Midea, der chinesische Gerätehersteller, hat mit dem MIRO U einen neuartigen Roboter vorgestellt, der die Grenzen der traditionellen humanoiden Robotik sprengt. Statt die menschliche Form eins zu eins nachzubilden, setzt der MIRO U auf ein radikal anderes Design: Er verfügt über sechs bionische Arme und ein Radfahrwerk. Dieses Konzept soll die Effizienz in der Fertigung deutlich steigern und menschliche physiologische Grenzen überwinden.
Wichtige Erkenntnisse
- Der MIRO U ist Mideas dritter Entwicklungsroboter, aber der erste, der sich stark von der menschlichen Form löst.
- Er verfügt über sechs bionische Arme und ein Radfahrwerk für omnidirektionale Bewegung.
- Midea will damit die Produktionseffizienz in Fabriken um 30% steigern.
- Der Roboter soll noch in diesem Monat in einer Midea-Waschmaschinenfabrik eingesetzt werden.
- Midea verfolgt eine zweigeteilte Roboterstrategie: Miro für Industrie, Meila für Dienstleistungen.
Ein "Super-Humanoid" für die Industrie
Der MIRO U ist Mideas Antwort auf die Frage, wie Roboter am effektivsten in einer für Menschen gebauten Welt arbeiten können. Anstatt die menschliche Morphologie zu imitieren, konzentriert sich Midea auf die Funktionalität. Wei Chang, Vice President und CTO der Midea Group, betonte bei der Vorstellung, dass der Kernwert des MIRO U darin liegt, über die bloße Form hinauszuwachsen und einen Sprung in der Betriebseffizienz zu erreichen, den ein Standard-Zweiarm-Arbeiter – ob biologisch oder mechanisch – nicht leisten kann.
Das Design des MIRO U ist auf mehrdimensionale Zusammenarbeit ausgelegt. Die sechs Arme ermöglichen es dem Roboter, schwere Komponenten mit den unteren Armen zu stützen, während die oberen Arme präzise Montage- oder Befestigungsaufgaben ausführen. Dies ist eine Fähigkeit, die die meisten herkömmlichen Humanoiden nicht bieten können.
Faktencheck
- 6 bionische Arme: Ermöglichen komplexe, gleichzeitige Aufgaben.
- Radfahrwerk: Für 360-Grad-Rotation und stabile vertikale Bewegung.
- Schneller Werkzeugwechsel: Endeffektoren können Module nahezu sofort wechseln.
Funktion vor Form: Eine neue Design-Philosophie
Die Entscheidung für sechs Arme und ein Radfahrwerk statt der üblichen zwei Beine und zwei Arme ist ein klares Statement. Midea argumentiert, dass diese Konfiguration die physiologischen Grenzen des Menschen überwindet. Ein Mensch muss sich drehen, um eine neue Aufgabe anzugehen. Der MIRO U kann dank seines Fahrwerks an Ort und Stelle um 360 Grad rotieren und sich stabil heben. Dies führt zu einer erheblichen Zeitersparnis und Effizienzsteigerung in einer dynamischen Fabrikumgebung.
Ein weiterer Vorteil ist die schnelle Anpassungsfähigkeit. Die Endeffektoren des MIRO U sind für einen schnellen Modulwechsel konzipiert. Dies bedeutet, dass der Roboter fast sofort zwischen verschiedenen Montagewerkzeugen wechseln kann. Diese Flexibilität ist entscheidend für moderne Fertigungslinien, die oft schnelle Produktwechsel und Anpassungen erfordern.
"Der Kernwert des MIRO U ist es, über die morphologische Nachahmung hinauszugehen. Ziel ist ein Sprung in der Betriebseffizienz, den ein Standard-Zweiarm-Arbeiter nicht erreichen kann." – Wei Chang, Midea Group VP und CTO.
Der "Fabrik-Praktikant" startet noch diesen Monat
Midea schreitet schnell von der Entwicklung zur praktischen Anwendung. Das Unternehmen bestätigte, dass der MIRO U noch vor Ende Dezember 2025 in der Midea Wuxi High-end Waschmaschinenfabrik seinen Dienst antreten wird. Dies ist kein allgemeiner Einsatz, sondern der Roboter hat ein klares Leistungsziel.
Midea erwartet, dass der MIRO U die Effizienz bei der Umstellung und Anpassung von Produktionslinien um 30% verbessern wird. Indem der Roboter den 'Takt' der Produktionslinie automatisiert – ohne Ermüdung und mit der Leistung von drei Händepaaren – will Midea die Machbarkeit komplexer Automatisierung in variablen Fertigungsumgebungen demonstrieren.
Hintergrundinformationen
Midea ist ein global agierendes Technologieunternehmen, bekannt für seine Haushaltsgeräte. Das Unternehmen investiert seit Jahren stark in Robotik und Automatisierung, um seine Produktionsprozesse zu optimieren und neue Märkte zu erschließen.
Mideas zweigeteilte Roboterstrategie: Miro vs. Meila
Die Einführung des MIRO U macht Mideas klare Roboterstrategie deutlich. Das Unternehmen hat seine Entwicklung in zwei separate Produktlinien unterteilt:
- Die Miro-Serie (Industrie): Diese konzentriert sich auf schwere Lasten, hohe Präzision und Fabrikumgebungen, wie der MIRO U zeigt.
- Die Meila-Serie (Dienstleistung): Diese Roboter sind für kommerzielle und private Anwendungen konzipiert. Sie sollen Aufgaben wie das Bedienen von Kaffeemaschinen oder die Navigation in Einzelhandelsgeschäften übernehmen. Midea plant, die Meila-Serie bis 2026 für Führungsdienste in seinen Geschäften einzuführen.
Diese Trennung zeigt, dass Midea die unterschiedlichen Anforderungen von Industrie und Dienstleistungssektor genau versteht und gezielte Lösungen entwickelt. Der MIRO U ist ein Beispiel für die Miro-Serie und fällt unter die Kategorie "Super Humanoid", die sich von den standardmäßigen zweibeinigen Modellen für den kommerziellen und häuslichen Gebrauch unterscheidet.
Die Zukunft der humanoiden Robotik
Der MIRO U wirft eine wichtige Frage für die humanoide Robotikindustrie auf: Ab welchem Punkt hört ein Humanoide auf, ein Humanoide zu sein? Indem Midea den Torso und den Kopf beibehält, bleibt der Roboter mit Arbeitsplätzen in menschlicher Höhe und visuellen Erkennungssystemen kompatibel. Durch das Hinzufügen von Rädern und zusätzlichen Gliedmaßen erkennt Midea jedoch an, dass die menschliche Form nicht immer die höchste industrielle Effizienz bietet.
Der MIRO U ist weniger ein synthetischer Mensch als vielmehr ein spezialisiertes Industriewerkzeug, das dort eine menschliche Form annimmt, wo es sinnvoll ist. Die Branche wird genau beobachten, ob sechs Arme tatsächlich besser sind als zwei, wenn der Roboter seine "Praktikumszeit" in Wuxi beginnt.





