche Höchstmenge bei 500 Mikrogramm pro Kilogramm.
Verbraucher sollten bei Propolis-Produkten auf die Herkunft achten und im Zweifel beim Hersteller nachfragen, ob das Produkt auf Pyrrolizidinalkaloide untersucht wurde. Die harzige Beschaffenheit von Propolis kann auch dazu führen, dass es Schwermetalle wie Blei und Cadmium sowie Tierarzneimittel aus der Imkerei anreichert.
Wer sollte Propolis meiden?
- Personen mit Allergien gegen Bienen- oder Wespenstiche
- Schwangere und Stillende, da zu wenig über mögliche Risiken bekannt ist
- Patienten, die blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen
- Menschen mit bekannten Leber- oder Nierenproblemen
Imkereien dürfen unverarbeitete Propolis verkaufen. Nahrungsergänzungsmittel mit Propolis müssen jedoch beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angezeigt werden und tragen die Bezeichnung „Nahrungsergänzungsmittel“. Dies garantiert jedoch nicht die Wirksamkeit oder Sicherheit der beworbenen Effekte.
Es ist entscheidend, dass Verbraucher kritisch bleiben und sich nicht von unbewiesenen Heilsversprechen leiten lassen. Im Zweifelsfall sollte immer ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden, besonders bei Vorerkrankungen oder der Einnahme anderer Medikamente.





