Das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg hat in einem aktuellen Urteil die Werbepraktiken des Fluggastportals Flightright gegenüber der Fluggesellschaft Ryanair eingeschränkt. Das Gericht untersagte dem Portal mehrere Behauptungen und fordert mehr Transparenz bei den Kosten für Passagiere.
Wichtige Punkte
- Flightright darf Ryanair nicht pauschal "schlechtreden".
- Passagiere sollen nicht mehr zum Ignorieren von Airline-Kontakten aufgefordert werden.
- Ein Anwaltszuschlag von 14 Prozent muss von Anfang an klar ausgewiesen werden.
- Bei Verstößen droht ein Zwangsgeld von bis zu 250.000 Euro.
Streit um Entschädigungsansprüche
Fluggastportale wie Flightright unterstützen Passagiere dabei, Entschädigungen bei Flugverspätungen oder -ausfällen durchzusetzen. Für diese Dienstleistung behalten die Portale einen Teil der Entschädigung als Provision ein. Ryanair kritisierte die Geschäftspraktiken von Flightright, was zu der aktuellen Gerichtsentscheidung führte.
Das Gericht (Az.: 14 U 132/22) hat nun klargestellt, welche Aussagen und Empfehlungen gegenüber Airlines zulässig sind. Die Entscheidung hat weitreichende Folgen für die Kommunikation zwischen Fluggastportalen und ihren Kunden.
Wissenswertes zur Entschädigung
- Bei Flügen bis 1.500 km können Passagiere 250 Euro Entschädigung erhalten.
- Für längere Flüge sind bei mehr als drei Stunden Verspätung bis zu 600 Euro möglich.
- Fluggastportale verlangen oft bis zu 40 Prozent der Entschädigung als Provision.
Verbotene Aussagen und Empfehlungen
Das Hanseatische Oberlandesgericht hat Flightright untersagt, zu behaupten, Ryanair würde "Verbraucherrechte mit den Füßen treten". Diese Formulierung wurde als rufschädigend eingestuft und ist fortan nicht mehr erlaubt.
Zudem darf das Portal seinen Kunden nicht mehr pauschal raten, jegliche Kontaktversuche der Fluggesellschaft zu ignorieren. Dies soll eine direkte Kommunikation zwischen Passagieren und Airline nicht behindern.
"Das Urteil bestätigt, dass Fluggastportale ihre Werbeaussagen sorgfältig prüfen müssen und nicht unbegründet gegen Airlines vorgehen dürfen.", so ein Sprecher des Gerichts.
Transparenz bei Zusatzkosten gefordert
Ein weiterer wichtiger Punkt des Urteils betrifft die Kostenstruktur. Flightright muss einen zusätzlich erhobenen "Anwaltszuschlag" von 14 Prozent von Beginn an transparent machen. Diese Kostenposition darf nicht erst im späteren Verlauf des Prozesses auftauchen, sondern muss klar kommuniziert werden.
Diese Forderung nach Preistransparenz soll sicherstellen, dass Kunden von Anfang an über alle anfallenden Gebühren informiert sind. Dies erhöht die Vergleichbarkeit der Angebote von Fluggastportalen.
Reaktionen und Alternativen für Passagiere
Ryanair begrüßte das Urteil. Marketing-Chef Dara Brady forderte Passagiere auf, ihre Ansprüche direkt bei der Fluggesellschaft anzumelden, um unnötige Kosten zu vermeiden. Er betonte, dass Kunden bei direkter Kontaktaufnahme 100 Prozent der ihnen zustehenden Entschädigung erhalten würden.
Für Passagiere, die ihre Ansprüche nicht selbst durchsetzen möchten, gibt es neben den kostenpflichtigen Portalen eine weitere Option: die Schlichtungsstelle Reise und Verkehr (SÖP). Diese bietet eine kostenfreie Dienstleistung an.
Die Schlichtungsstelle Reise und Verkehr
Die SÖP ist eine unabhängige Einrichtung, die bei Streitigkeiten zwischen Reisenden und Unternehmen vermittelt. Nach eigenen Angaben erreicht die Schlichtungsstelle in 80 bis 90 Prozent der Fälle eine Einigung. Sie stellt eine wichtige Alternative zu kommerziellen Fluggastportalen dar, insbesondere für Verbraucher, die keine Provision zahlen möchten.
Auswirkungen auf die Branche
Das Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts könnte Signalwirkung für die gesamte Branche der Fluggastportale haben. Es setzt klare Grenzen für aggressive Marketingstrategien und fordert mehr Transparenz bei den Gebühren. Dies könnte zu einer faireren und klareren Kommunikation mit den Verbrauchern führen.
Es bleibt abzuwarten, wie andere Portale auf diese Rechtsprechung reagieren und ob sie ihre Praktiken entsprechend anpassen werden. Für Passagiere bedeutet das Urteil letztlich mehr Klarheit und Schutz bei der Geltendmachung ihrer Rechte.





