In einem bahnbrechenden Schritt für die Entwicklung künstlicher Intelligenz in Europa haben NEURA Robotics und die Technische Universität München (TUM) das TUM RoboGym (powered by NEURA) am Flughafen München ins Leben gerufen. Dieses 2.300 Quadratmeter große Zentrum wird Europas größte wissenschaftliche Trainingsstätte für physische KI sein, mit dem Ziel, humanoide Roboter unter realen Bedingungen zu trainieren und die dringend benötigten Daten für autonome Systeme zu generieren.
Wichtige Erkenntnisse
- Das TUM RoboGym ist Europas größtes Trainingszentrum für physische KI.
- Es befindet sich am TUM Convergence Center am Flughafen München und umfasst 2.300 Quadratmeter.
- NEURA Robotics und die TUM investieren gemeinsam rund 17 Millionen Euro.
- Ziel ist es, die Lücke zwischen Simulation und Realität („sim-to-real-gap“) zu schließen.
- Humanoide Roboter wie der 4NE-1 und kognitive Assistenten MiPA werden hier trainiert.
- Die gesammelten Daten fließen in das Neuraverse-Ökosystem ein.
Ein Zentrum für die KI-Zukunft in Europa
Die Eröffnung des TUM RoboGyms markiert einen entscheidenden Moment für die Robotik und künstliche Intelligenz. Ab Mitte 2026 wird eine Flotte humanoider Roboter in dieser Anlage trainieren. Das Training unter realen Bedingungen soll die kognitiven Modelle verfeinern, die für den Einsatz in Industrie und Haushalt unerlässlich sind.
Die Notwendigkeit eines solchen Zentrums ergibt sich aus einem zentralen Problem in der KI-Entwicklung: dem Mangel an hochwertigen Trainingsdaten für verkörperte Intelligenz. Während Software-Simulationen Fortschritte ermöglichen, stoßen KI-Modelle oft an ihre Grenzen, wenn sie von einer sauberen, vorhersehbaren virtuellen Umgebung in die unordentliche, unvorhersehbare Physik der realen Welt übertragen werden. Dieses Problem wird als „sim-to-real-gap“ bezeichnet.
Faktencheck
- Größe: 2.300 Quadratmeter
- Standort: TUM Convergence Center, Flughafen München
- Gesamtinvestition: ca. 17 Millionen Euro
- NEURA Robotics Anteil: ca. 11 Millionen Euro
- Start des Betriebs: Mitte 2026
Überbrückung der „Sim-to-Real“-Lücke
Die Partnerschaft zwischen NEURA Robotics und der TUM zielt darauf ab, genau diese „sim-to-real-gap“ zu überwinden. NEURA Robotics nutzte bereits die Isaac Sim Software von NVIDIA für virtuelles Training. Das RoboGym dient nun als physischer Übungsplatz, wo Roboter lernen müssen, sich in der realen Welt zurechtzufinden. David Reger, CEO von NEURA Robotics, betont diese Philosophie.
„Für den Fortschritt der intelligenten Robotik ist die größte Herausforderung heute nicht mehr die Hardware, sondern der Zugang zu hochwertigen, realistischen Trainingsdaten“, sagte Reger.
Die im RoboGym gesammelten Daten werden direkt in das Neuraverse eingespeist, ein cloudbasiertes Netzwerk für gemeinsame Intelligenz des Unternehmens. Dieses Ökosystem soll die Entwicklung autonomer Fähigkeiten für industrielle und häusliche Anwendungen beschleunigen. Das RoboGym baut auf dem Konzept der zuvor angekündigten NEURA Gyms auf, integriert aber durch das Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (MIRMI) der TUM eine starke akademische Komponente.
Ein demokratischer Innovationsmotor für Europa
Professor Lorenzo Masia, Direktor des TUM RoboGyms, unterstreicht die Bedeutung der Einrichtung für die „europäische Souveränität“ im globalen KI-Wettlauf. Im Gegensatz zu proprietären Systemen, die in einigen Silicon Valley-Laboren zu finden sind, planen die Partner, das RoboGym zukünftig auch für Industriepartner und Start-ups zu öffnen. Die Vision ist es, einen „demokratischen Innovationsmotor“ zu schaffen, bei dem das Neuraverse wie ein App Store für physische Aufgaben funktioniert.
Durch die Bereitstellung von Trainingsdaten über dieses Ökosystem setzt NEURA Robotics darauf, dass eine Hardware-agnostische Plattform – und nicht nur ein einzelnes Robotermodell – letztendlich die physische KI in der gesamten Weltwirtschaft skalieren wird. Es bleibt abzuwarten, wie „offen“ die Daten für Wettbewerber sein werden, aber das RoboGym signalisiert bereits, dass sich der Kampf um die Vorherrschaft bei humanoiden Robotern von der besten Motorik hin zur besten Datenpipeline verlagert.
Hintergrundinformationen
Die Ankündigung des RoboGyms fällt in eine Phase rascher Expansion für NEURA Robotics. Das in Metzingen ansässige Unternehmen gab erst kürzlich eine Partnerschaft mit Qualcomm bekannt, um Architekturen für das „Gehirn und Nervensystem“ von Robotern zu standardisieren. Diese Initiativen werden durch erhebliche Kapitalinvestitionen unterstützt; NEURA sicherte sich Berichten zufolge kürzlich eine Milliarde Euro von Tether, um vom Forschungsstadium zur großtechnischen Industrialisierung überzugehen. Parallel zur Entwicklung des „Gehirns“ des humanoiden Roboters 4NE-1 in München und Zürich sichert das Unternehmen seine physische Lieferkette durch Partnerschaften wie die mit Schaeffler für Drehmomentaktuatoren und den Aufbau von Fertigungszentren in Indien und China.
Die Rolle von Daten in der nächsten Generation der Robotik
Der Engpass für die nächste Generation humanoider Robotik liegt nicht mehr nur bei Hochdrehmomentaktuatoren oder Batteriedichte, sondern bei den Daten. Die Qualität und Quantität der Trainingsdaten sind entscheidend für die Fähigkeit eines Roboters, sich in komplexen, unvorhersehbaren Umgebungen anzupassen und zu agieren. Das TUM RoboGym wird diese Datenlücke schließen, indem es eine standardisierte Umgebung für die Datenerfassung bereitstellt.
Die Partner hoffen, auf diese Weise eine globale Grundlage für ein „Betriebssystem“ für Robotik zu schaffen. Dies würde es ermöglichen, die Entwicklung von Robotern zu beschleunigen und ihre Integration in verschiedene Lebensbereiche zu erleichtern. Die Investition von rund 17 Millionen Euro, wovon NEURA Robotics den Großteil von etwa 11 Millionen Euro trägt, unterstreicht das Engagement beider Parteien für dieses ambitionierte Vorhaben.
Was ist das Neuraverse?
Das Neuraverse ist ein von NEURA Robotics entwickeltes cloudbasiertes Ökosystem, das als zentrales Netzwerk für die gemeinsame Intelligenz von Robotern dient. Es ist darauf ausgelegt, hochwertige Trainingsdaten zu sammeln, zu verarbeiten und zu teilen, um die Entwicklung autonomer Fähigkeiten zu beschleunigen. Es soll eine Plattform bieten, ähnlich einem App Store, für physische Aufgaben und somit die Skalierung von physischer KI über verschiedene Hardware-Plattformen hinweg ermöglichen.
Ausblick und globale Auswirkungen
Die Zusammenarbeit zwischen NEURA Robotics und der TUM könnte weitreichende Auswirkungen auf die globale Robotik-Landschaft haben. Indem sie einen offenen Ansatz verfolgen und das RoboGym potenziellen Partnern zugänglich machen, fördern sie nicht nur die Innovation innerhalb Europas, sondern schaffen auch eine Alternative zu den oft geschlossenen Systemen anderer Technologiegiganten.
Die Entwicklung von humanoiden Robotern, die in der Lage sind, komplexe Aufgaben in der realen Welt zu meistern, hat das Potenzial, zahlreiche Branchen zu revolutionieren – von der Fertigung über die Logistik bis hin zur Pflege und dem Haushalt. Das TUM RoboGym ist ein entscheidender Schritt auf diesem Weg, indem es die Grundlage für eine datengesteuerte Revolution in der Robotik legt.





