Kia hat auf der IAA Transportation in Hannover den PV7 vorgestellt, ein neues batterieelektrisches Nutzfahrzeug. Dieses Modell, das als Kastenwagen und Bus erhältlich sein wird, erweitert die sogenannte PBV-Reihe (Platform Beyond Vehicle) des koreanischen Herstellers und zielt darauf ab, eine starke Alternative zu bestehenden Elektrotransportern wie dem VW E-Crafter oder Ford E-Transit zu bieten.
Wichtige Fakten zum Kia PV7
- Reichweite: Über 460 km (WLTP) mit größtem Akku.
- Ladeleistung: Bis zu 350 kW Gleichstrom, 10 auf 80 Prozent in ca. 25 Minuten.
- Laderaum: Bis zu 8 Kubikmeter (Cargo High Roof).
- Modularität: Baut auf E-GMP.S-Plattform auf, flexible Aufbauten möglich.
- Varianten: Kastenwagen mit 2-3 Sitzen, Bus mit 5, 7 oder 9 Sitzen.
Ein neues Kapitel für elektrische Nutzfahrzeuge
Der Kia PV7 ist nach dem kleineren PV5 das zweite Modell der PBV-Reihe. Kia positioniert ihn als vielseitiges Fahrzeug für eine breite Palette gewerblicher Anwendungen. Die Präsentation auf der IAA Transportation unterstreicht die Bedeutung, die Kia dem Segment der elektrischen Nutzfahrzeuge beimisst.
Die Entwicklung des PV7 basiert auf der E-GMP.S-Plattform, einer speziellen Anpassung der bekannten E-GMP-Architektur, die bereits in Pkw-Modellen wie dem Hyundai Ioniq 5 und Kia EV6 zum Einsatz kommt. Diese modulare Bauweise ermöglicht eine hohe Flexibilität bei den Aufbauten und Konfigurationen.
Faktencheck: Modulare Architektur
Die E-GMP.S-Plattform des Kia PV7 ist für Nutzfahrzeuge optimiert. Sie bietet definierte Schnittstellen für Spezialumbauten, was den Umbau zu Kühlfahrzeugen, mobilen Werkstätten oder Rettungswagen erleichtert. Kia spricht von einem „Flexible Body System“ und „Conversion Readiness“.
Abmessungen und Ladekapazität
Der PV7 übertrifft den PV5 in allen Dimensionen erheblich. Die Langversion des PV7 Cargo misst 5,35 Meter in der Länge und hat einen Radstand von 3,5 Metern. Das sind etwa 65 Zentimeter mehr Länge und 50 Zentimeter mehr Radstand als beim PV5 Cargo Long.
In der Breite ohne Außenspiegel und in der Höhe erreicht der Kia PV7 jeweils 2 Meter. Diese großzügigen Abmessungen sind entscheidend für die Transportkapazität, die im gewerblichen Bereich benötigt wird.
Laderaumvarianten und Nutzlast
Der PV7 Cargo ist in zwei- oder dreisitzigen Ausführungen erhältlich. Die Variante „Cargo Long“ bietet bis zu 6,1 Kubikmeter Laderaum (nach VDA-Norm). Für noch mehr Platz gibt es die „Cargo High Roof“-Variante mit bis zu 8 Kubikmetern, die ausreichend Fläche für drei Europaletten bietet.
Die maximale Nutzlast beträgt 1165 kg für die Langversion und 1200 kg für die Kompaktvariante. Eine Besonderheit ist eine Klappe auf Ladebodenniveau, die es ermöglicht, besonders lange Gegenstände unter Nutzung des Fußraums zu verstauen.
Ergonomie und Fahrsicherheit
Die Ladefläche des PV7 liegt auf einer Höhe von nur 55 Zentimetern. Dies erleichtert das Be- und Entladen und reduziert die körperliche Belastung. Eine niedrige Ladekante verbessert zudem die Aerodynamik und damit die Reichweite von Elektrofahrzeugen. Ein niedriger Lastschwerpunkt trägt zudem zur Fahrsicherheit bei.
Kunden können bei den Hecktüren zwischen einer zweiflügeligen Schwingtür und einer nach oben öffnenden Heckklappe wählen, je nach den spezifischen Anforderungen ihres Einsatzgebietes.
Leistung und Ladeinfrastruktur
Der elektrische Antriebsstrang des Kia PV7 liefert je nach Konfiguration bis zu 200 kW Leistung und ein Drehmoment von 420 Nm an die Vorderräder. Eine Allradvariante ist bereits in Planung. Kia setzt auf NCM-Akkus (Nickel-Kobalt-Mangan) mit Kapazitäten von 71,5 kWh und 96,2 kWh.
Das größere Akkupaket ermöglicht eine WLTP-Reichweite von über 460 Kilometern. Das ist ein wichtiger Wert für Unternehmen, die längere Strecken zurücklegen müssen.
Schnellladefähigkeit
An Schnellladesäulen kann der PV7 bis zu 350 kW Gleichstrom aufnehmen. Dies ermöglicht eine Ladung von 10 auf 80 Prozent in etwa 25 Minuten. Diese hohe Ladeleistung wird durch eine 800-Volt-Architektur realisiert, die Kia bereits in einigen Pkw-Modellen der Hyundai Motor Group einsetzt.
Die schnelle Ladefähigkeit und die hohe Reichweite machen den PV7 deutlich vielseitiger als den PV5, der mit kleineren Akkus und maximal 150 kW Ladeleistung eher für den Stadt- und Regionalverkehr konzipiert ist.
Vielseitige Einsatzmöglichkeiten und Technologien
Wie andere E-GMP-basierte Pkw-Modelle verfügt auch der Kia PV7 über Vehicle-to-Load (V2L). Diese Funktion erlaubt es, externe Geräte mit 230 Volt direkt aus dem Fahrzeugakku zu versorgen. Für Handwerker, Rettungsdienste und Logistikunternehmen stellt dies einen erheblichen Vorteil dar, da sie ihre Werkzeuge oder Ausrüstung unterwegs betreiben können.
Neben der Frachtvariante wird der PV7 auch als Personentransporter mit 5, 7 oder 9 Sitzplätzen angeboten. Die Siebensitzer-Version verfügt über ein „Long Rail Easy Remove Seat System“. Hier lassen sich die hinteren Sitze entlang eines Schienensystems verschieben oder komplett entnehmen. Dies ermöglicht einen schnellen Wechsel zwischen Shuttle-, Kombi- und Frachteinsatz.
Assistenzsysteme für mehr Sicherheit
Kia stattet den PV7 mit einer Reihe moderner Assistenzsysteme aus. Dazu gehören:
- Frontkollisionswarner
- Spurhalteassistent
- Adaptiver Tempomat mit Navigationsdatennutzung
- Autobahnassistent 2.0
- Einparkhilfe für Front, Seite und Heck
- Ferngesteuerter Parkassistent
- Rückfahr-, Rundumsicht- und Dashboardkamera
Diese Systeme tragen dazu bei, die Sicherheit im Arbeitsalltag zu erhöhen und den Fahrer zu entlasten.
Zielgruppen und digitale Lösungen
Kia zielt mit dem PV7 auf ein breites Spektrum gewerblicher Nutzer ab. Dazu gehören Kurier- und Expressdienste, Handwerksbetriebe, kommunale Flotten und Shuttle-Betreiber. Die niedrige Ladekante, die modularen Aufbaumöglichkeiten und die verschiedenen Hecktürvarianten sind auf Branchen wie Installation, Bau-Service und mobile Werkstätten zugeschnitten.
Der Hersteller möchte mit dem PV7 „die sich wandelnden Bedürfnisse von Geschäftskunden über ein breiteres Spektrum kommerzieller und Lifestyle-Anwendungsfälle“ bedienen.
Kia Business Solutions Portal
Für gewerbliche Kunden bietet Kia das „Kia Business Solutions Portal“ an. Hierbei handelt es sich um eine Software für Flottenmanagement, Ladeinfrastruktur, Wartung und den täglichen Betrieb. Ein standardisiertes Flottenmanagementsystem (FMS) sowie kundenorientierte Schnittstellen (APIs) für vernetzte Fahrzeugdaten sollen die Transparenz der Flotte erhöhen und den Betrieb effizienter gestalten.
Zusätzlich sind Uptime-Dienste geplant, die die Fahrzeugverfügbarkeit durch Echtzeitüberwachung, vorausschauende Diagnose und proaktives Wartungsmanagement unterstützen sollen. Dies ist besonders wichtig für Unternehmen, bei denen die kontinuierliche Verfügbarkeit der Fahrzeuge entscheidend ist.
Vielfalt und Zukunftsaussichten
Kia hat bereits 23 Varianten des PV7 angekündigt, um unterschiedlichsten Kundenbedürfnissen und Einsatzszenarien gerecht zu werden. Dazu gehören die Karosserievarianten „Kompakt“, „Lang“ und „Hochdach“ für den Gütertransport sowie „Kompakt“ und „Lang“ für die Personenbeförderung. Auch eine Fahrgestell-Variante mit Fahrerhaus für Sonderaufbauten ist geplant.
Die Teaserbilder zeigen den PV7 mit einer kastenförmigen „One-Box“-Silhouette, einer schwarzen Motorhaube und kontrastierenden schwarzen Säulen, die das Kia-typische Lichtdesign ergänzen. Obwohl Preise und genaue Markteinführungstermine für Europa noch nicht bekannt gegeben wurden, demonstriert Kia auf der IAA Transportation die Skalierbarkeit seiner PBV-Strategie über mehrere Größensegmente hinweg, indem auch PV5-Derivate gezeigt werden.
Der Kia PV7 verspricht, ein wichtiger Akteur im wachsenden Markt der elektrischen Nutzfahrzeuge zu werden und Unternehmen eine flexible, effiziente und umweltfreundliche Transportlösung zu bieten.





