Tesla hat mit seinem humanoiden Roboter Optimus einen bemerkenswerten Fortschritt erzielt. Ein neues Video zeigt den Roboter in einem Laufschritt mit einer deutlichen Flugphase. Unabhängige Analysen des Materials deuten darauf hin, dass Optimus Geschwindigkeiten von etwa 8,5 Meilen pro Stunde (ca. 13,7 km/h) erreichen könnte. Dies würde Optimus in die Riege der schnellsten humanoiden Roboter weltweit katapultieren.
Wichtige Erkenntnisse
- Optimus zeigt erstmals einen echten Laufschritt mit Flugphase.
- Geschwindigkeit wird auf 8,5 mph (13,7 km/h) geschätzt.
- Der Roboter übertrifft damit einige führende Konkurrenten.
- Die Entwicklung von Optimus schreitet rasant voran.
- Tests fanden in einer kontrollierten Laborumgebung statt.
Ein neuer Geschwindigkeitsrekord im Labor
Das von Tesla veröffentlichte Kurzvideo zeigt Optimus, wie er über einen Laborboden sprintet. Die Bildunterschrift dazu lautet: „Gerade einen neuen persönlichen Rekord im Labor aufgestellt.“ Offizielle Telemetriedaten wurden zwar nicht veröffentlicht, doch die visuellen Beweise sprechen für eine deutliche Steigerung der Fortbewegungsfähigkeiten des Roboters.
Die Roboter-Community hat sich schnell an eine pixelbasierte Analyse gemacht, um die Leistung von Optimus zu bewerten. Ein bekannter Analyst namens Scott Walter, aktiv auf X unter dem Namen @GoingBallistic5, hat eine detaillierte Auswertung des Videos vorgenommen.
Fakten zur Geschwindigkeit
- Geschätzte Distanz: 6,5 Meter
- Benötigte Zeit: 1,71 Sekunden
- Berechnete Geschwindigkeit: 3,8 Meter pro Sekunde (m/s) oder 8,5 mph (13,7 km/h)
Walter nutzte die im Hintergrund stehenden Optimus-Einheiten als Referenz, um eine Strecke von 6,5 Metern zu bestimmen. Er berechnete, dass der aktive Roboter diese Distanz in etwa 1,71 Sekunden zurücklegte. Dies führt zu einer Geschwindigkeit von rund 3,8 Metern pro Sekunde oder 8,5 mph.
„Ich korrigiere mich!! ... 6.5m/1.71s = 3.8 m/s = 13.7 kph = 8.5 mph“ – Scott Walter (@GoingBallistic5)
Sollte diese Schätzung zutreffen, wäre dies ein signifikanter Sprung gegenüber früheren Demonstrationen. Noch vor Kurzem zeigte Optimus zwar flüssiges Gehen, aber bei weitem nicht diese Geschwindigkeit.
Die Definition von 'Laufen' im Robotik-Kontext
Über die reine Geschwindigkeit hinaus markiert die im Video gezeigte Gangart einen kritischen technischen Meilenstein: eine echte Flugphase. Gehen ist definiert dadurch, dass immer mindestens ein Fuß Kontakt zum Boden hält. Beim Laufen hingegen muss der Körper so viel vertikalen Impuls erzeugen, dass er in die Luft gehoben wird und für einen Moment beide Füße gleichzeitig vom Boden gelöst sind.
Diese Flugphase führt zu dynamischer Instabilität. Sie erfordert deutlich schnellere Regelkreise, um ein Fallen zu verhindern. Walter bestätigte, dass das neue Video beweist, dass Optimus „technisch läuft, da beide Füße kurzzeitig in der Luft sind oder sich in einer Flugphase befinden.“ Dies ist ein komplexer Vorgang, der hochentwickelte Steuerungsalgorithmen erfordert.
Hintergrund: Laufmechanik bei Robotern
Die Fähigkeit, eine Flugphase zu realisieren, ist ein entscheidender Schritt in der Entwicklung humanoider Roboter. Sie erfordert nicht nur leistungsstarke Motoren und leichte Materialien, sondern auch fortschrittliche Software für die Balance und Koordination. Die Entwicklung solcher Systeme ist extrem anspruchsvoll und erfordert jahrelange Forschung und Entwicklung.
Optimus im Vergleich zur Konkurrenz
Wenn die ermittelte Geschwindigkeit von 3,8 m/s präzise ist, operiert Optimus nun in einem Bereich, der mit den schnellsten verifizierten Humanoiden der Welt vergleichbar ist. Die aktuelle Landschaft der zweibeinigen Roboter wird von einigen Schlüsselakteuren dominiert:
- RobotEra L7/STAR1: Das chinesische Startup RobotEra zeigte kürzlich seinen STAR1-Roboter, der in der Wüste Gobi mit 3,6 m/s (8,0 mph) lief. Es gibt Behauptungen, dass das neuere L7-Modell sogar 4,0 m/s erreichen kann.
- Unitree H1: Ein weiterer großer chinesischer Konkurrent, Unitree, hielt Anfang des Jahres den Rekord mit seinem H1-Roboter, der 3,3 m/s (7,4 mph) erreichte.
- Cassie: Agility Robotics' „Cassie“ hält einen Guinness-Weltrekord mit 4,0 m/s. Allerdings wird Cassie als zweibeinige Plattform (nur Beine) und nicht als vollständiger Humanoider mit Torso und Armen klassifiziert.
Ein Lauf von 8,5 mph (3,8 m/s) würde Optimus vor den Unitree H1 und geringfügig schneller als die verifizierte Geschwindigkeit des RobotEra STAR1 positionieren. Dies ist eine bemerkenswerte Leistung für einen Roboter, der bis vor Kurzem hauptsächlich mit Geschicklichkeitsaufgaben wie dem Wäschefalten in Verbindung gebracht wurde und nicht mit athletischem Sprinten.
Rasante Entwicklung und zukünftige Aussichten
Die Geschwindigkeit der Entwicklung bleibt der auffälligste Aspekt dieses Updates. Vor etwa zweieinhalb Jahren hatten die ersten Optimus-Prototypen noch Schwierigkeiten beim Gehen. Der Fortschritt zu einer natürlichen, unabhängigen Laufbewegung deutet darauf hin, dass Teslas Investitionen in das Reinforcement Learning (RL) Früchte tragen.
Die Fähigkeit, komplexe Bewegungen wie das Laufen zu erlernen, ist ein Ergebnis fortschrittlicher KI-Modelle und umfangreicher Trainingsdaten. Es zeigt, wie schnell sich die Robotikbranche weiterentwickelt und welche Potenziale in der Kombination von Hardware und Software stecken.
Ein Blick in die Zukunft
Obwohl das Video beeindruckend ist, ist es wichtig, den Kontext zu beachten. Der „persönliche Rekord“ wurde in einer kontrollierten Laborumgebung auf einer ebenen, reibungsstarken Oberfläche aufgestellt. Solange Tesla keine offiziellen Telemetriedaten veröffentlicht oder diese Fähigkeit in einem längeren, ungescripteten Format demonstriert, bleibt der Titel des „schnellsten“ Roboters umstritten.
Das Video bestätigt jedoch, dass die Hard- und Softwarebeschränkungen, die Optimus einst limitierten, schnell überwunden werden. Diese Entwicklung könnte weitreichende Auswirkungen auf verschiedene Branchen haben, von der Logistik über die Fertigung bis hin zu Haushaltsanwendungen, sobald humanoide Roboter in der Lage sind, sich agil und schnell in komplexen Umgebungen zu bewegen.
Die Fortschritte bei Optimus sind ein klares Zeichen dafür, dass die Vision von vielseitigen, menschenähnlichen Robotern, die uns im Alltag unterstützen, immer greifbarer wird. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Laborerfolge in reale Anwendungen zu überführen.





