Sunday Robotics steht kurz davor, den Haushaltsrobotermarkt grundlegend zu verändern. Mit dem kürzlich vorgestellten Roboter 'Memo' und einer innovativen Datenstrategie wollen die Gründer Tony Zhao und Cheng Chi die Lücke zwischen Forschung und einem massentauglichen Produkt schließen. Das Unternehmen setzt auf eine einzigartige Methode der Datenerfassung, um Roboter zu entwickeln, die komplexe Aufgaben im Haushalt eigenständig bewältigen können.
Wichtige Erkenntnisse
- Sunday Robotics fokussiert sich auf eine neuartige Datenpipeline, nicht primär auf die Hardware.
- Das Unternehmen lehnt Teleoperation ab und setzt auf das 'Skill Capture Glove' (UMI) System.
- Memo, der Haushaltsroboter, soll ab 2026 in einem Beta-Programm getestet werden.
- Ziel ist ein Endverbraucherpreis von unter 10.000 US-Dollar.
- Die Entwicklung wird als Übergang vom 'GPT-Moment' zum 'ChatGPT-Moment' für physische KI beschrieben.
Der Sprung zum 'ChatGPT-Moment' der Robotik
Die Robotikbranche erlebt derzeit einen Hype, der durch die Erfolge von Transformer-Architekturen in der Sprachverarbeitung angeheizt wird. Viele hoffen, dass diese Technologien auch physische Bewegungen revolutionieren können. Doch Tony Zhao, CEO von Sunday Robotics, bremst die Erwartungen und zieht einen Vergleich zur Entwicklung von Sprachmodellen.
Zhao beschreibt den aktuellen Zustand der verkörperten KI als 'zwischen dem GPT-Moment und dem ChatGPT-Moment'. Er erklärt, dass zwar ein skalierbares Rezept existiert, die Skalierung jedoch noch nicht ausreichend erfolgt ist, um ein großartiges Konsumprodukt zu schaffen. Dieser Unterschied ist entscheidend.
Forschungsergebnisse, darunter auch die Arbeiten von Sunday Robotics wie ACT-1 und ALOHA, zeigen vielversprechende Ansätze für transformerbasierte Lösungen. Die Industrie wartet nun darauf, ob massive Datenmengen tatsächlich zu der emergenten Intelligenz führen, die OpenAI von GPT-3 zu ChatGPT katapultierte. Sunday Robotics setzt alles auf diese Wette.
Faktencheck: Memo
- Aufgabe: Autonomes Aufräumen vom Tisch zur Spülmaschine.
- Interaktionen: 33 einzigartige Interaktionen während des Zyklus.
- Besonderheit: Teleskopierbare 'Z-Achsen'-Wirbelsäule für verschiedene Höhen und den Umgang mit zerbrechlichen Gegenständen wie Weingläsern.
Das Ende der Teleoperation?
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Sunday Robotics und vielen Wettbewerbern liegt in ihrem Ansatz zur Roboterschulung. Viele Unternehmen, wie 1X Technologies, verlassen sich stark auf Teleoperation. Dabei steuern Menschen Roboter remote mit VR-Headsets, um eine 1:1-Beziehung zwischen Mensch und Maschine herzustellen.
Cheng Chi, CTO von Sunday Robotics, sieht Teleoperation als einen Flaschenhals, der die Skalierung grundlegend begrenzt. Er merkt an, dass es einen Doktoranden mehrere Stunden kosten kann, ein System im Labor einzurichten. Chi argumentiert, dass man keinen Generalisten-Roboter bauen kann, wenn Daten nur in einer kontrollierten Umgebung gesammelt werden.
Sunday Robotics bietet eine Alternative: den 'Skill Capture Glove' (UMI). Durch die Verteilung dieser Geräte an über 500 normale Benutzer behauptet das Unternehmen, fast 10 Millionen Trajektorien realer Daten gesammelt zu haben. Chi betont, dass das Handschuh-Format zu geschickteren und natürlicheren Bewegungen anregt. Bei VR-Teleoperation fühlt sich die Hand des Bedieners oft 'taub' an, da das Force-Feedback fehlt. Dies führt zu 'aggressiven' Roboterbewegungen, die unsicher für den Umgang mit empfindlichen Gegenständen wie Weingläsern oder beim Falten von Socken sind.
„In VR fehlt das 'Force Closure'. Man wendet versehentlich unendlich viel Kraft auf weiche Objekte an, weil man kein Feedback bekommt.“
Hardware: Weniger ist mehr
Das Interview gab auch Einblicke, warum Sunday Robotics sich für ein rollendes, nicht-humanoides Design entschieden hat. Die Philosophie dahinter ist eine radikale Vereinfachung. Zhao erklärt: „Wann immer wir etwas sehen, das wir durch Vereinfachung beschleunigen können, werden wir es vereinfachen.“
Ein Beispiel ist das Greiferdesign: Statt fünf unabhängiger Finger wurden diese zu einer dreizackigen Klemme kombiniert. Zhao begründet dies damit, dass die Finger meistens zusammen verwendet werden. Dieser funktionalistische Ansatz spiegelt sich auch in ihrer Skepsis gegenüber Industrievorführungen wider.
Zhao rät Zuschauern, bei viralen Robotervideos 'keine Annahmen zu treffen'. „Wenn Sie einen Roboter sehen, der einer Person ein Getränk reicht, fragen Sie zuerst... ist das autonom oder teleoperiert?“, empfiehlt Zhao. „Wenn nicht gezeigt wird, wie er derselben Person eine leicht andersfarbige Tasse gibt... bedeutet das, dass ein Roboter buchstäblich nur diese eine Tasse aufheben kann.“ Sunday Robotics beansprucht, 'Zero-Shot-Generalisierung' zu lösen. Dies demonstrieren sie, indem sie Memo in Airbnb-Mietobjekte schicken, die der Roboter nie zuvor gesehen hat, um Aufgaben wie das Abräumen von Tischen zu erledigen.
Hintergrund: Zero-Shot-Generalisierung
Zero-Shot-Generalisierung bedeutet, dass ein KI-System Aufgaben oder Objekte erkennen und verarbeiten kann, die es während seines Trainings noch nie zuvor gesehen hat. Im Kontext der Robotik ist dies entscheidend für die Anpassungsfähigkeit an neue Umgebungen und unerwartete Situationen, wie sie im Haushalt häufig vorkommen.
Das 10.000-Dollar-Ziel und die Zukunft
Die Gründer sprachen offen über die wirtschaftlichen Aspekte der Kommerzialisierung. Aktuell liegen die Kosten für interne Prototypen zwischen 6.000 und 20.000 US-Dollar. Zhao prognostiziert jedoch, dass die Materialkosten erheblich sinken werden, sobald von CNC-Bearbeitung und Handlackierung auf Spritzguss umgestellt wird. „Wir können die Materialkosten wahrscheinlich auf unter 10.000 Dollar drastisch reduzieren“, so Zhao. „Das bedeutet, dass der Verkaufspreis der Roboter in dieser Größenordnung liegen wird.“
Das Unternehmen hat ein Beta-Programm für 2026 bestätigt. Ausgewählte Haushalte erhalten dabei Roboter kostenlos, um Daten zu generieren und das System unter realen Bedingungen zu testen. Ein genauer Zeitpunkt für die allgemeine Markteinführung bleibt noch ungewiss, aber Zhao ist sich sicher: Es wird nicht erst in einem Jahrzehnt geschehen.
- Prototyp-Kosten aktuell: 6.000 - 20.000 USD
- Ziel-Materialkosten: Unter 10.000 USD
- Beta-Programm: 2026
- Markteinführung: Nicht in einem Jahrzehnt
Die Vision von Sunday Robotics ist klar: Roboter sollen nicht nur in der Forschung glänzen, sondern als nützliche Helfer in den Alltag integriert werden. Der Fokus auf eine skalierbare Datenpipeline und ein funktionales Design könnte den Weg für die nächste Generation von Haushaltsrobotern ebnen und die versprochene Revolution der physischen KI tatsächlich in die Tat umsetzen.





