In den sozialen Medien und über Messenger-Dienste verbreiten sich immer häufiger vermeintlich lukrative Investment-Angebote. Kriminelle versprechen schnellen und sicheren Gewinn, oft schon mit geringen Anfangsinvestitionen. Doch diese Versprechen sind meist Betrug, der zum Totalverlust des eingesetzten Geldes führen kann.
Wichtige Punkte
- Betrüger nutzen Social Media und Messenger, um Vertrauen aufzubauen und Kontrollen zu umgehen.
- Angebote wie Social Trading oder Copy Trading sind extrem riskant und oft irreführend beworben.
- Ein Totalverlust des investierten Geldes ist jederzeit möglich.
- Angebote sollten bei Zweifel von Verbraucherzentralen geprüft werden.
- Bei Betrugsverdacht sofort die Polizei informieren.
Verlockende Versprechen in sozialen Netzwerken
Nachrichten über scheinbar einfache Wege zu Reichtum fluten soziale Medien. Zwischen Beiträgen von Freunden und Bekannten tauchen immer öfter Anzeigen auf, die ein sorgenfreies Leben durch Investitionen am Finanzmarkt versprechen. Die Masche ist einfach: Bilder von Luxus und Bargeld sollen den Eindruck von Wohlstand erwecken. Die Betrüger beschreiben, wie sie angeblich online und fast ohne Aufwand ihr Vermögen gemacht haben. Sie betonen, dass es wirklich einfach sei und jeder es ausprobieren könne, oft mit einer geringen Startinvestition von nur 250 Euro.
Diese Angebote sind jedoch fast immer zu gut, um wahr zu sein. Wer sich darauf einlässt, riskiert, sein gesamtes Geld zu verlieren. Aktuelle Warnungen betreffen beispielsweise den Kauf von Aktien des chinesischen Computerhardware-Herstellers Canaan Inc., von dem die Finanzaufsicht BaFin ausdrücklich abrät.
Faktencheck
Die BaFin warnt vor dem Kauf bestimmter Aktien, die in unseriösen Trading-Gruppen beworben werden. Solche Warnungen sollten immer ernst genommen werden.
Social Trading und Copy Trading: Hohes Risiko
Social Trading-Plattformen ermöglichen es privaten Anlegern, Handelsstrategien anderer Privatanleger zu verfolgen, zu diskutieren oder sogar automatisch nachzubilden. Letzteres nennt man Copy Trading. Die Werbung für diese Angebote verschleiert jedoch oft deren hoch spekulativen Charakter.
Beispielsweise wird mit einer Auswahl von über 8.000 Handelsideen geworben. Doch die schiere Menge sagt nichts über die Qualität oder Zuverlässigkeit aus. Die Trader, deren Strategien kopiert werden, unterliegen keiner Aufsicht. Sie müssen keine Diversifikationsregeln einhalten, wie sie etwa bei Investmentfonds üblich sind. Das Kopieren anderer Trader birgt ein erhebliches Risiko, da deren Zuverlässigkeit nicht geprüft wird und sie möglicherweise weder über die notwendigen Kenntnisse noch über ausreichende Erfahrung verfügen.
„83.7 % Durchschnittlicher Jahresgewinn unserer 50 meistkopierten Trader." Solche Werbeaussagen sind hochgradig irreführend und basieren auf einer selektiven Auswahl erfolgreicher Trader der Vergangenheit, was keine Garantie für zukünftige Erfolge bietet.
Die Anbieter verschweigen oft die tatsächlichen durchschnittlichen Renditen aller Follower oder Copy Trader. Solche vergangenheitsbezogenen Werbungen täuschen Verbraucher bewusst über die echten Erfolgsaussichten. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat wegen irreführender Praktiken bereits Klagen gegen Anbieter wie NAGA eingereicht.
Gefahren von Trading-Tipps und Copy Trading
Viele Trading-Tipps stammen von Betrügern. Aber auch legale Angebote im Social oder Copy Trading sind gefährlich. Handelsstrategien und Empfehlungen für Wertpapiere sind nach Ansicht der Verbraucherzentralen unseriös, da angebliche Trading-Signale oder „Top Trader“ die Kursentwicklung nicht zuverlässig vorhersagen können.
Neue Informationen verbreiten sich in Sekundenschnelle und führen sofort zu Kursveränderungen. Niemand kann im Voraus wissen, wie stark ein Aktienkurs auf eine Nachricht reagieren wird. Wenn eine Nachricht in einer WhatsApp-Gruppe ankommt, ist sie längst in die Börsenpreise eingeflossen.
Hintergrundwissen
Studien aus der Kapitalmarktforschung zeigen seit Jahrzehnten, dass Preisänderungen an den Börsen kurzfristig nicht prognostizierbar sind. Eine zuverlässige Trading-Strategie existiert daher nicht.
Trading-Strategien, die sich auf sogenannte Chartsignale stützen – etwa angebliche Trendkanäle oder Widerstands- und Unterstützungslinien – sind ebenfalls unzuverlässig. Diese Methoden sind nicht belegt; im Gegenteil, sie sind mit Kaffeesatzleserei vergleichbar. Professoren wie Dr. Martin Weber bestätigen in ihrem Ratgeber „Die genial einfache Vermögensstrategie“, dass die Performance von Privatanlegern und Finanzprofis der allgemeinen Marktentwicklung oft meilenweit hinterherhinkt. Niemand verfügt über dauerhafte Informationsvorteile.
Psychologische Tricks der Betrüger
Soziale Medien sind ein ideales Werkzeug für Betrüger, um erste Kontakte zu knüpfen. Sie nutzen Social Proof: Viele positive Kommentare, oft von Fake-Profilen, erwecken den Eindruck, dass die Methode funktioniert. Unerwünschte Kommentare werden einfach gelöscht, sodass nur positive Rückmeldungen sichtbar bleiben.
Personalisierte Werbung spielt ebenfalls eine Rolle. Betrüger können gezielt Menschen ansprechen, die wenig Erfahrung mit Geldanlagen haben, indem sie deren Interessen und Online-Verhalten nutzen. Wer einmal auf solche Werbung klickt, bekommt sie immer wieder angezeigt. Erfahrene Anleger wissen, dass Spekulationen am Finanzmarkt keine Garantien für schnelle Gewinne bieten.
Manchmal verlinken Betrüger auch Nachrichten oder Blogartikel, die ihren angeblichen Erfolg preisen. Diese Webseiten ahmen das Design seriöser Zeitungen nach und missbrauchen Bilder und Namen von Prominenten, um Seriosität vorzutäuschen. Solche Artikel behaupten oft, die Methode sei nur deswegen unbekannt, weil offizielle Institutionen die Verbreitung verhindern wollen – ein klares Zeichen für eine Verschwörungstheorie und damit für Betrug.
Falsche Privatsphäre in Messenger-Gruppen
Nach dem Erstkontakt versuchen Betrüger, die Kommunikation in private Messenger-Gruppen wie WhatsApp zu verlagern. Dort können sie uneingeschränkt werben, ohne rechtliche Prüfungen befürchten zu müssen. Sie posten Bilder von angeblichen Erfolgen und üben psychologischen Druck aus. Je mehr Mitglieder die Methode zu bestätigen scheinen, desto glaubwürdiger wirkt sie. Alle Nachrichten zielen darauf ab, die erste Investition zu tätigen. Es ist ratsam, in solchen Gruppen keine persönlichen Daten preiszugeben.
Fake-Portale und Anrufe von vermeintlichen Profi-Tradern
Für die erste Investition, oft 250 Euro, sollen sich Opfer auf einem bestimmten Investment-Portal registrieren. Diese Portale wirken professionell und authentisch. Schon nach kurzer Zeit zeigen sie angeblich leichte Gewinne. Doch meist sind diese Trading-Konten manipuliert; Kurse und Gewinne sind nur simuliert. Zahlreiche Beschwerden bei Verbraucherzentralen deuten darauf hin, dass viele dieser Portale reiner Betrug sind.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn zum Nutzen des Portals Software heruntergeladen werden soll. Diese könnte nicht nur Gewinne simulieren, sondern auch Schadsoftware enthalten. Grundsätzlich sollten Trading-Portale gemieden werden. Selbst bei seriösen Anbietern ist das Risiko eines Totalverlusts hoch.
Vorsicht vor Identitätsdiebstahl
Wenn Sie aufgefordert werden, Ausweiskopien oder andere persönliche Dokumente hochzuladen, besteht die Gefahr eines Identitätsdiebstahls.
Nach einer ersten Investition erhalten Opfer oft Anrufe von „Profi-Tradern“. Diese sollen angeblich auf dem Weg zum Reichtum unterstützen, wollen aber nur zu weiteren Investitionen bewegen. Die Anrufer sind oft psychologisch geschult und bauen eine persönliche Beziehung auf, um an private Details zu gelangen. Auch wenn die Investition erfolgreich erscheint, ist das Geld zu diesem Zeitpunkt meist schon verloren. Dies bemerkt man oft erst, wenn man versucht, Geld abzuheben. Der Kundenservice des Portals verlangt dann oft weitere Unterlagen oder findet Vorwände, um eine Auszahlung zu verhindern.
Kryptowährungen und Investment-Clubs: Das Schneeballsystem
Unseriöse Krypto-Angebote werben oft mit alternativen Geschäftsmodellen rund um Bitcoin & Co., statt direkt in Kryptowährungen zu investieren. Dies können Beteiligungen am „Mining“ oder Investitionen in Grundstücke mit Mining-Anlagen sein. Manchmal geht es auch um andere Währungen oder Rohstoffe. Um am Erfolg teilzuhaben, müssen Anleger investieren und werden oft in eine Art Club aufgenommen. Bei Live-Events werden Erfolgsgeschichten erzählt, die oft erfunden sind.
Hier geht es nicht nur darum, dass Sie immer mehr investieren, sondern auch darum, dass Sie nach dem Prinzip eines Schneeballsystems weitere Mitglieder für den Club anwerben. Jedes neue Mitglied tätigt eine Erstinvestition, von der die Betrüger profitieren. Unabhängige Informationen sind vor solchen Investments unerlässlich.
Täter sitzen meist im Ausland
Wenn Betrugsopfer versuchen, sich zu wehren, stellen sie oft fest, dass Profile und Webseiten der Anbieter im Ausland registriert sind. Dies erschwert rechtliche Schritte erheblich. Ein fehlendes Impressum ist ein starkes Indiz für Betrug. Häufig sind Zypern, Bulgarien, Litauen, die Schweiz oder Großbritannien als Standorte für Konten und Firmen zu finden.
Obwohl Rechtsfragen innerhalb der EU besser zu klären sind, werden Anfragen oft nicht oder zu spät bearbeitet. Beschwerden bei der BaFin werden zwar an ausländische Aufsichtsbehörden weitergeleitet, diese sind jedoch oft überfordert oder zögern, Konten zu schließen und Gelder zu beschlagnahmen. Rücküberweisungen an Betrugsopfer sind äußerst unwahrscheinlich.
Plattformen, die bewusst im außereuropäischen Ausland, etwa in der Karibik, registriert sind, entziehen sich jeglicher Überwachung und Kontrolle durch die EU. In solchen Fällen ist es nahezu unmöglich, überwiesenes Geld zurückzuholen.
Was tun bei Betrugsverdacht?
- Schnell handeln: Haben Sie erst vor wenigen Stunden oder am Wochenende Geld überwiesen, kontaktieren Sie sofort Ihre Bank, um die Überweisung zu widerrufen.
- Zahlungen zurückholen: Bei Zahlungen per Kreditkarte oder PayPal versuchen Sie, die Zahlung wegen Betruges zurückzuholen.
- Keine weiteren Investitionen: Investieren Sie unter keinen Umständen mehr Geld, selbst bei überzeugenden Argumenten.
- Beweise sichern: Machen Sie Screenshots der gesamten Kommunikation mit den Anbietern und sichern Sie diese.
- Anzeige erstatten: Erstatten Sie Anzeige bei der Staatsanwaltschaft oder Polizei.
- BaFin informieren: Melden Sie den Vorfall der BaFin und geben Sie die genutzten Kontonummern/IBANs an.
- Beratung einholen: Bei weiteren Fragen oder Zweifeln kontaktieren Sie Ihre Verbraucherzentrale für eine Beratung.





