Digitale Spiele sind aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Doch was oft als kostenloses Vergnügen beginnt, kann sich schnell als teure Falle entpuppen. In-Game-Käufe, also Käufe innerhalb eines Spiels, sind mittlerweile ein Milliardengeschäft und bergen für Spieler, insbesondere Kinder und Jugendliche, erhebliche Risiken. Wir beleuchten, wie diese Mechanik funktioniert und welche Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden können, um unerwartete Ausgaben zu vermeiden.
Wichtige Erkenntnisse
- In-Game-Käufe ermöglichen den Erwerb virtueller Gegenstände oder Vorteile in digitalen Spielen.
- Viele sogenannte „Free-to-Play“-Spiele finanzieren sich hauptsächlich über diese internen Käufe.
- Es gibt noch keine umfassende gesetzliche Regulierung für die Kennzeichnung von In-Game-Käufen durch Spiele-Anbieter.
- Zahlungsdaten sollten niemals ungeschützt auf Geräten hinterlegt werden, um unbeabsichtigte Käufe zu verhindern.
- Eltern können Kaufoptionen in App-Stores und auf Konsolen einschränken oder deaktivieren.
Was sind In-Game- und In-App-Käufe?
In-Game-Käufe umfassen alle Transaktionen, die Spieler während des laufenden Spiels tätigen. Dies kann auf Computern, Spielekonsolen oder mobilen Geräten geschehen. Wenn diese Käufe speziell in mobilen Apps stattfinden, spricht man oft von In-App-Käufen. Dieses Geschäftsmodell hat sich in der Gaming-Branche fest etabliert.
Spieleentwickler bieten häufig kostenpflichtige Extras an, um das Spielerlebnis zu verbessern oder zu beschleunigen. Besonders in kostenlosen Spielen, den sogenannten „Free-to-Play“-Titeln, werden diese Käufe aggressiv beworben, da sie die Haupteinnahmequelle darstellen. Aber auch bei kostenpflichtigen Spielen sind zusätzliche Erweiterungen, oft als „Downloadable Content“ (DLC) bezeichnet, weit verbreitet.
Wussten Sie schon?
Im Jahr 2023 belief sich der Umsatz mit In-App-Käufen weltweit auf schätzungsweise über 130 Milliarden US-Dollar, ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren. Dies zeigt die enorme wirtschaftliche Bedeutung dieses Modells.
Typische Beispiele für In-Game-Käufe sind:
- Virtuelle Währungen: Punkte, Münzen, Diamanten oder Rohstoffe, die im Spiel für weitere Käufe verwendet werden. Dies kann die Übersicht über die tatsächlich ausgegebenen Geldbeträge erschweren.
- Exklusive Inhalte: Neue Charaktere, Fähigkeiten, Ausrüstungsgegenstände oder kosmetische Anpassungen.
- Fortschrittsbeschleuniger: Optionen, die das Erreichen neuer Level, schnellere Erfolge oder kürzere Wartezeiten ermöglichen.
Diese Käufe erfolgen meist über einen integrierten Shop, der direkt aus dem Spielmenü zugänglich ist. Die Bezahlung erfolgt entweder mit echtem Geld oder, je nach Spiel und Anbieter, mit einer zuvor erworbenen In-Game-Währung.
Die Kostenfalle „Free-to-Play“
„Free-to-Play“-Spiele ziehen Spieler mit einem kostenlosen und unkomplizierten Einstieg an. Sie sind oft direkt im Browser oder als App auf Tablets und Smartphones verfügbar. Doch der scheinbar kostenlose Spaß kann schnell zur Kostenfalle werden.
Im Spielverlauf stoßen Nutzer häufig auf Wartezeiten oder geraten gegenüber zahlenden Spielern ins Hintertreffen. Diese Hürden lassen sich gegen Bezahlung umgehen. Zusätzliche Inhalte können Wartezeiten verkürzen, die Wettbewerbsfähigkeit steigern oder einfach nur dazu dienen, sich vor anderen Spielern zu präsentieren. Diese Vorteile sind fast immer an In-Game- oder In-App-Käufe gebunden.
„Viele kostenlose Spiele sind so konzipiert, dass sie einen kontinuierlichen Anreiz schaffen, Geld auszugeben. Das psychologische Design ist darauf ausgelegt, Spieler immer wieder zu kleinen Käufen zu bewegen, die sich summieren können“, erklärt eine Expertin für digitales Konsumverhalten.
Oft handelt es sich bei den anfänglich kostenlosen Versionen in den App-Stores nur um Demo-Versionen. Wer das volle Spielerlebnis möchte, muss alle Funktionen per In-App-Kauf freischalten. Dies kann besonders für junge Spieler irreführend sein, die den Unterschied zwischen Spielwährung und echtem Geld nicht immer klar erkennen.
Hintergrund: Die Rolle der virtuellen Währungen
Die Verwendung von virtuellen Währungen in Spielen verschleiert oft den tatsächlichen Wert des ausgegebenen Geldes. Spieler verlieren schneller den Überblick, wie viel echtes Geld sie bereits investiert haben. Besonders Kinder und Jugendliche sind anfällig für diese Marketingstrategie, da sie den Bezug zur Realität leichter verlieren.
Rechtliche Situation und Verbraucherschutz
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für In-Game-Käufe sind noch nicht vollständig ausgereift. Es gibt derzeit keine gesetzliche Vorschrift, die Spiele-Anbieter dazu verpflichtet, im Vorfeld explizit anzugeben, ob und in welchem Umfang Spieler Geld ausgeben können. Allerdings gehen große Plattformen wie Apple und Google mit ihren App-Stores mit gutem Beispiel voran: Dort müssen alle möglichen Kaufoptionen für In-Game-Währungen transparent dargestellt werden.
Ein wichtiger Aspekt ist der Schutz von Minderjährigen. Hohe In-Game-Käufe, die von Minderjährigen ohne Zustimmung ihrer Eltern getätigt wurden, können rechtlich unwirksam sein. Verbraucherzentralen bieten hierzu juristische Beratung an. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Schutzmechanismen zu aktivieren, um unbeabsichtigte Ausgaben durch Kinder zu verhindern.
Wie In-Game-Käufe bezahlt werden
Die Abwicklung von In-Game- oder In-App-Käufen erfolgt meist über Benutzerkonten in den jeweiligen App-Stores oder über direkte Zahlungswege. Kreditkartendaten, Bankverbindungen oder Handynummern sind dabei die zentralen Schlüssel für Transaktionen. Wer diese Daten einmal hinterlegt hat, kann Käufe oft mit nur einem Fingertipp abschließen. Fehlt zusätzlich ein Passwort- oder Fingerabdruckschutz, sind unbeabsichtigte Käufe besonders leicht möglich.
Eine Alternative bieten Prepaid-Karten. Diese können mit einem bestimmten Guthaben aufgeladen werden und dienen dann als Zahlungsmittel. Dies ermöglicht eine bessere Kontrolle über die Ausgaben, da nur das verfügbare Guthaben genutzt werden kann.
Kostenbremsen: Tipps für den Umgang mit In-Game-Käufen
Um zu verhindern, dass In-App- und In-Game-Käufe zu einer teuren Kostenfalle werden, gibt es verschiedene präventive Maßnahmen:
1. Vorab-Informationen einholen
- Prüfen Sie vor der Installation eines Spiels oder einer App, ob In-Game-Käufe für den Spielfortschritt zwingend notwendig sind.
- Lesen Sie Bewertungen anderer Nutzer. Diese geben oft Aufschluss über aggressive Kaufmechanismen oder versteckte Kosten.
- Informieren Sie sich auf den offiziellen Websites der Spiele-Anbieter über deren Geschäftsmodelle.
2. Datenschutz beachten
Auch ohne Geldausgaben können Spiele eine Vielzahl Ihrer persönlichen Daten sammeln. Achten Sie daher bereits vor dem Download und der Installation darauf, welche Berechtigungen die App oder das Spiel anfordert und zu welchem Zweck diese Daten genutzt werden sollen.
3. Sichere Zahlungsmethoden nutzen
- Verwenden Sie Prepaid-Gutscheine oder Guthabenkarten. So können Sie nur das aufgeladene Guthaben ausgeben und behalten die volle Kostenkontrolle.
- Speichern Sie keine Kreditkarten- oder Bankdaten direkt in den In-Game-Shops oder App-Stores.
4. Unbeabsichtigte Käufe verhindern
Dies ist besonders wichtig, wenn Kinder oder Jugendliche Zugang zu den Geräten haben:
- Passwortschutz oder Biometrie: Sichern Sie Kaufvorgänge zusätzlich mit einem Passwort, PIN oder biometrischen Merkmalen wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung.
- Käufe deaktivieren: Viele Betriebssysteme bieten die Möglichkeit, In-App-Käufe vollständig zu deaktivieren. Bei iOS (Apple) können In-App-Käufe komplett ausgeschaltet werden. Bei Android (Google) lassen sich Käufe einschränken.
- Drittanbietersperre: Lassen Sie bei Ihrem Mobilfunkanbieter eine Drittanbietersperre einrichten. Diese verhindert, dass ungewollte Käufe über die monatliche Handyrechnung abgewickelt werden.
- Sonderrufnummern sperren: Teure Sonderrufnummern oder SMS-Dienste können für mobile Geräte durch Ihren Mobilfunkanbieter gesperrt werden.
- Gastprofile für Kinder: Bei Computer- oder Konsolenspielen können Sie oft Gastprofile für Kinder und Jugendliche anlegen, die kostenpflichtige In-Game-Käufe unterbinden.
Durch die konsequente Anwendung dieser Tipps können Sie die Kontrolle über Ihre Ausgaben behalten und das Spielvergnügen ohne böse Überraschungen genießen.





