Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) hat mit dem ID.California Cruise seinen ersten vollelektrischen Campervan vorgestellt. Das Modell basiert auf dem ID.Buzz Pro und soll den Startschuss für eine neue Ära der elektrischen Campingfahrzeuge geben. Doch die erste Präsentation auf dem Caravan Salon Düsseldorf sorgte bei vielen Campingfreunden eher für Ernüchterung. Anstatt innovativer Campinglösungen bietet der ID.California Cruise hauptsächlich kosmetische Änderungen und ein aufgewertetes „Gute-Nacht-Paket“.
Wichtige Erkenntnisse
- Der VW ID.California Cruise ist der erste vollelektrische Campervan von VWN, basiert auf dem ID.Buzz Pro.
- Die Ausstattung umfasst hauptsächlich Designelemente und ein verbessertes „Gute-Nacht-Paket“ mit Klappmatratze und Campingmöbeln.
- Wichtige Campingfunktionen wie eine leistungsstarke Innensteckdose oder eine integrierte Küche fehlen.
- Der Aufpreis für den ID.California Cruise gegenüber einem nackten ID.Buzz Pro beträgt rund 4.700 Euro.
- VWN kündigte weitere Varianten an, um die Erwartungen der Camper-Community besser zu erfüllen.
Ein erster Blick auf den ID.California Cruise
Der neue ID.California Cruise präsentiert sich mit einigen optischen Akzenten. Dazu gehören spezielle „California“-Schriftzüge und Play-Pause-Pedale im Innenraum. Diese Details sollen dem Fahrzeug einen individuellen Charakter verleihen. Die Basis bildet der beliebte ID.Buzz Pro, der bereits für seine moderne Optik und sein großzügiges Raumangebot bekannt ist.
Das Herzstück der Campingausstattung bildet das erweiterte „Gute-Nacht-Paket“. Es beinhaltet eine Klappmatratze, die eine Liegefläche von etwa 1,2 x 2 Metern ermöglicht. Laut Herstellerangaben handelt es sich um ein „geräumiges Doppelbett“. Ergänzt wird dies durch einen Campingtisch und zwei Campingstühle, die platzsparend verstaut werden können. Für die Verdunkelung der Scheiben und die Belüftung der Fenster vorne sind spezielle Stoffeinsätze vorgesehen.
Faktencheck: Das Gute-Nacht-Paket
- Matratzendicke: 9 cm (gegenüber 4 cm im Standard-Paket)
- Liegefläche: ca. 1,2 x 2 Meter
- Inhalt: Klappmatratze, Campingtisch, zwei Campingstühle, Stoff-Verdunkelung, Lüftungseinsätze
- Aufpreis im Buzz Pro: 2.600 Euro
Kritik an fehlenden Camping-Essentials
Die größte Enttäuschung für viele potenzielle Käufer ist das Fehlen grundlegender Campingfunktionen. Eine leistungsstarke Steckdose im Innenraum, die für den Betrieb von Kochplatten oder anderen Geräten unerlässlich wäre, ist nicht vorhanden. Volkswagen Nutzfahrzeuge stellte in der Präsentation lediglich ein externes Kochfeld vor, das jedoch nicht vom Hersteller stammt und über eine externe Stromquelle betrieben werden muss.
Das Problem wird durch die Position der Ladeklappe verschärft. Diese verhindert, dass die Schiebetür vollständig geöffnet werden kann, wenn das Fahrzeug geladen wird oder externe Geräte angeschlossen sind. Dies schränkt die Nutzbarkeit des Außenbereichs erheblich ein. Auch eine integrierte Küchenzeile, ein Waschbecken oder Vorschläge für Kühllösungen fehlen komplett.
„Wir sind alle froh, dass es endlich einen Camping-Mode gibt, mit dem man 48 Stunden lang klimatisieren kann, aber würde man einen als Eliteschüler titulierten Menschen loben, wenn er mit als letzter die Hausaufgaben bringt? Ich würde hier einmal von Lob absehen.“
Der Preis und die Pakete
Der ID.California Cruise kostet rund 4.700 Euro mehr als ein einfacher ID.Buzz Pro. VWN argumentiert, dass dieser Aufpreis durch die obligatorisch enthaltenen Pakete wie das Interieur Style Paket (1.065,05 Euro), das Komfortpaket (1.451,80 Euro) und den Schuko-Adapter „PowerSocket“ (196,35 Euro) relativiert wird. Wer diese Pakete ohnehin kaufen möchte, spart angeblich Geld.
Allerdings können Käufer eines normalen ID.Buzz diese Pakete auch einfach weglassen und somit erheblich mehr Geld sparen. Für viele Camping-Enthusiasten steht jedoch nicht der Preis im Vordergrund, sondern das Fehlen wichtiger Ausstattungsmerkmale, die einen Campervan erst praxistauglich machen.
Hintergrund: Der California Mythos
Der Name California steht bei Volkswagen für eine lange Tradition von Campingbussen, die seit Jahrzehnten bei Reisenden beliebt sind. Modelle wie der T3, T4, T5 und T6 California waren bekannt für ihre durchdachte Innenraumgestaltung, integrierte Küchen und Schlafplätze. Die Erwartungen an einen vollelektrischen Nachfolger waren entsprechend hoch, insbesondere im Hinblick auf Autarkie und Komfort.
Was der ID.California Cruise wirklich bietet
Abgesehen von den Designelementen und dem aufgewerteten „Gute-Nacht-Paket“ bietet der ID.California Cruise einige Funktionen, die auch für alle anderen aktuellen ID.Buzz-Modelle verfügbar sind. Dazu gehören der V2L-Stecker (Vehicle-to-Load) außen, der es ermöglicht, elektrische Geräte über die Fahrzeugbatterie zu betreiben, sowie der Camping-Modus der Klimatisierung. Dieser Modus erlaubt es, den Innenraum bis zu 48 Stunden lang zu klimatisieren, was für Übernachtungen von Vorteil ist.
Diese Funktionen sind jedoch keine exklusiven Merkmale des California Cruise, sondern gehören zur allgemeinen Ausstattung des ID.Buzz mit den entsprechenden Software-Versionen. Die Community wartet weiterhin auf eine echte Camping-Integration, die über ein einfaches Bett und ein paar Stühle hinausgeht.
Wettbewerber zeigen mehr Kreativität
Es ist bemerkenswert, dass andere Anbieter im gleichen Fahrzeugsegment bereits deutlich innovativere Lösungen anbieten. Firmen wie Tonke bieten im ID.Buzz beispielsweise Betten mit einer Breite von 150 cm an. Alpin Camper integriert sogar eine 120 cm breite Liegefläche neben einer vollwertigen Küchenzeile. Dies zeigt, dass im ID.Buzz-Chassis durchaus mehr Potenzial für einen funktionalen Campervan steckt.
Volkswagen Nutzfahrzeuge hat angekündigt, dass weitere Varianten des ID.California folgen sollen. Dies lässt hoffen, dass in Zukunft Modelle auf den Markt kommen, die den Bedürfnissen der Camper-Community besser gerecht werden. Bis dahin bleibt der ID.California Cruise jedoch ein erster, sehr verhaltener Schritt in Richtung Elektrocamping.
Fazit und Ausblick
Der VW ID.California Cruise ist ein wichtiger Meilenstein als erster vollelektrischer California. Er zeigt das Engagement von Volkswagen für Elektromobilität im Freizeitsegment. Die aktuelle Ausführung lässt jedoch viele Wünsche offen und wirkt eher wie ein Testballon. Die geringe Ausstattung und das Fehlen grundlegender Campingfeatures schmälern den Nutzen für echte Camper erheblich.
Die Fans der California-Modelle müssen sich gedulden und auf zukünftige Versionen hoffen, die eine bessere Integration von Wohn- und Küchenelementen bieten. Volkswagen Nutzfahrzeuge steht vor der Herausforderung, die Erwartungen an die traditionsreiche California-Reihe mit den Möglichkeiten der Elektromobilität zu vereinen und dabei die Praktikabilität nicht aus den Augen zu verlieren. Der Weg zum idealen E-Campervan ist offenbar noch lang.





