BMW hat die 7er-Reihe umfassend überarbeitet. Die Luxuslimousine zeigt sich mit einem aktualisierten Design und einem vollständig neu gestalteten Innenraum. Überraschend bleibt der elektrische i7 bei einem 400-Volt-System, verspricht aber dennoch höhere Ladeleistungen.
Wichtige Neuerungen
- Dezente äußere Designanpassungen mit polarisierendem Charakter.
- Radikal neuer Innenraum, der sich an der „Neuen Klasse“ orientiert.
- Beifahrer erhält erstmals ein eigenes Display.
- i7 behält 400-Volt-Architektur bei, Ladeleistung steigt auf bis zu 250 kW.
- Assistenzsysteme werden auf SAE-Level 2++ zurückgestuft.
Äußeres Design: Mut zur Kontroverse
Die aktuelle Generation des BMW 7er fiel bereits bei ihrer Einführung durch ein mutiges Design auf. Mit der Modellpflege geht BMW diesen Weg weiter, anstatt die Optik zu entschärfen. Die Frontpartie wurde leicht geglättet, die Scheinwerfer dezent zur Seite verschoben. Am Heck fallen die deutlich vergrößerten Rückleuchten ins Auge.
BMW selbst spricht von einer ausdrucksvollen Präsenz und einem hohen Wiedererkennungswert. Diese Einschätzung ist zutreffend, doch die Meinungen über die optische Ästhetik dürften weiterhin auseinandergehen. Von der früheren, zierlicheren Eleganz der 7er-Reihe ist wenig übrig geblieben; das Fahrzeug bleibt wuchtig.
„BMW bleibt seiner Linie treu und setzt auf ein Design, das polarisiert. Das ist mutig in einem Segment, das oft auf konservative Eleganz setzt.“
Design-Fakten
- Front leicht geglättet.
- Scheinwerferposition angepasst.
- Rückleuchten deutlich vergrößert.
- Fahrzeug behält seine wuchtige Erscheinung.
Innenraum: Eine radikale Neugestaltung
Während die äußeren Änderungen eher dezent ausfallen, hat BMW den Innenraum des 7er radikal umgestaltet. Das neue Layout orientiert sich stark an den kommenden Modellen der „Neuen Klasse“, wie dem iX3 und i3. Dies bedeutet eine Abkehr vom bisherigen Designkonzept.
Auffällig sind die Lenkradspeichen, die nun nach oben und unten statt seitlich verlaufen. Das zentrale Display präsentiert sich in Parallelogramm-Form. Anstelle eines klassischen Kombiinstruments gibt es eine schmale, konfigurierbare Leiste unter der Frontscheibe. Diese Änderungen sind umfassend und werden ebenfalls für Diskussionen sorgen.
Mit der Neugestaltung zieht auch die neueste Generation des Betriebssystems ein, die eine Vielzahl neuer Funktionen ermöglicht. Erstmals erhält der Beifahrer ein eigenes Display. BMW verspricht zudem eine Steigerung des Akustikkomforts. Dazu könnten auch die weiterentwickelten Automatiktüren mit Soft-Close-Mechanismus beitragen, die nun ein feineres Schließgeräusch bieten sollen.
Blick in die Zukunft
Das neue Interieur-Design des 7er gibt einen Vorgeschmack auf die Gestaltung zukünftiger BMW-Modelle der „Neuen Klasse“. Diese Strategie zeigt, wie BMW seine Designsprache über verschiedene Fahrzeugsegmente hinweg vereinheitlicht.
Elektroantrieb i7: 400 Volt bleiben Standard
Eine der überraschendsten Entscheidungen betrifft den vollelektrischen i7. Entgegen dem Trend vieler Konkurrenten, auf eine 800-Volt-Architektur umzusteigen, bleibt BMW bei einem 400-Volt-System. Trotzdem soll die Ladeleistung auf bis zu 250 kW steigen. Dies ist eine bemerkenswerte technische Leistung, die jedoch in der Praxis nicht immer voll ausgeschöpft werden kann.
Die meisten DC-Ladesäulen in Deutschland liefern maximal 500 Ampere. Mit einem 400-Volt-System ergibt sich hieraus eine maximale Ladeleistung von 200 kW. Um die vollen 250 kW zu erreichen, müsste die Ladesäule mindestens 625 Ampere liefern können. BMW nennt sogar 630 Ampere als Voraussetzung.
Batterie und Reichweite
Alle drei i7-Versionen nutzen dieselbe Batterie mit einem nutzbaren Energiegehalt von 112,5 kWh. Unter idealen Bedingungen und mit der passenden Ladeinfrastruktur lässt sich die Batterie in 28 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden. Dies entspricht einer durchschnittlichen Netto-Ladeleistung von knapp 169 kW in diesem Bereich. Im Vergleich dazu können die Modelle der „Neuen Klasse“ an der Spitze bis zu 400 kW erreichen.
Die Reichweite im kombinierten WLTP-Zyklus wird für den i7 50 und i7 60 mit fast 730 km angegeben. Das Topmodell M70 soll maximal 686 km weit kommen. Serienmäßig kann der i7 mit 11 kW Wechselstrom laden, optional sind 22 kW verfügbar.
i7 Ladedaten
- Batteriekapazität: 112,5 kWh (netto).
- Ladezeit 10-80%: 28 Minuten (unter Idealbedingungen).
- Maximale DC-Ladeleistung: 250 kW (erfordert 630A Ladesäule).
- WLTP-Reichweite: Bis zu 730 km.
Assistenzsysteme: Ein Schritt zurück
Im Bereich der Fahrassistenzsysteme geht BMW, ähnlich wie Mercedes zuvor beim EQS, einen Schritt zurück. Bislang wurde hochautomatisiertes Fahren gemäß SAE-Level 3 bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h angeboten. Dieses Feature war mit einem Aufpreis von 6.000 Euro verbunden und setzte weitere Extras voraus.
Offenbar war dieses Angebot für die Mehrheit der Kunden, selbst im finanziell unempfindlichen Luxussegment, nicht attraktiv genug. Daher rüsten die Bayern auf das zurück, was auch im 5er verfügbar ist: Level 2++. Dieses System belässt die Verantwortung stets beim Fahrer, ist aber bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h nutzbar und wird über eine Blickrichtungserkennung des Fahrers gesteuert. Der Vorteil liegt in den deutlich geringeren Kosten.
Antriebsvielfalt: Auch Hybrid und Verbrenner
Neben den vollelektrischen i7-Modellen bietet die überarbeitete 7er-Reihe weiterhin eine breite Palette an Antrieben. Dazu gehören zwei Plug-in-Hybride sowie jeweils ein Benziner und ein Diesel.
Die Plug-in-Hybride sind ausschließlich an Wechselstrom aufladbar, dort jedoch dreiphasig mit 11 kW. Ihre Batterie fasst netto 18,7 kWh, was im WLTP-Zyklus für eine elektrische Reichweite von bis zu 80 km genügen soll. Realistisch könnten entspannte Fahrer im Jahresmittel etwa 60 km rein elektrisch zurücklegen.
Marktstart
Der Marktstart der überarbeiteten 7er-Reihe ist für den Sommer geplant. Interessenten für die Plug-in-Hybride oder den Diesel müssen sich jedoch bis November gedulden.
Fazit: Evolution statt Revolution, aber mit starken Akzenten
BMW hat mit der Modellpflege des 7er eine konsequente Weiterentwicklung vorgenommen. Das Äußere bleibt polarisierend, während der Innenraum eine komplette Neuausrichtung erfährt. Die Entscheidung, beim i7 am 400-Volt-System festzuhalten und dennoch die Ladeleistung zu steigern, ist technisch interessant, aber in der Praxis von der Ladeinfrastruktur abhängig.
Die Rückstufung bei den Assistenzsystemen zeigt, dass BMW auf eine breitere Akzeptanz und Kosteneffizienz setzt. Insgesamt bietet der neue 7er eine Mischung aus Tradition und zukunftsweisenden Elementen, die das Fahrzeug im Luxussegment weiterhin relevant halten soll.





