Vor Ostern füllen sich die Regale mit bunten Eiern. Doch die Herkunft und Haltungsform der Legehennen bleibt oft unklar. Verbraucher sollten genau hinschauen, um die richtige Wahl zu treffen. Spezielle Kennzeichnungen und Siegel geben Aufschluss über Tierwohl und Frische.
Wichtige Punkte
- Gefärbte Eier: Mindesthaltbarkeitsdatum und Farbstoffe müssen bei verpackter Ware angegeben sein.
- Rohe Eier: Herkunft, Haltungsform und Erzeugercode sind Pflicht.
- Kükentöten: Achten Sie auf Kennzeichnungen wie "ohne Kükentöten" oder das KAT-Siegel.
- Selbstfärben: Nicht abgeschreckte Eier sind länger haltbar; natürliche Farben sind eine Alternative.
Kennzeichnung bei gefärbten Eiern
Gefärbte Eier sind besonders zu Ostern sehr beliebt. Doch im Gegensatz zu rohen Eiern gelten für sie weniger strenge Kennzeichnungsvorschriften. Bei verpackten, gefärbten Eiern müssen das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), die verwendeten Farbstoffe, die Stückzahl sowie Name und Anschrift des Anbieters auf der Packung stehen.
Anders sieht es bei lose angebotener Ware aus, etwa auf Wochenmärkten. Hier reicht oft ein Schild mit dem Hinweis "mit Farbstoff". Ein MHD ist bei loser Ware nicht vorgeschrieben. Verbraucher, die Wert auf Frische legen, sollten lose Eier ohne MHD-Angabe meiden.
Faktencheck Gefärbte Eier
- Verpackte Eier: MHD, Farbstoffe, Stückzahl, Anbieteradresse verpflichtend.
- Lose Eier: Nur Hinweis "mit Farbstoff" nötig, kein MHD.
Haltungsform und Herkunft bei gefärbten Eiern
Ein wichtiger Unterschied zu rohen Eiern betrifft die Haltungsform der Legehennen. Bei gefärbten Eiern muss die Art der Haltung nicht angegeben werden. Dies bedeutet, dass diese Eier auch aus Käfighaltung stammen könnten, ohne dass der Kunde davon erfährt. Wer artgerechte Tierhaltung unterstützen möchte, muss daher besonders aufmerksam sein.
Manchmal findet man freiwillige Zusatzinformationen auf den Verpackungen, die die Haltungsform doch nennen. Es lohnt sich, gezielt nach diesen Hinweisen zu suchen. Alternativ bleibt das Selbstfärben eine gute Option, um sicherzustellen, dass die Eier den eigenen Ansprüchen genügen.
"Wer beim Ostereier-Kauf auf artgerechte Tierhaltung Wert legt, muss eher selbst färben, denn die Legehennenhaltung muss bei bunten Eiern nicht gekennzeichnet werden."
Klare Regeln für rohe Eier
Für rohe Eier gelten in der Europäischen Union deutlich strengere Kennzeichnungsvorschriften. Auf der Verpackung muss neben dem Mindesthaltbarkeitsdatum auch die Haltungsform klar in Worten angegeben sein. So erfahren Käufer, ob die Eier aus Bio-, Freiland-, Boden- oder Käfighaltung stammen.
Zusätzlich trägt jedes Ei einen Erzeugercode, der detaillierte Informationen über seine Herkunft liefert. Dieser Code, beispielsweise "0-DE-0500081", ist direkt auf die Schale gestempelt und ermöglicht eine vollständige Rückverfolgbarkeit bis zum Legestall.
Was der Erzeugercode verrät
Der gestempelte Zifferncode auf der Eierschale gibt Auskunft über die Herkunft:
- Erste Ziffer: Haltungsform (0 = Bio, 1 = Freiland, 2 = Boden, 3 = Käfig).
- Länderkürzel: Herkunftsland (z.B. DE für Deutschland, NL für Niederlande).
- Siebenstelliger Zahlencode: Bundesland (z.B. 05 für Nordrhein-Westfalen) und Betriebs-/Stallnummer.
Unterschied zum Packstellencode
Es ist wichtig, den Erzeugercode auf dem Ei nicht mit der Nummer der Packstelle auf der Verpackung zu verwechseln. Der Packstellencode gibt lediglich an, wo die Eier verpackt wurden, nicht aber, wo sie gelegt wurden. Ein Ei kann in den Niederlanden gelegt und erst in Deutschland verpackt worden sein. Nur der Code auf der Schale garantiert Transparenz über die wahre Herkunft.
Eier ohne Kükentöten
Ein ethisch wichtiges Thema beim Eierkauf ist die Tötung männlicher Küken. In Deutschland wurden lange Zeit Millionen männlicher Küken direkt nach dem Schlüpfen getötet, da sie weder Eier legen noch für die Mast geeignet sind. Seit dem 1. Januar 2022 ist dies in Deutschland verboten.
Stattdessen werden entweder die männlichen Küken aufgezogen oder das Geschlecht bereits im Brutei bestimmt und männliche Embryonen vor dem Schlüpfen aussortiert. Doch Vorsicht: Dieses Verbot gilt nur für Brütereien in Deutschland. Eier, deren Legehennen im Ausland geschlüpft sind, könnten weiterhin aus Betrieben stammen, in denen Kükentöten praktiziert wird.
Zahlen zum Kükentöten
Jedes Jahr schlüpften in Deutschland rund 45 Millionen männliche Küken von Legehühnerrassen, die in der Vergangenheit getötet wurden.
Kennzeichnung für Tierwohl
Um sicherzugehen, dass für die gekauften Eier keine männlichen Küken getötet wurden, sollten Verbraucher auf spezielle Kennzeichnungen achten. Das Siegel "ohne Kükentöten" oder das "KAT"-Siegel (Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V.) sind verlässliche Indikatoren. KAT hat das Verbot des Tötens männlicher Eintagsküken in seine Vorschriften aufgenommen. Das bedeutet, dass alle KAT-gesiegelten Eier von Hennen stammen, deren Brüder nicht getötet wurden – unabhängig vom Herkunftsland der Hennen.
Haltbarkeit und Sicherheit selbstgefärbter Eier
Wer seine Ostereier selbst färbt, hat volle Kontrolle über Herkunft und Farbstoffe. Die Haltbarkeit selbstgefärbter Eier hängt stark davon ab, ob die Schale unversehrt ist und ob die Eier nach dem Kochen abgeschreckt werden.
Beim Abschrecken mit kaltem Wasser kühlen die heißen Eier schnell ab, wodurch sich eine Luftschicht zwischen Schale und Ei bildet. Durch diesen Temperaturschock können jedoch auch Mikroorganismen leichter durch die Schale dringen. Nicht abgeschreckte Eier sind bei kühler Lagerung und unversehrter Schale bis zu 4 Wochen haltbar.
Ostereierfarben und Allergien
Die im Handel erhältlichen Ostereierfarben, Brausetabletten oder Stifte sind heute meist unbedenklich. Es handelt sich um wasserlösliche, natürliche und synthetische Farbstoffe, die nach dem Lebensmittelgesetz zur Färbung von Lebensmitteln zugelassen sind. Es sind dieselben Farben, die auch in der Süßigkeitenherstellung verwendet werden. Trotzdem können Allergiker empfindlich auf bestimmte Farbstoffe reagieren und sollten die Inhaltsangaben auf der Verpackung prüfen.
Tipp zum Selbstfärben
Nutzen Sie natürliche Farben aus Pflanzen: Rote Zwiebelschalen oder Rote Bete für Rottöne, Rotkohlblätter für Blautöne. Kurkuma-Pulver färbt Eier leuchtend gelb. Weiße Eier nehmen die Farbe am besten an.
Für eine kräftigere Färbung empfiehlt es sich, die hartgekochten Eier länger im Farbsud zu belassen. Etwas Essig im Farbsud kann die Farbaufnahme verbessern. Mit diesen Tipps können Verbraucher nicht nur bunte, sondern auch bewusst ausgewählte oder selbst gestaltete Ostereier genießen.





