Wandercraft, ein französisches Robotikunternehmen, hat zwölf neue Unternehmenskunden für seinen industriellen Humanoiden Calvin-40 gewonnen. Diese Erweiterung der Kundenbasis umfasst Sektoren wie Logistik, Einzelhandel, Verteidigung und Gesundheitswesen. Der Calvin-40 ist speziell für schwere industrielle Aufgaben konzipiert und nutzt eine fortschrittliche dynamische Balance-Technologie, die ursprünglich für medizinische Exoskelette entwickelt wurde.
Wichtige Erkenntnisse
- Wandercraft hat 12 neue Großkunden für den Calvin-40 gewonnen, darunter Unternehmen aus Logistik, Einzelhandel und Verteidigung.
- Der Humanoid ist für schwere Lasten wie Reifen, Paneele und Wagen optimiert.
- Die Technologie des Calvin-40 basiert auf zehn Jahren Erfahrung mit medizinischen Exoskeletten.
- Wandercraft strebt eine Finanzierungsrunde von 100 Millionen Euro bei einer Bewertung von 750 Millionen Euro an.
- Renault Group plant den Einsatz von 350 Calvin-Humanoiden in ihren Werken.
Erfolgreiche Expansion über die Automobilbranche hinaus
Die neuen Aufträge sind ein wichtiger Meilenstein für Wandercraft, da sie die kommerzielle Validierung des Calvin-40 in verschiedenen Industrien belegen. Bisher lag der Fokus stark auf der Automobilindustrie, wo der Roboter bereits erfolgreich getestet wurde.
Die Pariser Firma befindet sich Berichten zufolge in Gesprächen mit Goldman Sachs, um rund 100 Millionen Euro zu sammeln. Diese Finanzierungsrunde würde das Unternehmen mit etwa 750 Millionen Euro bewerten und soll die kommerzielle Produktion ankurbeln.
Faktencheck
- Kunden: 12 neue Großkunden
- Sektoren: Automobil, Logistik, Einzelhandel, Verteidigung, Gesundheitswesen
- Finanzierung: Angestrebte 100 Mio. € bei 750 Mio. € Bewertung
- Erste Einsätze: Materialhandling schwerer Lasten (Reifen, Paneele, Wagen)
Aufgabenorientierter Ansatz für industrielle Lösungen
Wandercraft verfolgt einen „Task-First“-Ansatz, anstatt von Anfang an universelle Geschicklichkeit anzustreben. Der Calvin-40 wurde speziell für physisch intensive Aufgaben entwickelt, bei denen hohe Betriebszeiten und Sicherheit entscheidend sind.
Anfänglich konzentrierte sich der Humanoid auf das Handling schwerer Lasten wie Pakete, Kisten, Reifen, Paneele und Wagen. Das Unternehmen arbeitet aktiv an der Entwicklung feinerer Manipulationsfähigkeiten wie dem Greifen und Sortieren. Diese sollen als nächste Stufe auf den bestehenden dynamischen Bewegungs- und Hebefähigkeiten aufbauen.
„Humanoide Roboter werden nicht skalieren, weil sie universell sind. Sie werden universell, wenn sie skalieren“, sagte Matthieu Masselin, Mitbegründer und CEO von Wandercraft. „Unser Ansatz ist es, zunächst wichtige industrielle Probleme zu lösen, Calvin-40 in realen Umgebungen einzusetzen und dann von Fähigkeiten auszugehen, die sich bereits bewährt haben.“
Jeder neue Einsatz generiert dabei Erfahrungen und Daten, die den Calvin-40 leistungsfähiger machen. Dieser datengesteuerte Ansatz ist zentral für die Weiterentwicklung des Roboters.
Die Rolle von Renault und SAPA
Die neuen Kunden erweitern Wandercrafts Präsenz deutlich über die ursprüngliche Automobilbasis hinaus. Zuvor hatte das Unternehmen bereits eine hochkarätige Partnerschaft mit der Renault Group geschlossen. Renault plant, 350 Calvin-Humanoiden in seinen Werken in Frankreich und Spanien einzusetzen. Dies ist Teil des „futuREady“-Kostensenkungsplans des Automobilherstellers.
Auch der italienische Automobilzulieferer SAPA nutzt die Plattform für das Handling hochpräziser Komponenten. Während Renault weiterhin wichtiges industrielles Know-how in der Integration von Montagelinien liefert, zeigen die zwölf neuen Kunden eine breite Nachfrage in Sektoren, die unter ergonomischen Herausforderungen und Personalmangel leiden.
Hintergrundinformationen
Der Arbeitsmarkt in vielen Industrieländern ist von Fachkräftemangel betroffen. Roboter wie der Calvin-40 können dazu beitragen, Lücken in Bereichen zu schließen, die körperlich anspruchsvoll oder monoton sind. Dies entlastet menschliche Arbeitskräfte und erhöht die Effizienz.
Von medizinischen Exoskeletten zur Fabrikhalle
Die Steuerungsarchitektur des Calvin-40 basiert auf Wandercrafts zehnjähriger Erfahrung in der Entwicklung selbstbalancierender medizinischer Exoskelette. Systeme wie Atalante X und Eve, die Menschen mit schweren Gehbehinderungen helfen, sind weltweit in über 150 Rehabilitationszentren im Einsatz.
Der Betrieb in klinisch regulierten Umgebungen erforderte ausfallsichere dynamische Balance und hohe architektonische Zuverlässigkeit. Diese Eigenschaften sind laut Wandercraft direkt auf industrielle Standorte übertragbar, wo schwere zweibeinige Roboter in unmittelbarer Nähe zu Menschen arbeiten.
- Medizinische Wurzeln: Über 150 Reha-Zentren nutzen Wandercraft-Exoskelette.
- Sicherheit: Ausfallsichere Balance ist ein direktes Ergebnis dieser Entwicklung.
- Anwendung: Ideal für Umgebungen, in denen Menschen und Roboter zusammenarbeiten.
Herausforderungen und Zukunftsaussichten
Die Einführung von Humanoiden in der Industrie verlagert den Fokus von einfachen Demonstrationen hin zu anhaltendem Durchsatz, der mittleren Zeit zwischen Ausfällen (MTBF) und den Wartungskosten der Flotte. Mit zwölf kommerziellen Partnern und einer bedeutenden Finanzierungsrunde steht Wandercrafts spezialisierte Strategie für schwere Lasten vor ihrer entscheidendsten operativen Prüfung.
Die Einsätze in Verteidigungslogistikdepots und Einzelhandelslagern stellen andere Anforderungen an Balance, Sicherheit und Bewegungsfreiheit als strukturierte Automobilwerke. Dies bietet Wandercraft vielfältige Umgebungen, um seine Flotte unter realen Bedingungen zu validieren und weiterzuentwickeln.





