Die deutschen Autobauer BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen haben im vergangenen Jahr im Vergleich zur internationalen Konkurrenz deutlich schlechter abgeschnitten. Eine aktuelle Analyse zeigt erhebliche Rückgänge bei Umsatz und operativem Ergebnis, während die globale Branche insgesamt leichte Zuwächse verzeichnete.
Wichtige Erkenntnisse
- Deutsche Autobauer verzeichneten einen Umsatzrückgang von 4,1 Prozent.
- Das operative Ergebnis sank bei deutschen Herstellern um rund 44 Prozent.
- Die schwächere Nachfrage nach E-Autos beeinflusste die Strategien stark.
- Kosten am Standort Deutschland gelten als zu hoch.
Schwache Zahlen bei Umsatz und Gewinn
Im Jahr 2025 zeigten die Finanzkennzahlen der deutschen Automobilkonzerne ein besorgniserregendes Bild. Die 19 größten Automobilhersteller weltweit steigerten ihre Umsätze im Durchschnitt um 0,6 Prozent. Deutsche Hersteller hingegen mussten einen Rückgang von 4,1 Prozent hinnehmen.
Ein Blick auf die internationalen Wettbewerber verdeutlicht die Situation: Japanische Hersteller konnten ihre Umsätze um drei Prozent steigern. US-Hersteller verzeichneten einen leichten Rückgang von 0,6 Prozent, schnitten aber immer noch besser ab als die deutschen Konzerne.
Faktencheck: Operativer Gewinn
- Deutsche Hersteller: -44 Prozent
- US-Hersteller: -40,4 Prozent
- Japanische Hersteller: -23,2 Prozent
- Chinesische Hersteller: -12,9 Prozent
Besonders drastisch war der Einbruch beim operativen Gewinn (Ebit). Hier verzeichneten die deutschen Hersteller zusammen ein Minus von rund 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch US-Konzerne litten, jedoch weniger stark mit einem Rückgang von 40,4 Prozent. Japanische und chinesische Hersteller zeigten sich robuster.
Gründe für die Krise der Automobilindustrie
Die Automobilindustrie befindet sich laut Experten in einer tiefgreifenden Krise. Viele Konzerne haben ihre Investitionen auf wachsende Absatzmärkte und einen schnellen Ausbau der Elektromobilität ausgerichtet. Diese Annahmen haben sich jedoch nicht bestätigt.
Die Nachfrage nach Elektroautos entwickelte sich insbesondere in den USA und Europa deutlich schwächer als prognostiziert. Dies führte zu einem Strategiewechsel bei vielen Herstellern. Dazu gehören unter anderem Milliarden-Abschreibungen auf Batterie-Joint-Ventures und neue Investitionen in Verbrennungsmotoren.
„Die Autoindustrie steckt in einer tiefen, für einige Unternehmen sogar potenziell existenzbedrohenden Krise“, sagte EY-Autoexperte Constantin Gall.
Hintergrund: Überzogene Erwartungen
Experten sehen die Milliarden-Abschreibungen nicht als Abkehr von der Elektromobilität, sondern als Korrektur von ursprünglich überzogenen Annahmen. Die Branche muss sich nun an realistischere Wachstumsprognosen anpassen.
Zusätzliche Belastungen entstehen durch die US-Zollpolitik, die den internationalen Handel erschwert. Das sogenannte bilanzielle „Reinemachen“ soll jedoch helfen, zukünftig wieder bessere Margen zu erzielen. Dies könnte im Geschäftsjahr 2026 abgeschlossen sein.
Der Standort Deutschland unter Druck
Ein zentrales Problem für die deutschen Hersteller sind die hohen Kosten am Standort Deutschland. Dies betrifft nicht nur die Produktion, sondern auch Forschung und Entwicklung. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, sind weitere einschneidende Maßnahmen notwendig.
Kostensenkungsprogramme sind bereits in Arbeit, ihre volle Wirkung wird sich jedoch erst mit Verzögerung in den Ergebnissen niederschlagen. Die Forderung nach wettbewerbsfähigeren Rahmenbedingungen für die Industrie in Deutschland wird lauter.
Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsaussichten
Laut Constantin Gall sind die Kosten in Deutschland „immer noch viel zu hoch“. Er betont die Dringlichkeit, dass Deutschland wieder attraktive Bedingungen für die Industrie schafft. Andernfalls sieht er keine Chance für den Automobilstandort Deutschland.
Die Branche steht vor großen Herausforderungen. Neben der schwachen E-Auto-Nachfrage und hohen Kosten müssen sich die Hersteller auch mit der zunehmenden Konkurrenz aus China auseinandersetzen, das die EU bei Autoexporten bereits überholt hat.
Die Anpassung an die neuen Marktgegebenheiten erfordert Flexibilität und Mut zu strukturellen Veränderungen. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie die deutschen Autobauer diese Krise meistern und ihre Position im globalen Wettbewerb behaupten können.





