Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, kurz PFAS, sind in vielen Alltagsprodukten versteckt und stellen eine wachsende Gefahr für Mensch und Umwelt dar. Diese Chemikalien, oft als „Ewigkeits-Chemikalien“ bezeichnet, bauen sich in der Natur nicht ab und reichern sich stattdessen in Lebewesen an. Aktuelle Studien zeigen, dass selbst in Deutschland viele Kinder bereits mit diesen Stoffen belastet sind, was dringende Maßnahmen erfordert.
Wichtigste Erkenntnisse
- PFAS sind eine Gruppe von etwa 10.000 chemischen Verbindungen, die extrem stabil sind.
- Sie finden sich in zahlreichen Produkten wie Antihaftpfannen, Outdoorkleidung und Lebensmittelverpackungen.
- PFAS reichern sich in Wasser, Boden, Mensch und Tier an und sind nicht biologisch abbaubar.
- Gesundheitliche Risiken umfassen eine verminderte Immunantwort, Fruchtbarkeitsstörungen und ein erhöhtes Krebsrisiko.
- Deutschland setzt sich zusammen mit anderen EU-Staaten für eine Beschränkung der gesamten Stoffgruppe ein.
Was sind PFAS und wo begegnen wir ihnen?
PFAS ist die Abkürzung für Per- und Polyfluoralkylsubstanzen. Es handelt sich um eine umfangreiche Familie von rund 10.000 chemisch hergestellten Verbindungen. Ihr gemeinsames Merkmal ist die extrem stabile Kohlenstoff-Fluor-Bindung, die sie besonders widerstandsfähig macht. Diese Eigenschaften sind der Grund für ihren vielfältigen Einsatz in Industrie und Haushalt.
Diese Chemikalien sind fett-, schmutz- und wasserabweisend. Daher finden sie sich in vielen Produkten, die wir täglich nutzen. Beispiele sind Antihaftbeschichtungen in Pfannen, Imprägniermittel für Textilien und Leder, sowie spezielle Beschichtungen in Outdoor-Kleidung und Wanderschuhen.
Versteckte Vorkommen im Alltag
In Küchenprodukten sind PFAS oft in Antihaftpfannen, Raclette-Geräten, Waffeleisen und Backformen enthalten. Auch in fettabweisenden Fast-Food-Verpackungen wie Pommes-Tüten oder Popcorn-Verpackungen für die Mikrowelle sind sie zu finden. Ab August 2026 sollen hier EU-weite Grenzwerte den Einsatz von PFAS in Verpackungen begrenzen.
Wussten Sie schon?
Der berüchtigte Dupont-Skandal in den USA, der die Öffentlichkeit auf PFAS aufmerksam machte, wurde unter dem Titel „Vergiftete Wahrheit“ verfilmt. Er beleuchtete die weitreichenden Umwelt- und Gesundheitsfolgen dieser Chemikalien.
Im Wohnbereich schützen PFAS Polstermöbel, Teppiche und Tischdecken vor Flecken. Sie sind auch in Kältemitteln und Elektronikgeräten präsent. Sogar in Drogerieartikeln wie Zahnseide oder speziellen Beschichtungen für Brillen und Touchscreens kommen sie vor. Wiederverwendbare Menstruationsprodukte wie Periodenunterwäsche können ebenfalls PFAS enthalten.
Wie erkenne ich PFAS in Produkten?
Die Erkennung von PFAS in Produkten ist schwierig, da es in den meisten Bereichen keine Kennzeichnungspflicht gibt. Verbraucherzentralen raten dazu, direkt beim Hersteller nachzufragen. Werbeaussagen wie „PFOA/PFOS-frei“ sind oft irreführend, da sie nur einzelne Substanzen ausschließen, während andere PFAS-Verbindungen enthalten sein können.
Aussagen wie „frei von PFAS“ oder „fluorfrei“ sind hingegen verlässlicher, da sie die gesamte Stoffgruppe umfassen. Nachhaltigkeitssiegel können ebenfalls eine gute Orientierung bieten, da viele davon PFAS grundsätzlich ausschließen.
Der Perlentest als Indikator
Ein einfacher „Perlentest“ kann Hinweise auf PFAS geben. Wenn ein Tropfen Öl auf Papier, Pappe oder Stoff nicht einzieht, sondern eine kugelige Form beibehält, ist dies ein starkes Indiz für eine PFAS-Behandlung. Normalerweise würden diese Materialien Flüssigkeiten aufsaugen.
Hintergrundinformationen
PFOS ist lediglich eine einzelne Substanz aus der großen Familie der PFAS. Der Oberbegriff PFAS umfasst über 10.000 langlebige Industriechemikalien. Diese Unterscheidung ist wichtig, um die tatsächliche Problematik zu verstehen.
Bei Antihaftbeschichtungen in Kochgeschirr ist Vorsicht geboten. Viele enthalten fluorierte Kunststoffe wie PTFE (Polytetrafluorethylen), eine Art PFAS. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt, dass diese Beschichtungen ab etwa 360 Grad Celsius giftige Gase freisetzen können, wenn sie überhitzt werden. Daher sollte antihaftbeschichtetes Geschirr niemals leer auf dem Herd stehen.
Gesundheitliche Risiken und Umweltfolgen
PFAS werden als „Ewigkeits-Chemikalien“ bezeichnet, weil sie extrem stabil sind und in der Natur nicht abgebaut werden. Sie reichern sich in der Umwelt, in Mensch und Tier an. Diese Anreicherung geschieht weltweit, sogar in den entlegensten Regionen der Erde wurden PFAS bereits nachgewiesen.
Die Aufnahme dieser Chemikalien erfolgt hauptsächlich über Lebensmittel und Trinkwasser. Auch die Außen- und Innenraumluft sowie Hausstaub tragen zur Belastung bei. Gestillte Kinder können PFAS über die Muttermilch aufnehmen, obwohl die Vorteile des Stillens weiterhin überwiegen.
„Studien an größeren Bevölkerungsgruppen weisen darauf hin, dass bestimmte PFAS die Leber, das Hormon- und Immunsystem schädigen und den Fettstoffwechsel stören können.“
Die gesundheitlichen Auswirkungen sind vielfältig. Sie reichen von einer verminderten Wirksamkeit von Impfungen und verringerter Fruchtbarkeit bis hin zu höheren Cholesterinwerten und einem erhöhten Risiko für Diabetes. Auch ein erhöhtes Krebsrisiko wird mit bestimmten PFAS in Verbindung gebracht.
Trinkwasser in Deutschland
Das Trinkwasser in Deutschland wird engmaschig auf PFAS kontrolliert. Wasserversorger setzen Aktivkohlefilter ein oder legen Brunnen still, um Belastungen zu verhindern. Ab Januar 2026 gilt zudem ein Grenzwert für 20 PFAS-Substanzen. Für vier davon werden die Regelungen ab 2028 noch strenger. Dennoch ist es entscheidend, die Umweltverschmutzung durch PFAS so schnell wie möglich zu reduzieren, um das Trinkwasser nachhaltig zu schützen.
Warum ist eine Beschränkung dringend notwendig?
Die Verbraucherzentrale NRW betont die Dringlichkeit einer Beschränkung der gesamten PFAS-Stoffgruppe. Eine Studie zeigte, dass über 1.000 untersuchte Kinder in Deutschland mit bestimmten PFAS belastet waren. Bei einem erheblichen Teil dieser Kinder konnten gesundheitliche Gefährdungen nicht ausgeschlossen werden.
Bisherige Verbote einzelner PFAS führten dazu, dass diese einfach durch andere, noch unregulierte PFAS-Verbindungen ersetzt wurden. Es wäre zu zeitaufwändig, jede der tausenden Einzelsubstanzen einzeln zu bewerten und zu regulieren. Da alle PFAS die extreme Stabilität in der Umwelt gemeinsam haben, ist eine gruppenweite Beschränkung der effektivste Weg.
Internationale Bemühungen und Widerstände
Deutschland setzt sich zusammen mit vier weiteren EU-Staaten für eine umfassende Beschränkung von rund 10.000 Einzelsubstanzen ein. Geplant ist keine sofortige Totalverbot, sondern eine Beschränkung mit Übergangsfristen von bis zu 13,5 Jahren und Ausnahmen für unverzichtbare Anwendungen.
- Übergangsfristen: Bis zu 13,5 Jahre für bestimmte Anwendungen.
- Ausnahmen: Für unverzichtbare Bereiche, in denen es keine Alternativen gibt (z.B. bestimmte Medizinprodukte).
Industrieverbände wehren sich gegen die geplante Beschränkung, oft mit dem Argument, dass ohne diese Chemikalien die EU-Klimaziele nicht erreichbar oder lebenswichtige Medizinprodukte nicht mehr verfügbar seien. Der Gesetzesentwurf sieht jedoch bereits Ausnahmen für solche unverzichtbaren Anwendungen vor.
Auch fluorierte Kunststoffe wie PTFE sollten in die Beschränkung einbezogen werden. Sie tragen über ihren gesamten Lebenszyklus, von der Herstellung bis zur Entsorgung, erheblich zur Umweltverschmutzung bei. Gesetzliche Beschränkungen würden der Industrie Planungssicherheit geben und die Forschung nach umweltfreundlicheren Alternativen beschleunigen.
Gibt es PFAS-freie Alternativen?
Für viele Anwendungsbereiche existieren bereits geeignete Alternativen zu PFAS. Beispiele hierfür sind Beschichtungen für Saiten von Musikinstrumenten, Imprägniermittel für Textilien, Schmiermittel wie Fahrradkettenöl und bestimmte Lebensmittelverpackungen. In anderen Bereichen wird noch intensiv nach Alternativen geforscht, wobei auch nicht-chemische Lösungen berücksichtigt werden.
Die Verbraucherzentralen engagieren sich aktiv gegen die PFAS-Verschmutzung. Sie setzen sich gemeinsam mit anderen Organisationen für eine europaweite PFAS-Beschränkung ein und haben dazu Positionspapiere und Faktenchecks veröffentlicht. Ziel ist es, eine Welt ohne die dauerhafte Belastung durch diese „Ewigkeits-Chemikalien“ zu schaffen.





