Der Volkswagen-Konzern verzeichnet im zweiten Quartal einen deutlichen Rückgang seines Gewinns. Zwischen April und Juni sank das Konzernergebnis nach Steuern um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro. Dies steht im starken Kontrast zum Vorjahreszeitraum, in dem VW noch 2,29 Milliarden Euro erwirtschaftete.
Wichtigste Erkenntnisse
- Der Nettogewinn von VW fiel im zweiten Quartal um 32,9 Prozent auf 1,54 Mrd. Euro.
- Die Auslieferungen sanken konzernweit um fast 9 Prozent, in China sogar um über ein Drittel.
- Der Umsatz stieg leicht um 2 Prozent auf 82,4 Mrd. Euro, während das operative Ergebnis um ein Zehntel zurückging.
- VW-Chef Oliver Blume kappte den Umsatzausblick für das Gesamtjahr.
- Neue Sparmaßnahmen und Stellenabbaupläne stoßen auf Widerstand.
Schwäche auf dem chinesischen Markt belastet das Ergebnis
Der Hauptgrund für den Gewinnrückgang liegt in den schwachen Verkaufszahlen auf dem wichtigen chinesischen Markt. Dort sanken die Auslieferungen um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge. Konzernweit fielen die Auslieferungen um fast 9 Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge.
Außerhalb Chinas zeigte sich der Absatz dagegen robuster. Die globalen geopolitischen Spannungen und der zunehmende Wettbewerb wirken sich jedoch spürbar auf die Geschäftsentwicklung aus.
Fakten auf einen Blick
- Nettogewinn Q2: 1,54 Mrd. Euro (Vorjahr: 2,29 Mrd. Euro)
- Rückgang: 32,9 Prozent
- Konzernweite Auslieferungen: 2,08 Mio. Fahrzeuge (Rückgang: fast 9 Prozent)
- Auslieferungen in China: 424.300 Fahrzeuge (Rückgang: über 33 Prozent)
- Umsatz Q2: 82,4 Mrd. Euro (Anstieg: 2 Prozent)
- Operatives Ergebnis Q2: 3,47 Mrd. Euro (Rückgang: rund 10 Prozent)
Umsatz steigt, operatives Ergebnis sinkt
Trotz des Gewinnrückgangs konnte Volkswagen den Umsatz im zweiten Quartal leicht steigern. Er wuchs um zwei Prozent auf 82,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis hingegen sank um rund ein Zehntel auf 3,47 Milliarden Euro. Dies lag unter den Erwartungen der Analysten.
Besonders die Marken Audi und Porsche zeigten sich als Sorgenkinder. Bei Audi sank der Umsatz von 17,1 auf 15 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis fiel hier noch schwächer aus als im Vorjahr. Die Porsche AG verzeichnete im Autogeschäft einen Umsatzrückgang von 8,3 auf 7,8 Milliarden Euro. Der operative Gewinn erholte sich zwar leicht auf 692 Millionen Euro, die operative Marge von 8,9 Prozent blieb jedoch weit unter dem früheren Niveau.
"Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und härter werdende Konkurrenz sorgten für Gegenwind", erklärte Konzernchef Oliver Blume bereits im Frühjahr.
Angepasster Umsatzausblick und Sparmaßnahmen
Angesichts der aktuellen Entwicklung hat Volkswagen-Chef Oliver Blume den Umsatzausblick für das laufende Jahr angepasst. Statt eines Umsatzplus von bis zu 3 Prozent erwartet der Konzern nun bestenfalls eine "stabile Entwicklung". Im schlimmsten Fall könnte der Erlös sogar um bis zu 3 Prozent sinken.
Um der schwierigen Lage zu begegnen, plant Blume neue Sparmaßnahmen. Diese umfassen deutliche Einschnitte, darunter der mögliche Abbau von bis zu 50.000 Stellen weltweit und die Überprüfung von vier Werken in Deutschland. Diese Maßnahmen kommen zusätzlich zu den bereits bis 2030 angekündigten 50.000 Stellenstreichungen.
Hintergrund der Sparpläne
Volkswagen hatte bereits zuvor den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen bis 2030 angekündigt. Davon sollen 35.000 Jobs bei der Kernmarke VW entfallen, der Rest bei Marken wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterzeichnet. Die neuen Pläne würden diese Zahlen nochmals deutlich erhöhen.
Widerstand gegen neue Abbaupläne
Die neuen Sparpläne stoßen auf erheblichen Widerstand. Sowohl Gewerkschaften als auch der Betriebsrat haben bereits kräftigen Gegenwind angekündigt. Auch das Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an VW beteiligt ist und zwei Mitglieder im Aufsichtsrat stellt, lehnt die Pläne ab. Zusammen mit den Arbeitnehmervertretern bilden sie im Aufsichtsrat eine Mehrheit. Berichten zufolge wurden die Pläne in diesem Gremium zunächst abgelehnt.
Die Diskussionen um die Zukunft der Arbeitsplätze und die Standorte in Deutschland dürften sich in den kommenden Monaten intensivieren. Die Einführung neuer kleinerer Elektromodelle auf Basis der MEB+-Plattform, wie der VW ID. Polo, VW ID. Cross, Skoda Epiq und Cupra Raval, soll perspektivisch den Absatz ankurbeln und die Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Neue E-Modelle sollen Absatz stützen
- VW ID. Polo: Kleiner Elektro-Polo mit Fokus auf Stadtverkehr.
- VW ID. Cross: Kompaktes E-SUV für das wachsende Segment.
- Skoda Epiq: Ein erschwinglicher Elektro-Kleinwagen.
- Cupra Raval: Sportlicher Elektro-Kleinwagen mit dynamischem Design.
Diese Modelle sollen in den kommenden Monaten in die Verkaufsräume rollen und frischen Wind in das Elektroauto-Portfolio des Konzerns bringen. Die Hoffnung ist, dass sie maßgeblich dazu beitragen können, die derzeitigen Absatzschwächen, insbesondere in China, auszugleichen und das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs zu bringen.





