Die Art und Weise, wie sich Menschen in Deutschland fortbewegen, verändert sich spürbar. Eine aktuelle Mobilitätsstudie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums offenbart, dass Bürgerinnen und Bürger immer häufiger zu Fuß gehen und das Fahrrad nutzen. Gleichzeitig steht das Auto öfter still, bleibt aber besonders in ländlichen Gebieten unverzichtbar. Diese Entwicklungen prägen die zukünftige Verkehrsplanung.
Wichtige Erkenntnisse
- Durchschnittlich 84 Minuten pro Tag sind Menschen in Deutschland unterwegs.
- Der Anteil des Fußverkehrs steigt deutlich von 22% (2017) auf 26% (2023).
- Der Fahrradanteil bleibt stabil bei 11%, mit einem wachsenden E-Bike-Anteil von 2%.
- Der Autoanteil sinkt um 4 Prozentpunkte auf 53% aller Wege.
- Fast die Hälfte der Autos wird an einem durchschnittlichen Tag nicht bewegt.
- Das Deutschlandticket hat den öffentlichen Nahverkehr belebt und ist auch im ländlichen Raum relevant.
Veränderungen im Mobilitätsverhalten der Deutschen
Jeder Deutsche verbringt im Durchschnitt 84 Minuten pro Tag unterwegs. Freitags sind wir am längsten unterwegs, sonntags am kürzesten. Im Sommer sind die Menschen aktiver als im Winter. Diese Daten stammen aus der umfassenden Studie „Mobilität in Deutschland 2023“ (MiD), die vom Bundesverkehrsministerium beauftragt wurde.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) bezeichnete die Studie als wichtige Grundlage für eine attraktive Mobilität der Zukunft. Die Bundesregierung möchte Mobilität in Stadt und Land den Bedürfnissen der Menschen anpassen. Dies erfordert ein tiefes Verständnis der aktuellen Trends.
Der Modalsplit: Autoanteil sinkt, Fußverkehr gewinnt
Der sogenannte „Modal Split“ gibt Aufschluss über die prozentualen Anteile der verschiedenen Verkehrsmittel am gesamten Verkehrsaufkommen. Obwohl Routinen das Verkehrsverhalten stark prägen, sind deutliche Veränderungen erkennbar. Das Auto bleibt das dominante Verkehrsmittel mit einem Anteil von 53 Prozent aller Wege, doch dieser Wert ist im Vergleich zur MiD-Studie 2017 um vier Prozentpunkte gesunken.
Gleichzeitig erlebt der Fußverkehr einen deutlichen Aufschwung. Sein Anteil an ausschließlich zu Fuß zurückgelegten Wegen stieg von 22 Prozent im Jahr 2017 auf beeindruckende 26 Prozent sechs Jahre später. Auch der öffentliche Verkehr verzeichnet einen leichten Anstieg auf 11 Prozent. Der Fahrradanteil bleibt stabil bei 11 Prozent, wobei E-Bikes inzwischen gut 2 Prozentpunkte davon ausmachen.
Faktencheck Mobilität
- 73% der gefahrenen Kilometer entfallen auf das Auto.
- 26 km beträgt die durchschnittliche tägliche Fahrleistung eines Autos.
- 42 Minuten ist ein Auto im Durchschnitt pro Tag in Bewegung.
- 21 Stunden verbringt ein Auto durchschnittlich parkend zu Hause.
Das Auto im Wandel: Weniger Bewegung, mehr Parkzeit
Die Studie zeigt auch interessante Entwicklungen bei der Autonutzung. Der Anteil der Haushalte ohne Auto ist auf knapp unter ein Fünftel gesunken. Gleichzeitig besitzen fast 30 Prozent der Haushalte nun mehrere Autos. Besonders in Großstädten leben deutlich mehr Haushalte ohne eigenes Fahrzeug als in ländlichen Regionen.
Auffällig ist, dass fast die Hälfte der Autos an einem durchschnittlichen Tag nicht bewegt wird. Im Jahr 2008 stand lediglich ein Drittel der Autos still. Die durchschnittliche Fahrleistung ist auf etwa 26 Kilometer pro Tag gesunken, und die durchschnittliche Fahrzeit pro Fahrzeug pro Tag beträgt nur noch 42 Minuten. Die Parkzeiten zu Hause nahmen auf etwa 21 Stunden zu. Ein Grund für diese Entwicklung könnte der Trend zum Homeoffice sein, der den klassischen Berufsverkehr reduziert.
Hintergrund: Die MiD-Studie
Die Studie „Mobilität in Deutschland“ (MiD) ist eine der größten Mobilitätserhebungen in Deutschland. Sie basiert auf einer bundesweiten Befragung von Haushalten in über 1.000 Städten und Gemeinden. Zwischen Mai 2023 und Juni 2024 wurden über 218.000 Haushalte und rund 421.000 Personen zu ihrem alltäglichen Verkehrsverhalten befragt. Die Erhebung wurde bereits in den Jahren 2002, 2008 und 2017 durchgeführt.
Elektromobilität gleicht sich an
Bei der Nutzung von Elektroautos gibt es seit 2017 eine deutliche Angleichung an Verbrennerfahrzeuge. Während E-Autos früher überwiegend für kurze Strecken genutzt wurden – ein Hinweis auf Reichweitenbedenken – hat sich dies geändert. Der Anteil für längere Strecken ab 30 Kilometern liegt inzwischen annähernd gleichauf mit Verbrennern. Dennoch sind nur etwa ein gutes Viertel der Elektroautos das einzige Auto eines Haushalts. Dies deutet darauf hin, dass Elektromobilität vor allem ein Phänomen von Haushalten mit mehreren Autos ist.
Elektromobilität spielt eine Schlüsselrolle für mehr Klimaschutz im Verkehr. Die weitere Entwicklung wird entscheidend sein, um die Klimaziele zu erreichen.
Deutschlandticket belebt den ÖPNV
Der öffentliche Nah- und Regionalverkehr hat sich dank des Deutschlandtickets von den Einbrüchen während der Corona-Pandemie erholt. Das im Mai 2023 eingeführte bundesweit gültige Ticket hat das Tarifangebot vereinfacht und ist mit derzeit 58 Euro pro Monat günstiger als vergleichbare Abos zuvor. Im Erhebungszeitraum der Studie (Mai 2023 bis Juni 2024) besaßen 16 Prozent der Befragten ein Deutschlandticket.
„Das Deutschlandticket ist auch im ländlichen Raum nicht der oft erwartete Ladenhüter“, betonen die Studienautoren. Immerhin ein knappes Zehntel der Bevölkerung entscheidet sich auch dort für dieses Angebot.
Das Ticket wird nicht nur für den Arbeitsweg genutzt; fast ein Drittel der Fahrten sind Freizeitwege. Dennoch gibt es weiterhin große Hindernisse bei der ÖPNV-Nutzung. Für mehr als die Hälfte der Bevölkerung sind keine oder schlechte Verbindungen ein Hinderungsgrund, insbesondere in ländlichen Gebieten.
Zukunft des Deutschlandtickets gesichert
Das Deutschlandticket ist finanziell bis 2030 abgesichert. Bundestag und Bundesrat haben einer Gesetzesänderung zugestimmt. Der Bund stellt bis 2030 jährlich 1,5 Milliarden Euro zum Ausgleich von Einnahmeausfällen bei Verkehrsanbietern bereit. Die Länder beteiligen sich ebenfalls mit insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Ab Januar 2026 soll das Ticket 63 Euro pro Monat kosten, und ab 2027 wird der Preis durch einen noch festzulegenden Index ermittelt.
Der Siegeszug des Fußverkehrs
Eine der deutlichsten Entwicklungen der Alltagsmobilität in Deutschland seit 2017 ist die Zunahme des Fußverkehrs. Es gibt zwar wenige Arbeitswege, die zu Fuß zurückgelegt werden, aber viele Freizeitwege. Robert Follmer vom infas Institut, einem der Studienautoren, nennt einen „bunten Mix aus Gründen“ für diesen Trend.
Dazu gehören eine Zunahme der Hundehaltung und ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein, bei dem viele Menschen ihre Schritte zählen. Roland Stimpel vom Fußgängerverband FUSS bestätigt: „Die Menschen in Deutschland gehen immer mehr, weil es gesund, einfach, kostengünstig und umweltfreundlich ist. Aber viele Menschen brauchen mehr Sicherheit und bessere Wege. Das muss der Bund viel stärker fördern.“
- Gesundheit: Viele Menschen achten auf ihre körperliche Aktivität.
- Umweltfreundlichkeit: Der Fußweg ist die emissionsfreieste Form der Fortbewegung.
- Kostenersparnis: Gehen ist kostenlos.
- Einfachheit: Keine komplizierten Fahrpläne oder Parkplatzsuche.
Die Ergebnisse der Studie „Mobilität in Deutschland 2023“ bieten wertvolle Einblicke für Politik und Stadtplanung, um die Weichen für eine nachhaltige und attraktive Mobilität in den kommenden Jahren zu stellen.





