Der chinesische Technologiekonzern Xiaomi überrascht die Automobilwelt mit einer außergewöhnlich frühen und umfassenden Modellpflege für sein Elektroauto SU7. Noch bevor das Fahrzeug in Europa auf den Markt kommt, wird es technisch grundlegend überarbeitet. Diese schnelle Entwicklung unterstreicht Xiaomis Ambition, sich als ernsthafter Akteur in der Elektromobilität zu etablieren und die Konkurrenz herauszufordern.
Wichtige Neuerungen
- Alle SU7-Modelle nutzen zukünftig eine 800-Volt-Architektur.
- LiDAR-Sensoren und verbesserte KI-Rechenleistung werden Standard.
- Reichweite des SU7 Pro steigt auf über 900 km (CLTC).
- Preise steigen moderat, trotz erheblicher technischer Verbesserungen.
- Luftfederung wird in weiteren Modellen verfügbar sein.
Revolutionäre 800-Volt-Architektur für alle Modelle
Die auffälligste Neuerung ist die flächendeckende Einführung einer 800-Volt-Hochvolt-Architektur. Bisher war diese Technologie den teureren Varianten des SU7 vorbehalten. Zukünftig werden alle Modelle, einschließlich der Basisversion, mit mindestens 752 Volt betrieben.
Diese Umstellung führt zu deutlich kürzeren Ladezeiten und einer höheren Effizienz des gesamten Antriebsstrangs. Auch die thermische Stabilität des Systems verbessert sich, was besonders bei hohen Ladeleistungen von Vorteil ist.
Faktencheck: 800-Volt-Technik
Die 800-Volt-Technologie ermöglicht schnellere Ladevorgänge und reduziert Energieverluste im System. Sie ist ein entscheidender Faktor für die Alltagstauglichkeit von Elektrofahrzeugen, da sie die Ladezeiten an Schnellladesäulen erheblich verkürzt.
Xiaomi bezieht seine Cell-to-Pack-Stromspeicher mit NMC-Zellchemie vom chinesischen Großproduzenten CATL. Diese Batterien werden unter der Bezeichnung „Qilin“ vermarktet und gelten als hochleistungsfähig. In Kombination mit Siliziumkarbid-Halbleitern und weiterentwickelten Elektromotoren verspricht Xiaomi eine signifikante Steigerung der Effizienz und Reichweite.
Beeindruckende Reichweite und Ladeleistung
Die Verbesserungen wirken sich direkt auf die Reichweite aus. Das gehobene Modell SU7 „Pro“ soll nach dem chinesischen CLTC-Zyklus eine Reichweite von über 900 Kilometern erreichen. Umgerechnet auf den realistischeren europäischen Maßstab bedeutet dies immer noch eine Reichweite von 750 bis 800 Kilometern.
Beim Laden glänzt der SU7 ebenfalls: Unter Idealbedingungen soll in nur 15 Minuten Strom für weitere 670 Kilometer Reichweite nachgeladen werden können. Diese Werte sind bemerkenswert und setzen den SU7 in direkte Konkurrenz zu etablierten Volumenmodellen wie dem Tesla Model 3 oder dem VW ID.7, insbesondere angesichts des attraktiven Preises.
„Die Ladezeiten schrumpfen, die Effizienz steigt und thermische Probleme werden besser beherrschbar. Das sind überragende Werte für ein Fahrzeug, das in China umgerechnet keine 37.000 Euro kostet.“
Fortschrittliche Assistenzsysteme und verbesserte Hardware
Xiaomi geht auch bei den Assistenz- und Sicherheitssystemen konsequent vor. Der LiDAR-Sensor, der bisher nur den Top-Versionen vorbehalten war, ist nun serienmäßig in jedem Modell verbaut. Damit distanziert sich Xiaomi von der reinen Kamera-Strategie, wie sie beispielsweise Tesla verfolgt.
Die Rechenleistung der neuen Hardware-Architektur für die Assistenzsysteme wurde ebenfalls erheblich gesteigert. Xiaomi verspricht 700 TOPS (Tera Operations per Second) in jeder Variante, eine massive Verbesserung gegenüber den bisherigen 84 TOPS. Diese Leistungssteigerung bereitet jeden SU7 optimal auf hochautomatisierte Fahrfunktionen vor.
Was ist TOPS?
TOPS steht für „Tera Operations per Second“ und ist eine Maßeinheit für die Rechengeschwindigkeit von Künstlicher Intelligenz. Ein höherer TOPS-Wert bedeutet eine schnellere und leistungsfähigere Verarbeitung komplexer Daten, was für autonome Fahrfunktionen entscheidend ist.
Die Integration von künstlicher Intelligenz ist ein Kernbestandteil der neuen Modellpflege. Kunden profitieren von einer umfassenderen und zuverlässigeren Unterstützung im Straßenverkehr, unabhängig von der gewählten Ausstattungslinie.
Komfort und Fahrwerk: Anpassungen durch Kundenfeedback
Kundenkritik am anfänglich straffen Fahrwerk hat Xiaomi ernst genommen. Die Modellpflege bringt nun auch der mittleren Ausstattung, dem SU7 Pro, die Zweikammer-Luftfederung mit adaptiven Dämpfern. Diese war zuvor exklusiv dem Topmodell vorbehalten und verspricht einen deutlich verbesserten Fahrkomfort.
Auch die Bereifung erfährt eine Anpassung: Die Breite der Hinterreifen wächst von 245 auf 265 Millimeter, während die Vorderreifen bei 245 Millimetern bleiben. Diese Änderung trägt zur verbesserten Fahrstabilität und Traktion bei.
Sicherheitsupdate: Notstromversorgung
Als Reaktion auf neue chinesische Zulassungsvorschriften und Bedenken bezüglich der Sicherheit elektrischer Türschlösser bei Unfällen, integriert die Modellpflege eine Notstromversorgung für die Türschlösser. Dies erhöht die Sicherheit für die Insassen.
Preise und Marktstrategie
Trotz der erheblichen technischen Verbesserungen, der höheren Leistung und Reichweite sowie des besseren Fahrwerks, steigen die Preise nur moderat. Der chinesische Einstiegspreis für die Limousine, die knapp fünf Meter lang und zwei Meter breit ist, bleibt umgerechnet unter 30.000 Euro. Die Preissteigerung liegt bei weniger als zehn Prozent.
Xiaomi hat noch keine Preise für europäische Länder bekannt gegeben, aber es wird erwartet, dass der Aufpreis gegenüber den jetzigen Modellen bei rund 2.000 Euro liegen könnte. Dieser Ansatz zeigt, wie Xiaomi Skaleneffekte, Plattformdenken und eigene Softwarekompetenz nutzt, um Kunden wettbewerbsfähige Angebote zu machen.
Kunden, die bereits einen SU7 bestellt haben, können ohne Aufpreis auf das aktualisierte Modell umbuchen. Die Markteinführung der überarbeiteten Modelle ist für April geplant. Xiaomi verfolgt eine Strategie der Marktverankerung durch hochwertige Technik zu attraktiven Preisen, anstatt auf kurzfristige Rabattaktionen zu setzen.
- Markteinführung: April
- Preisanstieg: Moderat, unter 10 Prozent
- Kunden-Upgrade: Ohne Aufpreis auf neue Modelle umbuchen möglich





