Der sogenannte Range Extender, ein Reichweitenverlängerer für Elektroautos, erlebt eine unerwartete Renaissance in der Automobilindustrie. Besonders in China setzt Volkswagen auf diese Technologie, um die Reichweitenangst der Kunden zu mildern. Doch diese Lösung bringt auch Nachteile mit sich.
Wichtige Erkenntnisse
- Range Extender sind serielle Hybridantriebe, bei denen ein Verbrennungsmotor Strom für den Elektromotor oder die Batterie erzeugt.
- Volkswagen bietet im Joint Venture SAIC-VW den ID. Era 9X in China mit dieser Technologie an.
- Die Europäische Kommission erwägt, Reichweitenverlängerer als Ergänzung zu Elektroautos über 2035 hinaus zu erlauben.
- Vorteile sind geringerer Platzbedarf und potenziell niedrigere Kosten im Vergleich zu größeren Batterien.
- Nachteile umfassen doppelten Wartungsaufwand, hohe Verbräuche und damit verbundene CO₂-Emissionen.
Was ist ein Range Extender?
Ein Range Extender, wörtlich übersetzt Reichweitenverlängerer, ist eine Form des seriellen Hybridantriebs. Dabei erzeugt ein kleiner Verbrennungsmotor Strom, der entweder direkt den Elektromotor antreibt oder die Traktionsbatterie lädt. Es gibt keine mechanische Verbindung zwischen dem Verbrennungsmotor und den Antriebsrädern.
Dieser Ansatz unterscheidet sich von parallelen oder leistungsverzweigten Hybridsystemen, bei denen beide Motoren direkt oder indirekt die Räder antreiben können. Der Verbrennungsmotor fungiert hier ausschließlich als Generator.
Faktencheck Range Extender
- Definition: Serieller Hybridantrieb ohne mechanische Verbindung zu den Antriebsrädern.
- Funktionsweise: Verbrennungsmotor erzeugt Strom für Elektromotor oder Batterie.
- Beispiel: VW ID. Era 9X in China nutzt einen 1,5-Liter-Vierzylinder mit 105 kW Leistung als Reichweitenverlängerer.
VW ID. Era 9X: Ein Beispiel aus China
Der Volkswagen ID. Era 9X, ein 5,21 Meter langes SUV aus dem Joint Venture SAIC-VW, wird auf dem chinesischen Markt angeboten. Dieses Fahrzeug ist standardmäßig mit einem Range Extender ausgestattet. Es verfügt über eine Traktionsbatterie von 51 oder 65 kWh und einen 220 kW starken Elektromotor an der Hinterachse.
Der zusätzlich verbaute 1,5-Liter-Vierzylinder-Verbrennungsmotor liefert 105 kW Leistung. Er springt ein, wenn die Energie der Hauptbatterie zur Neige geht. Dies soll Fahrern die Sorge vor einer leeren Batterie auf langen Strecken nehmen.
„Die Angst, mit dem Elektroauto nicht weit genug zu kommen und irgendwo lange Laden zu müssen, könnte mit dem Reichweitenverlängerer gelöst sein.“
Die Rolle in der europäischen Politik
Die Diskussion um Reichweitenverlängerer ist nicht nur auf Asien beschränkt. Ein Entwurf der Europäischen Kommission deutet darauf hin, dass Fahrzeuge mit „Plug-in-Hybridantrieb (PHEV), Reichweitenverlängerer, Mildhybride und Verbrennungsmotoren über 2035 hinaus in Ergänzung zu Elektroautos eine Rolle spielen sollten.“ Dies zeigt, dass die Technologie auch in Europa als Übergangslösung oder Ergänzung betrachtet wird.
Hintergrund: Die CO₂-Debatte
Die Wiederbelebung der Range Extender hat auch wirtschaftliche Gründe. Die Autoindustrie kann so weiterhin Verbrennungsmotoren verkaufen, deren Entwicklungskosten bereits abgeschrieben sind. Zudem ermöglichen Plug-in-Hybride auf dem Papier niedrigere CO₂-Emissionen, was Herstellern hilft, Flottenziele zu erreichen.
Vorteile des seriellen Hybridantriebs
Der serielle Hybridantrieb, wie er beim Range Extender zum Einsatz kommt, bietet einige formale Vorteile. Da es keine mechanische Verbindung zwischen Verbrennungsmotor und Rädern gibt, sind weniger mechanische Teile nötig. Dies kann den benötigten Bauraum reduzieren und potenziell die Produktionskosten senken.
Ein weiterer Vorteil ist, dass der Verbrennungsmotor im optimalen Betriebspunkt arbeiten kann. Er muss nicht auf wechselnde Lastanforderungen des Fahrzeugs reagieren, sondern kann konstant Strom erzeugen, was theoretisch die Effizienz steigert.
- Weniger mechanische Komponenten
- Geringerer Bauraum
- Potenziell niedrigere Kosten
- Verbrennungsmotor im optimalen Effizienzbereich
Nachteile und Herausforderungen
Trotz der scheinbaren Vorteile sind Range Extender nicht ohne Nachteile. Der größte Kritikpunkt ist der doppelte Aufwand: Zwei Antriebssysteme bedeuten mehr Bauteile, höhere Komplexität und einen erhöhten Wartungs- und Reparaturaufwand. Dies kann die Betriebskosten für den Endkunden in die Höhe treiben.
Die Effizienz des Gesamtsystems ist in vielen Betriebszuständen fragwürdig. Der Verbrennungsmotor muss zunächst mechanische Energie in elektrische umwandeln, die dann wiederum den Elektromotor antreibt oder in der Batterie gespeichert wird. Jeder Umwandlungsschritt führt zu Energieverlusten.
Der prinzipbedingte höhere Verbrauch und die damit verbundenen CO₂-Emissionen sind ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Während die Kostendegression bei Batteriezellen weiter voranschreitet, wird der Zusatzaufwand für einen Verbrennungsmotor mit Kraftstoffbehälter, Abgasanlage und Reinigung zunehmend weniger attraktiv im Vergleich zu größeren Batterien.
Herausforderungen des Range Extenders
- Doppelter Wartungs- und Reparaturaufwand
- Ineffizienz durch mehrfache Energieumwandlung
- Höherer Kraftstoffverbrauch und CO₂-Emissionen im Vergleich zu reinen E-Autos
- Zusätzliches Gewicht und Bauraum trotz theoretischer Vorteile
Psychologischer Faktor und Zukunftsaussichten
Ein wesentlicher Faktor für die Beliebtheit von Range Extendern könnte psychologischer Natur sein. Die sogenannte Reichweitenangst, die viele potenzielle Käufer von reinen Elektroautos abschreckt, wird durch die Gewissheit eines Verbrennungsmotors als Notfalllösung gemindert. Dies ermöglicht einen sanfteren Übergang zur Elektromobilität.
Die Autoindustrie nutzt diese psychologische Komponente, um weiterhin Verbrennungsmotoren zu verkaufen. Ob Range Extender jedoch eine langfristige Lösung darstellen, bleibt fraglich. Die stetige Verbesserung der Batterietechnologie und der Ladeinfrastruktur könnte ihre Notwendigkeit in Zukunft weiter reduzieren.
Der Markt für Range Extender könnte sich auf bestimmte Nischen konzentrieren, etwa in Regionen mit weniger entwickelter Ladeinfrastruktur oder für spezielle Anwendungsfälle, die eine hohe Flexibilität erfordern. In der Gesamtbetrachtung sind sie aber eher eine Übergangslösung als ein Ziel.





