Der Wechsel vom Verbrenner zum Elektroauto bei privaten Käufern kommt in Deutschland nur langsam in Schwung. Aktuelle Daten zeigen zwar einen leichten Anstieg der Umstiegsquote, doch ein großer Trend bleibt aus. Viele private Käufer setzen weiterhin auf Gebrauchtwagen statt auf Neuwagen.
Wichtige Erkenntnisse
- Nur 6,2 Prozent der privaten Fahrzeugwechsel führten im Sommer 2025 zum reinen Elektroauto.
- Die Wechselquote hat sich gegenüber Anfang 2024 mehr als verdoppelt.
- Gebrauchte Elektroautos sind bei privaten Umsteigern immer beliebter und machen über die Hälfte der Käufe aus.
- Der Skoda Elroq ist der gefragteste Neuwagen, während Tesla an Beliebtheit verliert.
- Regionale Unterschiede beim Umstieg sind weiterhin deutlich sichtbar.
Private Autokäufer zögern beim E-Auto
Die Transformation hin zur Elektromobilität ist ein zentrales Thema. Doch eine aktuelle Untersuchung eines großen deutschen Kfz-Versicherers zeigt, dass private Autokäufer den Wechsel vom Verbrennungsmotor zum reinen Elektroauto eher zögerlich angehen. Im Sommer 2025 entschieden sich lediglich 6,2 Prozent aller privaten Fahrzeugwechsel für ein Elektrofahrzeug.
Dieser Wert markiert zwar den höchsten Stand seit zwei Jahren und bedeutet eine Verdopplung gegenüber dem Tiefpunkt Anfang 2024. Damals brach der Markt nach dem plötzlichen Ende der staatlichen Kaufprämien ein. Trotz dieser Verbesserung ist von einer umfassenden Antriebswende im Privatsektor noch keine Rede.
Faktencheck
Die Analyse basiert auf internen Daten eines der größten deutschen Kfz-Versicherer. Sie gilt als repräsentativ für private Zulassungen, die aber nur etwa ein Drittel des Neuwagenmarktes ausmachen. Zwei Drittel der Erstzulassungen, hauptsächlich gewerbliche, bleiben hier unberücksichtigt.
Marktentwicklung und Hersteller-Trends
Nicht alle Automobilhersteller profitieren gleichermaßen vom zaghaften Aufschwung. Einige Marken verlieren an Attraktivität, während andere neue Marktanteile gewinnen. Die Präferenzen der Käufer zeigen deutliche Verschiebungen.
Gefragte Neuwagenmodelle
Beim Kauf eines neuen Elektroautos steht der Skoda Elroq an der Spitze der Beliebtheitsskala. Mit einem Anteil von 9,6 Prozent der privaten E-Auto-Käufe, die seit Januar 2025 auf dem Markt sind, führt er die Rangliste an. Ihm folgen der Cupra Born mit 6,5 Prozent und der BMW iX1 mit 5,6 Prozent. Der VW ID.3 belegt mit 5,5 Prozent den vierten Platz.
- Skoda Elroq: 9,6 %
- Cupra Born: 6,5 %
- BMW iX1: 5,6 %
- VW ID.3: 5,5 %
- Skoda Enyaq: 4,2 %
Tesla verliert an Boden
Ein bemerkenswerter Trend ist der Absturz von Tesla in der Gunst der Kunden. Das Model Y, das 2024 noch eine Spitzenposition mit einem E-Umsteiger-Anteil von 13,5 Prozent innehatte, fällt 2025 auf den achten Platz zurück. Sein Anteil liegt nun bei mageren 3,6 Prozent, was nur etwa einem Viertel des früheren Wertes entspricht.
"Die Tesla-Modelle sind etwas in die Jahre gekommen. Andererseits haben die anderen Automarken zugelegt", so die Analyse. Auch die politischen Aktivitäten des Tesla-Chefs Elon Musk könnten eine Rolle spielen.
Interessanterweise schaffen es chinesische Automarken derzeit nicht, sich unter den 15 gefragtesten Elektroautos zu platzieren. Dies deutet auf eine weiterhin starke Präferenz für etablierte europäische und koreanische Hersteller hin.
Gebrauchte Elektroautos gewinnen an Bedeutung
Ein entscheidender Faktor für den Umstieg auf Elektromobilität ist der Markt für Gebrauchtwagen. Hier zeigt sich ein deutlich anderes Bild als bei den Neuwagen.
Hintergrundinformation
Mehr als die Hälfte der privaten Kunden, die in diesem Jahr auf ein Elektroauto umgestiegen sind, haben sich für einen Gebrauchtwagen entschieden. Im Jahr 2020 lag dieser Anteil noch bei gut zehn Prozent. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung des Gebrauchtwagenmarktes für die Verbreitung der Elektromobilität.
Bei gebrauchten Elektroautos dominiert der VW ID.3 mit 5,9 Prozent der Käufe. Auch der Opel Corsa-e (5,1 Prozent) und der Mercedes EQA (4,9 Prozent) sind auf den Plätzen zwei und drei stark vertreten. Deutsche Modelle sind hier besonders gefragt.
Ehemalige Bestseller wie der Smart Fortwo, Hyundai Kona oder Renault Zoe haben hingegen an Beliebtheit eingebüßt. Der frühere Spitzenreiter BMW i3 findet sich 2025 nur noch auf Rang 17 wieder, sein Anteil sank von 6,1 auf 1,9 Prozent.
Potenzielle neue Förderungen und regionale Unterschiede
Die Bundesregierung plant neue Fördermaßnahmen, die 2026 starten sollen, um den Umstieg auf Elektromobilität weiter anzukurbeln. Auch der Kauf von gebrauchten Elektroautos könnte bezuschusst werden.
"Social Leasing" als Modell
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) spricht sich für ein „Social Leasing“ aus. Dieses Modell, angelehnt an das französische Vorbild, soll einkommensschwachen Haushalten den Einstieg ins Elektroauto erleichtern. In Frankreich übernimmt der Staat etwa 27 Prozent des Fahrzeugpreises, bei Monatsraten von maximal 200 Euro.
Neben der geplanten Kfz-Steuerbefreiung bis 2035 werden auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur und weitere Kaufanreize diskutiert. Diese Maßnahmen könnten entscheidend sein, um die Wechselquote in Zukunft signifikant zu erhöhen.
Regionale Unterschiede bleiben bestehen
Die Bereitschaft zum Umstieg auf Elektroautos variiert weiterhin stark je nach Region. Im dritten Quartal 2025 tauschten die meisten Kunden in Bayern und Niedersachsen ihren Verbrenner gegen ein Elektroauto. Entsprechend sind dort auch die Bestandsquoten am höchsten.
Im Versicherungsbestand liegt der Anteil reiner Elektroautos in Bayern bei rund 3,9 Prozent und in Niedersachsen bei 3,8 Prozent. Im Gegensatz dazu bilden Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Schlusslichter. Dort sind die Umstiegsquoten und Bestandsanteile nur etwa halb so hoch wie in den Spitzenreitern. Dies weist auf weiterhin bestehende infrastrukturelle oder wirtschaftliche Unterschiede hin, die den Fortschritt der Elektromobilität beeinflussen.





