Kieselerde wird oft als Geheimtipp für kräftige Nägel, glänzende Haare und straffes Bindegewebe beworben. Doch was steckt wirklich hinter diesen Versprechen? Wir beleuchten die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Empfehlungen von Experten.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Wirksamkeit von Kieselerde für Haut, Haare und Nägel ist wissenschaftlich nicht belegt.
- Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft die beworbenen Wirkungen als „nicht hinreichend gesichert“ ein.
- Einige Kieselerde-Produkte können gesundheitlich bedenkliche Mengen an Blei enthalten.
- Eine ausgewogene Ernährung und gesunde Lebensweise sind entscheidender für Schönheit und Wohlbefinden.
Was ist Kieselerde und warum wird sie so beworben?
Kieselerde, auch als Silicea terra bekannt, besteht aus Mineralien oder fossilen Ablagerungen von Kieselalgen. Sie zeichnet sich durch einen hohen Siliziumgehalt aus. Silizium ist ein Spurenelement, das im menschlichen Körper vorkommt, besonders in Knochen, Zahnschmelz und Bindegewebe.
Traditionell wird Kieselerde seit Langem für ihre vermeintlich positiven Effekte auf Haut, Haare und Nägel geschätzt. Die Vermarktung erfolgt meist als Nahrungsergänzungsmittel oder als traditionelles Arzneimittel in Form von Pulvern, Kapseln oder Tabletten.
„Traditionell angewendet zur Vorbeugung von brüchigen Fingernägeln und Haaren, zur Kräftigung des Bindegewebes. Diese Angaben beruhen ausschließlich auf Überlieferung und langjähriger Erfahrung.“
Dieser Wortlaut ist typisch für die Kennzeichnung von Kieselerde als traditionelles Arzneimittel. Er weist darauf hin, dass die Wirkung auf überlieferten Erfahrungen basiert und nicht auf modernen wissenschaftlichen Studien.
Faktencheck Silizium
Silizium ist in vielen Lebensmitteln wie Gerste, Hafer, Kartoffeln, Paprika und Spinat natürlich enthalten. Der menschliche Körper nimmt Silizium über die Nahrung auf.
Wissenschaftliche Bewertung der Wirksamkeit
Trotz der traditionellen Anwendung fehlen überzeugende wissenschaftliche Beweise für die beworbenen Wirkungen von Kieselerde. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Versprechen der Hersteller genau geprüft.
Die EFSA kam zu dem Schluss, dass die Angaben zur Wirkung von Kieselerde auf Nägel, Haare und Bindegewebe nicht hinreichend gesichert sind. Das bedeutet, es gibt keine ausreichenden wissenschaftlichen Studien, die diese Effekte bestätigen würden.
Aus diesem Grund dürfen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln in der EU nicht mit diesen spezifischen gesundheitsbezogenen Angaben werben. Eine Ausnahme bilden Produkte, die als traditionelle Arzneimittel zugelassen sind. Diese dürfen die oben genannte Formulierung verwenden, die auf Überlieferung und Erfahrung hinweist.
Braucht der Körper zusätzliches Silizium aus Kieselerde?
Silizium gilt beim Menschen als nicht-essenzielles Spurenelement. Das bedeutet, der Körper kann es nicht selbst herstellen, benötigt es aber in so geringen Mengen, dass eine ausreichende Versorgung normalerweise über die normale Ernährung gewährleistet ist.
Physiologische Funktionen, die mit der Elastizität des Bindegewebes oder der Knochenmineralisierung in Verbindung gebracht werden, werden zwar diskutiert, konnten aber bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden. Eine zusätzliche Zufuhr durch Kieselerde-Präparate ist in den meisten Fällen nicht notwendig.
Nahrungsergänzungsmittel und traditionelle Arzneimittel
Es ist wichtig, den Unterschied zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und traditionellen Arzneimitteln zu verstehen. Nahrungsergänzungsmittel sollen die normale Ernährung ergänzen. Traditionelle Arzneimittel basieren auf langjähriger Erfahrung, aber ihre Wirksamkeit ist oft nicht durch moderne Studien belegt.
Potenzielle Risiken und wichtige Hinweise zur Einnahme
Die Einnahme von Kieselerde ist nicht immer unbedenklich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat Höchstmengenvorschläge für Siliziumverbindungen in Nahrungsergänzungsmitteln herausgegeben. Diese liegen je nach Verbindung bei höchstens 10 bis 350 Milligramm pro Tag.
Ein ernsteres Problem ist die Belastung mit Schwermetallen. In einigen Kieselerde-Produkten wurden gesundheitlich bedenkliche Mengen an Blei nachgewiesen. Obwohl in der EU ein Grenzwert von 3 Milligramm Blei pro Kilogramm für Nahrungsergänzungsmittel besteht, können laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gesundheitliche Schädigungen für den Menschen nicht sicher ausgeschlossen werden, selbst bei geringen Bleigehalten.
Das Minimierungsgebot besagt daher, dass Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel so wenig Blei wie möglich enthalten sollten. Verbraucher sollten sich dieser potenziellen Gefahr bewusst sein.
Zugelassene Siliziumverbindungen in der EU
Gemäß EU-Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II, sind in Deutschland und anderen EU-Ländern folgende Silizium-/Kieselerde-Verbindungen in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen:
- Cholinstabilisierte Orthokieselsäure
- Siliciumdioxid
- Kieselsäure (in Gelform, auch Silicagel genannt)
- Organisches Silicium (Monomethylsilantriol) für flüssige Produkte (als neuartige Zutat zugelassen)
Diese Liste zeigt, welche Formen von Silizium in Produkten legal verwendet werden dürfen. Trotzdem bleibt die Frage der Wirksamkeit und Sicherheit bestehen.
Der Weg zu schöner Haut, Haaren und Nägeln: Eine gesunde Lebensweise
Experten sind sich einig: Weit effektiver als die Einnahme von Kieselerde-Präparaten ist eine gesunde und ausgewogene Lebensweise. Diese trägt maßgeblich zu einem schönen Erscheinungsbild und allgemeinem Wohlbefinden bei.
Regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Rauchen sind grundlegende Säulen. Eine ausgewogene Ernährung versorgt den Körper mit allen notwendigen Nährstoffen. Dazu gehören täglich fünf Portionen Obst und Gemüse sowie reichlich Vollkornprodukte.
Gesunde Ernährung für Schönheit
- Obst und Gemüse: Liefern Vitamine und Antioxidantien.
- Vollkornprodukte: Enthalten wichtige Mineralstoffe und Ballaststoffe.
- Ausreichend Wasser: Hält Haut und Schleimhäute hydriert.
Silizium ist, wie bereits erwähnt, natürlicherweise in vielen Lebensmitteln vorhanden. Wer auf eine vielfältige Ernährung achtet, deckt seinen Bedarf in der Regel problemlos. Zusätzliche Präparate sind meist überflüssig und können, wie im Fall von Blei, sogar Risiken bergen.
Bevor man zu Nahrungsergänzungsmitteln greift, lohnt es sich immer, die eigene Lebensweise zu überprüfen. Oft sind die besten „Schönheitsmittel“ bereits im Alltag integriert und kosten nichts extra.





