Die Suche nach Liebe und Kontakten im Internet boomt. Millionen von Menschen nutzen Singlebörsen, Kontaktportale und Partnervermittlungen. Doch hinter den vielversprechenden Angeboten lauern oft versteckte Kosten und rechtliche Fallstricke. Verbraucher müssen die Unterschiede zwischen den Plattformen kennen, um sich vor Enttäuschungen und finanziellen Belastungen zu schützen.
Wichtige Erkenntnisse
- Singlebörsen bieten eine Plattform zur selbstständigen Partnersuche; Kosten entstehen oft erst bei Premium-Mitgliedschaften.
- Partnervermittlungen unterbreiten konkrete Vorschläge basierend auf Persönlichkeitstests; diese Dienste sind meist deutlich teurer.
- Bei Partnervermittlungen kann ein außerordentliches Kündigungsrecht nach § 627 BGB bestehen, bei Singlebörsen in der Regel nicht.
- Vorsicht vor Fake-Profilen, Chatbots und unseriösen Vergleichsportalen, die Provisionen priorisieren.
- Das Kleingedruckte und die Seriosität des Anbieters sind vor Vertragsabschluss genau zu prüfen.
Singlebörsen und Kontaktportale: Die Grundlagen
Singlebörsen stellen eine Plattform bereit, auf der Nutzer Profile erstellen und selbst nach potenziellen Partnern suchen können. Das Anlegen eines Profils und das Hochladen von Fotos sind oft kostenlos. Die eigentlichen Kosten entstehen meist erst, wenn man aktiv mit anderen Mitgliedern in Kontakt treten möchte und dafür eine Premium-Mitgliedschaft benötigt.
Manche scheinbar kostenlose Dating-Seiten können schnell teuer werden. Oft ist die Nutzung nur für wenige Tage gratis, danach beginnen teure Abonnements. Manchmal kostet sogar jede einzelne Nachricht extra. Ein vermeintlich harmloser Flirt kann so schnell zu unerwarteten Ausgaben führen.
Faktencheck: Versteckte Kosten
Einige Dating-Seiten locken mit kostenlosen Angeboten, die sich nach wenigen Tagen in teure Abonnements verwandeln. Achten Sie auf Hinweise wie "moderierter Inhalt" – dies kann auf den Einsatz von Chatbots oder Fake-Profilen hindeuten, die Nutzer zum kostenpflichtigen Schreiben animieren sollen.
Kontaktbörsen sind oft weniger auf feste Beziehungen ausgelegt. Hier steht das Chatten und Flirten im Vordergrund. Nutzer sollten persönliche Daten wie den vollen Namen oder die Telefonnummer erst preisgeben, wenn ein gewisses Vertrauen aufgebaut ist. Eine extra für das Online-Dating eingerichtete E-Mail-Adresse kann zusätzliche Sicherheit bieten.
Partnervermittlungen: Der Algorithmus der Liebe
Partnervermittlungen gehen einen anderen Weg. Sie nehmen den Nutzern die aktive Suche ab. Zu Beginn füllen Interessenten einen umfangreichen Fragebogen aus. Dieser erfasst persönliche Angaben, Ansichten und Wünsche. Auf Basis dieses Profils schickt das Institut dann passende Partnervorschläge per E-Mail zu.
Die Kosten für Partnervermittlungen sind in der Regel deutlich höher als bei Singlebörsen. Sie können mehrere Tausend Euro betragen, oft ohne eine Erfolgsgarantie. Es gibt Fälle, in denen angeblich passende Singles gar keine feste Beziehung suchen oder die Vorschläge nicht den gewünschten Kriterien entsprechen. Anbieter beschönigen bisweilen Kontaktvorschläge oder vermitteln Profile, die nicht wirklich passen.
„Die Kosten für eine Online-Partnervermittlung können schnell in den vierstelligen Bereich gehen. Ein genauer Blick auf die Vertragsbedingungen ist unerlässlich.“
Kündigungsrechte: Ein entscheidender Unterschied
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Singlebörsen und Partnervermittlungen liegt im Kündigungsrecht. Bei Partnervermittlungsverträgen kann unter Umständen ein außerordentliches Kündigungsrecht nach § 627 BGB bestehen. Dieses ermöglicht eine fristlose Kündigung ohne Angabe von Gründen, wenn ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen den Vertragspartnern besteht.
Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Verträge mit Partnervermittlungsinstituten unter diese Kategorie fallen können. Dies gilt auch dann, wenn die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Anbieters ein solches Recht ausschließen wollen, da § 627 BGB nicht durch Kleingedrucktes ausgeschlossen werden kann.
Rechtliche Grauzone bei Online-Partnervermittlungen
Die Gerichte sind sich uneinig, ob bei Online-Partnervermittlungen immer ein besonderes Vertrauensverhältnis vorliegt. Einige Gerichte bejahen dies, wenn zusätzliche Dienste wie Persönlichkeitstests und konkrete Partnervorschläge angeboten werden und Nutzer hierfür höchstpersönliche Daten preisgeben. Andere Gerichte fordern eine persönliche Auswertung der Daten durch Mitarbeiter, nicht nur durch Algorithmen. Eine höchstrichterliche Klärung steht noch aus.
Bei reinen Online-Flirtportalen, die lediglich eine Plattform zur Verfügung stellen, besteht dieses besondere Vertrauensverhältnis in der Regel nicht. Hier ist eine fristlose Kündigung ohne besonderen Grund meist nicht möglich.
Vergleichsportale: Eine fragwürdige Hilfe
Viele Alleinstehende suchen auf Vergleichsportalen nach der „besten Singlebörse“. Diese Portale versprechen oft, die ideale Plattform zu finden und werben mit „Testsiegern“ oder „Top-Rankings“. Doch Vorsicht: Die Empfehlungen solcher Dienste sind oft nicht transparent und können irreführend sein.
Die Ranglisten orientieren sich häufig an den Provisionen, die Dating-Dienste für eine gute Platzierung zahlen. Negative Bewertungen oder kritische Hinweise zu den unteren Rängen fehlen meist, da die Vergleichsportale primär an einem Vertragsabschluss der Nutzer interessiert sind, um ihre Provision zu erhalten. Eine gute Bewertung auf einem solchen Portal ist keine Garantie für Seriosität oder Erfolg bei der Partnersuche.
- Prüfen Sie, wer die Testberichte verfasst hat und welche Kriterien zugrunde liegen.
- Seien Sie skeptisch bei ausschließlich positiven Bewertungen und übertriebenen Bestnoten.
Sicher online flirten: Tipps für Verbraucher
Um sich vor unseriösen Anbietern und Kostenfallen zu schützen, sind einige Vorsichtsmaßnahmen ratsam:
1. Anbieterprüfung: Vergewissern Sie sich vor der Registrierung, ob der Anbieter Namen, Adresse, Rufnummer und einen Verantwortlichen im Impressum nennt. Fehlen diese Angaben, ist Vorsicht geboten.
2. AGB lesen: Nehmen Sie sich Zeit, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen genau zu prüfen. Achten Sie darauf, dass persönliche Daten nicht ohne Ihr ausdrückliches Einverständnis an Dritte weitergegeben werden.
3. Misstrauen bei 0900er-Nummern: Kontaktversuche über teure 0900er-Nummern sollten Sie grundsätzlich ignorieren. Dies ist ein klares Zeichen für unseriöse Absichten.
4. Fake-Profile erkennen: Achten Sie auf ungewöhnliche Formulierungen, übertrieben perfekte Profile oder sofortige Liebesbekundungen. Diese können auf Fake-Profile oder Chatbots hindeuten.
5. Persönliche Daten schützen: Geben Sie sensible Informationen wie Ihre Adresse oder Bankdaten erst preis, wenn Sie die Person wirklich kennengelernt haben und ein Vertrauensverhältnis besteht. Nutzen Sie anfangs eine separate E-Mail-Adresse.
Ein gesundes Misstrauen ist Ihr bester Begleiter bei der virtuellen Partnersuche. Es hilft, Enttäuschungen und unnötige Kosten zu vermeiden und die Chancen auf eine echte Begegnung zu erhöhen.





