Der chinesische Technologiekonzern XPENG, bekannt für seine Elektrofahrzeuge, sieht sich bei der Entwicklung seiner humanoiden Roboter mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Mi Liangchuan, der Leiter der Robotikabteilung, hat kürzlich offengelegt, dass die Hardware-Zuverlässigkeit derzeit der größte Engpass für die fortschrittlichen KI-Fähigkeiten des Unternehmens darstellt. Dies betrifft insbesondere die ehrgeizigen Pläne zur Serienproduktion des 'Iron'-Roboters bis 2026.
Wichtige Erkenntnisse
- Hardware-Zuverlässigkeit ist der Hauptengpass für XPENGs Roboter-KI.
- Ein 'Datenfabrik' in Guangzhou soll die Skalierung der physischen KI vorantreiben.
- Der 'Iron'-Roboter wird die VLA 2.0-Architektur nutzen, die auch in XPENG-Autos zum Einsatz kommt.
- XPENG erforscht mehrere Designs für eine verbesserte Roboterhand.
- Das Unternehmen sieht den Humanoiden-Markt derzeit als nicht-kompetitiven Raum.
Hardware-Probleme überschatten KI-Erfolge
Mi Liangchuan betonte, dass die Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz (KI) bei XPENG beeindruckend seien und nicht den Flaschenhals darstellten. Überraschenderweise ist die KI nicht unser Engpass, erklärte Mi. Die KI entwickelt sich stark, aber alle unsere bisherigen Fehler kamen fast nie von der KI oder dem Controller. Es lag immer an einem kleinen Kabel oder einer Signalunterbrechung.
Diese Erkenntnis ist entscheidend für die zukünftige Entwicklung. Die Ingenieure müssen nun verstärkt an der Robustheit der mechanischen Komponenten arbeiten. Dies ist besonders wichtig für die Extremitäten der Roboter, wie etwa die Hände.
Faktencheck
- 84 Gelenke: Der 'Iron'-Roboter von XPENG verfügt über 84 Gelenke, die komplexe Bewegungen ermöglichen.
- 5 Freiheitsgrade: Die Taille des Roboters bietet fünf Freiheitsgrade für zusätzliche Flexibilität.
- 2026: XPENG strebt die Massenproduktion des 'Iron'-Roboters bis zum Jahr 2026 an.
Herausforderungen bei Roboterhänden
Die erste Generation der Roboterhände zeigte in frühen Werkstests deutliche Schwächen. Mi bestätigte, dass diese Hände oft schon nach weniger als einem Monat ausfielen. Das Entwicklungsteam prüft daher mehrere Ansätze für eine zweite Generation. Eine endgültige Entscheidung für das Produktionsmodell steht noch aus.
„Unsere Motivation, einen humanoiden Roboter zu bauen, um Menschen zu helfen, ist eine ultimative Mission.“ – Mi Liangchuan, Leiter der Robotikabteilung bei XPENG
Datenfabrik für Physische KI
Um die sogenannten 'Physische KI'-Modelle effektiv zu trainieren, errichtet XPENG eine spezielle Datenfabrik in Guangzhou. Mi Liangchuan verglich die Skalierungsgesetze für Robotik mit denen von Large Language Models (LLMs). Dies deutet darauf hin, dass die Menge und Qualität der Trainingsdaten entscheidend für den Erfolg sind.
Die genaue Art der gesammelten Daten bleibt Unternehmensgeheimnis. Es ist jedoch klar, dass XPENG hier einen ähnlichen Ansatz verfolgt wie bei der Entwicklung seiner autonomen Fahrsysteme.
Hintergrund: VLA 2.0-Architektur
Der 'Iron'-Roboter nutzt die VLA 2.0 (Vision-Language-Action)-Architektur. Dies ist dieselbe Technologie, die auch in XPENGs neuesten autonomen Fahrzeugen zum Einsatz kommt. Durch die gemeinsame Nutzung von Turing AI-Chips und Navigationsmodellen zwischen Autos und Robotern erhofft sich XPENG, komplexe Navigationsprobleme effizienter zu lösen als reine Robotikunternehmen.
Menschzentrierte Mission
Mi Liangchuan sprach über die tiefere Motivation hinter dem Humanoiden-Projekt. Er erzählte die persönliche Geschichte seines Nachbarn Danny, der in ein Pflegeheim musste und später verstarb, weil seine Familie ihn zu Hause nicht ausreichend versorgen konnte. Diese Erfahrung prägt die Vision des Unternehmens.
XPENG stellt sich vor, dass der 'Iron'-Roboter eines Tages als Familienmitglied dienen könnte. Er soll älteren oder kranken Menschen ermöglichen, länger in ihren eigenen vier Wänden zu leben und die notwendige Unterstützung zu erhalten.
Keine Konkurrenz im Humanoiden-Markt
Trotz der steigenden Marktkapitalisierung von XPENG und der globalen Aufmerksamkeit für humanoide Roboter, sieht Mi Liangchuan derzeit keinen intensiven Wettbewerb. Er betonte, dass der potenzielle Markt so riesig ist und die Branche noch in den Kinderschuhen steckt, dass traditionelle Rivalität nicht im Vordergrund steht.
- Der Markt ist riesig.
- Die Industrie ist noch sehr jung.
- Fokus liegt auf der Akzeptanz durch den Menschen.
Stattdessen konzentriert sich XPENG auf die psychologische Akzeptanz von Maschinen, die menschlich aussehen und sich bewegen. Es geht darum, die 'Grenze zwischen Mensch und Maschine' neu zu definieren und Vertrauen aufzubauen.
Mit dem Baubeginn der Produktionsstätte in Guangzhou im ersten Quartal 2026 verschiebt sich der Fokus. Es geht nicht mehr darum zu beweisen, dass der Roboter existiert, sondern darum, seine Zuverlässigkeit für die Massenproduktion sicherzustellen.





