In der heutigen digitalen Welt beeinflusst Ihre Bonität zahlreiche Alltagsentscheidungen, von der Kreditvergabe bis zum Online-Einkauf. Viele Verbraucher wissen nicht, dass sie das Recht haben, jederzeit eine kostenlose Auskunft über ihre gespeicherten Daten bei Auskunfteien einzuholen. Diese Informationen sind entscheidend, um die eigene finanzielle Situation zu verstehen und Fehler korrigieren zu lassen.
Wichtige Erkenntnisse
- Sie können jederzeit eine kostenlose Bonitätsauskunft anfordern.
- Auskunfteien wie Schufa, Creditreform, Experian und CRIF speichern Daten über Ihr Zahlungsverhalten.
- Ein negativer Score kann Vertragsabschlüsse oder Konditionen beeinflussen.
- Falsche oder unzulässig gespeicherte Daten müssen korrigiert werden.
- Fordern Sie bei Ablehnung eines Vertrags genaue Begründungen an.
Was ist Scoring und wie funktioniert es?
Scoring ist ein Verfahren, bei dem Unternehmen Ihre Kreditwürdigkeit und Zahlungsfähigkeit bewerten. Dies geschieht anhand gesammelter Daten und eines komplexen Punktesystems. Banken, Mobilfunkanbieter und Onlinehändler nutzen diese Bewertungen, um Risiken einzuschätzen, bevor sie Verträge abschließen oder bestimmte Zahlungsoptionen anbieten.
Die genauen Kriterien für die Berechnung des Score-Wertes bleiben oft undurchsichtig. Verbraucher erfahren selten, welche ihrer Daten verwendet werden und wie sich diese auf ihre Bewertung auswirken. Dies führt oft zu Verwirrung, wenn ein Kredit plötzlich nur zu höheren Zinsen angeboten wird oder eine Lieferung nur gegen Vorkasse möglich ist.
Wussten Sie schon?
Verschiedene Auskunfteien nutzen unterschiedliche Score-Werte und Berechnungsansätze. Ein guter Score bei einer Auskunftei bedeutet nicht automatisch einen guten Score bei einer anderen.
Ihr Recht auf kostenlose Auskunft
Seit Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) haben Sie das Recht, jederzeit eine kostenlose Auskunft über Ihre gespeicherten Daten zu erhalten. Die frühere Annahme, dass dies nur einmal pro Jahr möglich sei, ist nicht mehr korrekt. Sie können Auskunft verlangen, sobald Sie eine Änderung Ihrer Daten vermuten.
Wir empfehlen, mindestens einmal jährlich eine solche Auskunft einzuholen. So behalten Sie den Überblick darüber, welche personenbezogenen Daten zu welchem Zweck gespeichert sind, woher sie stammen und an wen sie weitergegeben wurden. Sie können auch die Namen der Unternehmen erfragen, die Ihre Daten erhalten haben.
Wie Sie die kostenlose Auskunft beantragen
Die Beantragung einer kostenlosen Auskunft ist unkompliziert und erfordert keine Begründung. Ein formloses Schreiben oder die Nutzung der Online-Formulare der Auskunfteien sind die gängigsten Wege. Wir raten von telefonischen Anfragen ab, da eine schriftliche Dokumentation vorteilhaft ist.
Achten Sie darauf, dass die kostenlosen Optionen auf den Websites der Auskunfteien manchmal schwer zu finden oder hinter kostenpflichtigen Angeboten versteckt sind. Bei der Schufa wird die kostenlose Auskunft beispielsweise als „Datenkopie nach Art. 15 DS-GVO“ bezeichnet, bei Creditreform und Experian als „Eigenauskunft“ oder „Selbstauskunft“.
"Die kostenlose Auskunft ist ein wichtiges Instrument für Verbraucher, um Transparenz über die eigenen Daten zu erhalten und mögliche Fehler frühzeitig zu erkennen."
Identitätsnachweis bei der Anfrage
Ein Nachweis Ihrer Identität ist nur erforderlich, wenn diese nicht zweifelsfrei festgestellt werden kann, etwa bei abweichender Adresse. In diesem Fall können Sie eine Kopie Ihres Personalausweises senden. Schwärzen Sie dabei alle nicht relevanten Daten wie die Personalausweisnummer; Name, Anschrift und Geburtsdatum reichen zur Identifizierung aus.
Wenn ein Vertragsabschluss verwehrt wird: Fragen Sie nach!
Es kann frustrierend sein, wenn Ihnen ein Mobilfunkvertrag verwehrt wird oder Sie plötzlich nicht mehr auf Rechnung zahlen können. Oft wird dies mit einem zu niedrigen Score-Wert begründet. Solche Situationen fallen unter den Begriff der "automatisierten Entscheidungsfindung".
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Rechte von Verbrauchern in solchen Fällen gestärkt. Unternehmen und Auskunfteien müssen Ihnen verständliche Informationen mitteilen, damit Sie nachvollziehen können, welche personenbezogenen Daten sich wie genau auf Ihren Score ausgewirkt haben. Berufen Sie sich auf Ihr Recht und fordern Sie eine detaillierte Begründung an!
Beispiele für automatisierte Entscheidungen
- Ein Online-Shop bietet plötzlich keine Zahlung auf Rechnung mehr an.
- Sie erhalten für einen Kredit schlechtere Konditionen als beworben.
- Ein Mobilfunkvertrag wird aufgrund eines zu schlechten Score-Wertes abgelehnt.
Die Bedeutung korrekter Daten
Fehlerhafte oder unzulässig gespeicherte Daten können weitreichende Folgen haben. Wenn Ihnen beispielsweise ein Kredit ohne ersichtlichen Grund verweigert wird, könnte dies an falschen Informationen in Ihrer Akte liegen. Deshalb ist es entscheidend, die Richtigkeit der gespeicherten Daten regelmäßig zu überprüfen.
Sollten Sie falsche Daten entdecken, müssen Auskunfteien diese unentgeltlich berichtigen, löschen oder die Verarbeitung einschränken. Ein formloses Schreiben, in dem Sie die unrichtigen Daten konkret benennen und, wenn möglich, Belege beifügen, ist ausreichend.
Wichtiger Hinweis
Sie haben nicht nur einen Anspruch gegen die Auskunftei, sondern auch gegen das Unternehmen, das die falschen Daten übermittelt hat. Fordern Sie auch dort die Löschung oder Korrektur der Daten an.
Der Schufa-Score-Simulator
Die Schufa bietet einen Score-Simulator an, mit dem Sie interaktiv testen können, welche Faktoren Ihren Score beeinflussen. Dies ist eine Simulation und kein echter Score, bietet aber eine gute Einschätzung, wie sich finanzielle Entscheidungen auf Ihre Kreditwürdigkeit auswirken könnten. Sie können beispielsweise die Auswirkungen von Kreditkartenzahlungen oder verspäteten Rechnungen simulieren.
Nutzen Sie solche Tools, um ein besseres Verständnis für die Mechanismen des Scorings zu entwickeln. Wissen über die eigene Bonität ist der erste Schritt zu einem verantwortungsvollen Umgang mit finanziellen Entscheidungen.





